5×16 / 5×17 – The Incident

Es kann nur einen geben!
Hier ist er nun also, der vorläufige Schlusspunkt von fünf Staffeln LOST. Das diesjährige Staffelfinale öffnet gleich zu Beginn eine neue Ebene in der Inselhintergrundgeschichte, indem es uns erstmals den leibhaftigen Jacob zeigt. Statt eines alten, weisen Mannes präsentiert sich uns ein nicht so alter Rotschopf, der im Fuß der ehemaligen Statue wohnt und seine Freizeit mit Teppichwebereien und Fisch-essen verbringt. Doch so ganz natürlich ist das auch nicht. So sitzt Jacob seelenruhig am Strand und verfolgt gelassen die Ankunft der Black Rock, welche er selber angelockt hat. Wie auch immer er das macht. Aber er macht es. Das weiß sein Gegenüber, der Mann in Schwarz, dessen Namen wir noch nicht kennen, genau. Und er freut sich weniger über die neuen Gäste, als Jacob. Sie kommen, sie zerstören, sie verderben. Immer das gleiche mit diesen Gästen! Für Jacob ist das alles nur ein weiterer Schritt in einer Entwicklung. Glaubt er an das Gute im Menschen? An den freien Willen sozusagen? Immerhin entsteht der Eindruck in dieser Folge. Sein Nemesis scheint anderer Meinung zu sein. Ich glaube nicht, dass er Smokey ist, aber er hat sicher was mit dem Rauchmonster zu tun. Und dieses beurteilt Menschen ja gern mal nach ihrer Vergangenheit und richtet danach. Vielleicht sind dies die beiden Positionen, die sich gegenüberstehen. Der Pessimist und der Optimist in Sachen Menschen. Man kann das Spiel der beiden Kontrahenten nur erahnen und Staffel 6 wird da die Aufklärung bringen müssen. Töten können sich beide wohl nicht, aber es sieht aus, als hätte Jacob zu diesem Zeitpunkt, im 19. Jahrhundert die Oberhand. Vielleicht kann sein Gegenspieler fremde Gestalten annehmen und die Gestalt in der wir ihn zu Beginn der Folge sehen ist auch nicht seine Ursprüngliche, aber anscheinend ist es ihm in diesen Gestalten nicht möglich, Jacob direkt umzubringen. Warum auch immer. Vielleicht wurde er ja verbannt und nun ist nur sein Geist am Werkeln. Doch er plant bereits seine Rache. Jacob nimmt’s gelassen.
Hauptsache der Gitarrenkoffer kommt mit!
Ein paar Jahrhunderte später hat Jacob’s Gegenspieler sein Ziel fast erreicht. Er hat die Gestalt von John Locke angenommen und sich somit als Chef der Others in die Position gebracht, von Richard den Aufenthalt von Jacob zu erfahren. Dies ist meiner Meinung nach der seltsamste Punkt in der Gleichung? Wenn er Jacob im 19. Jahrhundert bei exakt diesem Zuhause besucht, warum muss er jetzt Richard fragen, wo es liegt? Macht wenig Sinn, es sei denn, das mit dem Fuß als Wohnung wäre auch ihm neu. Na ja, Schwamm drüber. Die Drecksarbeit kann Locke 2.0 aber nicht erledigen, dass muss Ben tun. Immerhin hat ihm das Rauchmonster ja befohlen, Lockes Worten bedingungslos zu folgen. Welch Zufall, oder nicht? Theoretisch hat Ben aber auch allen Grund dazu, wütend auf Jacob zu sein. Er tat alles für die Insel, konnte Jacob aber nicht einmal sehen, Locke hingegen schon. Was Ben nicht weiß, ist dass die Heiligsprechung des John Locke ein geschickter Plan von Jacob’s Nemesis und teilweise Locke selber war, denn höchstwahrscheinlich war Locke nie richtig spezial, sondern nur ein geeigneter „Wirt“ für den Mann in Schwarz. Im Prinzip läuft für den erstmal alles nach Plan. Richard führt sie zur Statue, da drin finden sie Jacob, Ben wird wütend und bringt Jacob um. Ziel erreicht für den Gegenspieler. Wenn, ja, wenn Jacob nicht darauf gefasst gewesen wäre. Er wirkt erstaunlich gelassen angesichts seines nahenden Todes, den er am Ende sogar provoziert.
