LOST ist längst vorbei, doch offene Fragen bleiben trotzdem. Von vornherein sollte aber gesagt sein, dass es bei LOST in den seltensten Fällen eindeutige Antworten zu allen Fragen gibt. Ungeachtet des abschließenden Tenors im Serienfinale sind da noch einige Lücken im mysteriösen Puzzle, welche es auszufüllen gibt. Das funktioniert nicht immer und offenbart dann durchaus Schwächen. Dennoch kann man mit etwas logischer Schlussfolgerung, Eigeninterpretation sowie Recherche sogar einige plausible Antworten bekommen. Streiten lässt sich bekanntlich über alles… dies sind aus Mysteriensicht die 20 wichtigsten Fragen und so wie ich ihre Antworten verstanden habe. Einigermaßen Knapp, bündig und hoffentlich verständlich geschrieben. Alle sind herzlich dazu eingeladen, sich damit anzufreunden oder drüber zu diskutieren. Ich versuche, diese Seite, so gut es geht zu aktualisieren, falls es neue Erkenntnisse gibt. Und notfalls bitte das allumfassende Lostpedia ausfragen.
1. Was ist die Insel?
Die essentiellste Frage gleich zuerst. Mit der Antwort „Mysteriöser Ort“ komm ich hier sicher nicht weg. Aber de facto ist sie dass und somit nicht 100% rational beantwortbar. Die Insel existiert losgelöst von Raum und Zeit, ist nicht wirklich von der Außenwelt erkennbar und sehr schwer auffindbar. Sie beinhaltet in ihrem Herzen eine Quelle, mit einem hellen Licht und unglaublicher Kraft. Diese wird u.a. durch Elektromagnetismus verdeutlicht. Darüber beinhaltet diese Quelle alles: Leben, Tod, Wiedergeburt. Vielleicht der Schlüssel zum Leben, vielleicht auch das Tor zum Tod. Die ungewöhnliche Kraft dieses Lichtes, welches in kleinen Teilen in jedem Menschen vorhanden ist, geht über die bloße Vorstellungskraft. Die Insel ist ein eigener Charakter, der, so scheint es eigene Ziele verfolgt. Die Quelle und ihr Schutz vor den Menschen ist von essentieller Wichtigkeit für die Welt, weil vielleicht ohne sie das Gleichgewicht zwischen Leben und Tod oder von mir aus auch Gut und Böse außer Kraft gesetzt wird. So essentiell diese Frage auch ist, so wenig lässt sie sich eindeutig beantworten.
2. Warum stürzte ausgerechnet Flug 815 auf ihr ab?
Nun, technisch gesehen, weil Desmond Hume am 22.09.2004 etwas zu spät dran war mit dem Drücken der Taste im Swan Hatch. Dies führte zu einer außergewöhnlich hohen Freisetzung von elektromagnetischer Energie und führte zum Absturz. Aber das ist nur die eine Seite. Zufall soll man ja bekanntlich nicht mit Schicksal verwechseln- auch umgedreht. An Bord dieses Flugzeuges saß die handverlesene Restkandidatenauswahl von Jacob himself. Alle zusammengetrommelt, um ihm auf der Insel zu helfen, Smokey tu töten. Ausgewählt wurden sie, weil sie, wie Jacob, einsam und suchend waren. Das verkorkste Leben vor dem Absturz ist die gemeinsame Parallele aller unserer Losties. Jacob führte ihre Wege zusammen und hoffte, dass sie ihn zum einen auf der Insel gegen Smokey helfen, zum anderen wollte er ihnen auch eine zweite Chance bieten, damit sie ihr bisheriges Leben hinter sich lassen können.