"Auch du, Brutus?"
„Sie kommen“ sind seine letzten Worte und diese machen Locke 2.0 mehr als nervös. Es wird klar: Jacob hat noch ein paar Trümpfe im Ärmel. Zum einen wären dass seine Off-Island-Others, wie Ilana und Bram. Erste wird exklusiv beauftragt, Jacob zu helfen. Man kennt sich also bereits. Im Schlepptau haben Ilana und Co. noch Frank, welcher als „Kandidat“ gehandelt wird. Für was? Hmm, vielleicht gibt Lapidus einen guten Other ab. Wird sicher noch mehr von ihm in Staffel 6 zu sehen geben. Der Auftrag lautet wohl, den Inhalt der Box, die Leiche des echten John Locke, bei Richard abzuliefern. In der alten Hütte ist Jacob nicht, schon lange nicht mehr, was den Verdacht nahe legt, dass da zuletzt sogar der Mann in Schwarz drin hauste. Immerhin sahen wir auch Christian Shephard da drin. Die Hütte wird abgefackelt und anschließend geht’s Richtung Statue, wo den sichtlich erstaunten Others um Richard und Sun die Leiche von Locke präsentiert wird.
Locke 1.0
Damit ist die Tarnung von Locke 2.0 aufgeflogen. War Ilana der entscheidende Trumpf oder sind es die Losties, welche Jacob in unterschiedlichen Phasen ihres Lebens besucht hat? Jack, Kate, Locke, Hurley, Sayid, James, sowie Sun und Jin. Alle haben Jacob schon mal getroffen und noch wichtiger: alle hat er schon einmal berührt. Bei seinem Zusammentreffen mit Locke kurz nach dessen schweren Sturz aus dem Hochhaus wirkt es fast so, als hätte Jacob ihn zurück ins Leben geholt. Sayid hat er bspw. vorm Tod gerettet und Hurley hat er zum Flug 316 überredet inkl. dem mysteriösen Gitarrenkoffer, der mit hoher Wahrscheinlichkeit noch wichtig wird. Wie groß Jacob’s Einfluss war und was sein lang gehegter Gegenplan zu seinem Nemesis ist, wissen wir an dieser Stelle noch nicht. Dass die Losties dabei eine essentielle Rolle spielen, steht außer Frage.
Die stecken, wie wir ja wissen, mehrheitlich in den 70ern fest. Dort hat es sich Jack bekanntlich zur Lebensaufgabe gemacht, die ersten 5 Staffeln der Serie ungeschehen zu machen, indem er den drohenden Zwischenfall an der Swan mit einer Wasserstoffbombe aufhält. Oder verursacht er ihn am Ende dadurch erst? Miles’ Einwurf an dieser Stelle ist entscheidend? Bisher galt stets „Whatever Happened, Happened“ im LOST-Universum. Ist Jack die entscheidende Variable, dies zu verändern oder ist er nur eine weitere Konstante? Darum geht es. Jack ist überzeugt, kann die Bombe am Ende aus Dharmaville hinausschmuggeln, obwohl Sayid dabei lebensbedrohlich verletzt wird. Hurley und der Dharma-Van kommen zu Hilfe und fügen sich Jack’s Plan. Einer will sich nicht fügen, und zwar Sawyer.
"Easy! Jetzt macht doch hier mal alle nich so'n Stress!"
Erst als Juliet umschwenkt und sich auf Jack’s Seite schlägt, macht James mit. Es geht immer um die Frauen. Juliet hat Angst vor Kate und ihrer Vergangenheit mit James und will sich nicht das Herz brechen lassen. Jack hingegen hat das von Kate vor langer Zeit gebrochen und hofft nun, dass er durch den Reset alles ungeschehen machen kann. Dabei könnte es doch so viel einfacher sein, wenn alle nur mal miteinander reden würden. Fragt doch mal Rose und Bernard. Die feiern in dieser Folge ein wundervolles Comeback, nachdem wir erfahren, dass sie sich aufs Altenteil zurückgezogen haben. Rose und Bernard sind das gute Gewissen, welches dieser Serie häufig mit all ihren zwischenmenschlichen Dramen fehlt. Zwei Menschen, die sich lieben und mit all dem Scheiß da draußen nichts zu tun haben wollen. Es tut gut, diese beiden noch mal zu sehen, wie sie ihre Frieden gefunden haben. Ihre rührenden Hippie-Worte gehören definitiv zu den Highlights dieses Finales. Ein würdiger Abschied toller Nebencharaktere, was aber nicht heißt, dass wir sie am Ende nicht doch noch irgendwie wieder sehen werden. Danach ist erstmal Schluss mit Liebe. James konfrontiert den entschlossenen Jack zu einem echten Männergespräch. Dass sich Jack von seinen Plänen nicht abbringen lässt, geht James gehörig gegen den Strich, also müssen die Fäuste sprechen. Was denkt sich dieser irre Doktor eigentlich? Spaziert einfach so in James’ neues Leben und wirbelt alles durcheinander. Letztendlich kann Juliet die beiden Streithähne trennen, auch sie James ihren Meinungsumschwung eingestehen muss. So kommt es zum ultimativen Showdown an der Swan-Baustelle. Dort ist ein fanatischer Radzinsky dabei seine Vision von der Kontrolle des Elektromagnetismus um jeden Preis zu erfüllen.
Der Moment der Wahrheit
Dr. Cheng, eigentlich einer der Guten, kann ihn leider nicht aufhalten. Zuerst macht sich Jack samt „Jughead“ allein auf den Weg, doch als die ersten Kugeln fliegen kommt ihm der Rest der Truppe zur Hilfe. Live Togehter, Die Alone… alter Hut! So können Jack, James und Konsorten die Dharma außer Gefecht setzen und Jack ist der Erfüllung seines Schicksals ganz nahe. Er lässt die Bombe fallen, es kommt zum finalen Blickaustausch zwischen ihm und Kate, sowie James und Juliet. Die Bombe fällt und fällt… und nichts passiert! Zumindest keine Detonation. Im Gegenteil, jetzt beginnt der Elektromagnetismus erst richtig zu wirken und zieht alle Gegenstände ins Innere der Insel. Ein paar der Dharma-Leute können fliehen, Dr. Cheng verliert vermutlich in diesem Zusammenhang seinen Arm, auch wenn Sohn Miles Schlimmeres verhindern kann. Der Rest ist angesichts der elektromagnetischen Kräfte wehrlos. Als Juliet schließlich in den Schlund gezogen wird, erreicht das Ganze den dramaturgischen Höhepunkte. Die letzten Momente zwischen ihr und James, bevor sie in die Tiefe gezogen wird, sind ungeheuer bewegend und zeigen Sawyer von einer neuen Seite. Doch all die Liebe nützt nichts, am Ende lässt Juliet los und hinterlässt die Anderen fassungs- und machtlos angesichts der Geschehnisse. Dabei ist es Juliet welche evtl. das Zünglein an der Waage ist und „Whatever Happened, Happened“ irrelevant erscheinen lassen kann. Denn wer hätte geahnt, dass sie den Sturz überlebt, wenn auch schwer verletzt, und genau neben dem Kern von „Jughead“ aufwacht.
Nuclear Power!
Also nimmt sie mit letzter Kraft einen Stein und schlägt auf die Bombe ein. Bis sie augenscheinlich explodiert… weißer Bildschirm, Staffelende. Vielleicht das frustrierenste von allen bisher, aber auch das spannendste in Sachen Ausblick. Denn nun ist alles möglich. Reset oder nicht? Haben die Losties ihr eigenes Schicksal geändert? Hat Jacob’s Nemesis gewonnen? Hat sich das Universum selbst korrigiert oder gleich selbst zerstört? Die finale Staffel Anfang 2010 wird uns darüber hoffentlich genug Antworten geben.
Verfasst von madcabbin 