3. Wer war nun eigentlich dieser Jacob?
Jacob war viele Jahrhunderte der Hüter jener mysteriösen Quelle. Er übernahm den Job von seiner Mutter, musste aber, wie anscheinend alle Inselwächter erst in die Rolle hineinwachsen. Jacob fügte sich seinem Schicksal, doch sein namenloser Bruder, der Mann in Schwarz sah das anders und wollte fliehen, wenngleich es ihm nicht gegönnt war. Nachdem der Mann in Schwarz in Wut die gemeinsame Mutter tötete, war Jacob sichtlich sauer und warf ihn in die Quelle. Dabei starb der Man in Black, allerdings nur indirekt durch Jacobs Hand, denn sie dürfen sich beide nicht töten. Das Resultat dieses Disputs war Smokey, den Jacob nun in den nächsten Jahrhunderten auf der Insel halten muss. Dabei verfügte Jacob über eine außergewöhnliche Weitsicht und Menschenkenntnis. Er wählte die Losties handverlesen für seine Nachfolge aus, weil er voraussah, dass sein Bruder ihn irgendwann töten wird. Evtl. sah er auch die Kandidaten konkret voraus, was die Suche erleichterte. Es war Jacob, vermutlich durch die Macht die ihm der Job gab, auch möglich, die Insel zu verlassen und die Losties auszuwählen. Wie genau sich die Macht definiert, die man als Inselchef bekommt, wissen wir nicht, aber dass sie es faustdick hinter den Ohren hat, dürfte klar sein. Letztendlich hat Jacob als Chef der Insel seinen eigenen Führungsstil gehabt, welcher vielleicht der Situation (damit meine ich seinen rauchenden Bruder) angemessen war, aber keinesfalls festgelegt ist. Nachfolger Hurley scheint einen anderen, besseren Weg zu gehen.
4. Was war Smokey nun wirklich?
Die schwarze Rauchwolke, von den Fans auch liebevoll Smokey genannt, ist ein gefallener Mensch. Er ist der namenlose Bruder von Jacob, welcher damals die Insel lieber verlassen wollte, als sie zu beschützen. Ihm war die Aufgabe egal. Doch seine Mutter wollte ihn nicht gehen lassen (ob’s nur obsessive Mutterliebe war oder mehr, wissen wir nicht) und sabotierte konsequent seine Fluchtversuche. Irgendwann platze die Sicherung, er brachte Mutter um, woraufhin Jacob ihn in die Quelle war. Große Tragödie halt, doch in der Quelle verwandelte sich der Man in Black in Smokey. Dabei ist er de facto gestorben, Jacob hat ihn ja zur Ruhe gelegt. WAS genau Smokey ist obliegt damit der Phantasie. Ist er das Resultat des böse gewordenen Bruders? Seine dunkle Seele sozusagen? Ist er ein Teil der Quelle, welcher aus dem „Stöpsel“ entweichen konnte? Ist es das, was mit allen passiert, welche das Schlechte (in diesem Fall hat Jacob seinen Bruder ja in Wut getötet) an die Quelle bringen? Jede Antwort ist für sich wohl richtig. Letztendlich soll uns Smokey als Symbol für das Böse dienen. Es ist rastlos und wütet auf der Insel. Allerdings bleibt das Ziel, das Verlassen der Insel bestehen. Jacob hat seinem Bruder nur das menschliche Aussehen gestohlen, aber sein Geist scheint immer noch präsent zu sein. Smokey kann deshalb auch die Gestalt anderer Personen annehmen, vorzugsweise Tote (Christian Shephard, Ekos Bruder, Alex Rousseau). Er kann die Gedanken der Menschen irgendwie scannen und für sich verwenden. Smokey tötet teils nach System (er lässt bspw. Locke zu Beginn der 1. Staffel leben), teils sicher auch grundlos, weil er die Menschen nicht mag. Man kann ihn nicht beschwören, wie einst angenommen. Man kann ihn etwas zähmen, durch einen Aschekreis oder den Sonic Fence Zaun der Dharma. Wer diese Regeln bestimmt hat, bleibt aber offen
5. Welche Langzeitpläne verfolgten Smokey und Jacob eigentlich?
Die Fronten sind klar. Der Man in Black will von der Insel runter, Jacob will es verhindern. Smokey ist ein Rauchmonster, welches gegen konventionelle Waffen resistent ist und Menschen hasst… die Gefahr ist nicht zu unterschätzen. Beide Brüder manipulieren die Menschen für ihr eigenes Ziel. Smokey benutzt sie, um mit ihrer Hilfe von der Insel herunterzukommen. Zu Lebzeiten lässt er das Frozen Donkey Wheel entwerfen, welches die Kräfte der Insel manipuliert und ihn von der Insel runterbringen soll. In Rauchform ist das nicht mehr möglich, also ist sein nächstes Ziel, Jacob zu töten. Solange dieser lebt, kann der Man in Black nämlich gar nicht weg. Er ist an Jacob gebunden und dieser an die Insel. Smokeys Plan scheint erst Form anzunehmen, als die Losties und somit Jacobs Kandidaten abstürzen. Er verbreitet Furcht unter ihnen und kürt John Locke zum auserwählten Loophole für seine Rache. In den nächsten Staffeln manipuliert Smokey Locke so bewusst (auch in der Form von Christian Shephard), dass Locke zum einen bei den Others und sich selber als Heilsbringer gilt und zum anderen, dass Locke die Insel am Ende verlässt. Er wusste, dass Locke als Leiche wiederkehrt und er so seine Gestalt annehmen kann. Als John Locke hat er Jacobs Anhänger hinter sich und kann als vertrautes Gesicht auch nach Jacobs Tod die Kandidaten für seine Zwecke manipulieren. Als er merkt, dass er sie nicht zur Flucht überreden kann, schwenkt er um und plant deren konkrete Vernichtung.
Wir wissen nicht wie viel Weitsicht Jacob dabei hatte, aber er wusste, dass sein Bruder irgendwann eine Chance finden wird, ihm eins auszuwischen. Deshalb brachte Jacob die Kandidaten auf die Insel, damit er Nachfolger für den Job hat. Gleichzeitig witterte er auch eine Chance, Smokey endgültig kalt zu stellen. Denn er wusste, im Gegenzug zum Man in Black davon, dass dieser seine Kräfte verlieren würde, wenn man den Stöpsel in der Quelle zieht. „One hell of a long con“ nennt das Sawyer passend. Jacon wusste, dass Desmond erst mal kurz den Stecker ziehen muss, damit Jack Smokey kaltmachen kann. Danach musste der Stecker wieder herein, weshalb Jacks Rolle als Inselleader wirklich nur temporär gehalten war, bis Hurley übernimmt, welcher vielleicht wirklich die bessere Rolle war. Smokey hatte einen Fehler gemacht, Jacob hat grad noch mal Glück gehabt. Wie viel davon wirklich Glück war und wie viel Planung, werden wir unseren Köpfen überlassen müssen.
6. Warum tauchen permanent Tote quicklebendig in der Serie auf?
Wenn die Quelle wirklich eine Art Schnittpunkt zwischen Leben und Tod bzw. eine Wage ist, welche das Gleichgewicht zwischen beidem aufrecht erhält, dann ist es klar, dass der Tod auf der Insel eine besondere Rolle spielt. Tote können zum Einen auftauchen und Visionen verbreiten, ganz wie es der Insel passt. Visionen und Träume hatten viele auf der Insel… von Locke bis zum Mann in Schwarz. Es ist eine Eigenheit dieser besonderen Umgebung. Gleichzeitig gibt es dann noch bestimmte Tote, welche auf der Insel feststecken, weil sie etwas Falsches getan haben. Michael ist einer von ihnen. Sie flüstern im Dschungel und können nicht weiterreisen in die ewige Ruhe. Vielleicht ist es irgendwie möglich, aber diese Regeln kennen wir nicht. Es ist sehr schwer, sich das vorzustellen, aber Leben und Tod lassen sich nicht so klar auf der Insel abtrennen. Naturgesetze sind hier genauso überflüssig, wie rationale Denkweisen. Diese Gesetzmäßigkeit müssen wir wohl hinnehmen.
7. Was machte die Dharma auf der Insel?
Die Dharma Initiative war eine Ansammlung von Wissenschaftlern und Forschern, welche in den 70er Jahren auf die Insel gekommen ist, um deren einmalige Eigenschaften zu untersuchen. Wie sie von der Insel erfahren haben, bleibt im Dunkeln. Die US-Regierung schien von ihr zu wissen und der Geldgeber, ein großindustrieller Namens Alvar Hanso ist direkter Nachfahre des Captains der Black Rock. Höchstwahrscheinlich hat sie, wie immer, Jacob Richtung Insel gelockt, evtl. waren auch Kandidaten unter ihnen. Die Others duldeten die Dharma mehr schlecht als recht und vereinbarten später einen Waffenstillstand, nachdem es Mitte der 70er diverse Übergriffe gab. Die Dharma führte alle möglichen Experimente durch. Teils normaler Kram, teils auch speziell im Bezug auf die Kraft der Quelle. Die Orchid Station konnte letztendlich das, was Donkey Wheel konnte, war ja auch genau darüber gebaut. Und Eisbären waren sowieso beliebte Versuchstiere, gerade für Zeitreisen. Einer landete sogar in der tunesischen Wüste. Die Swan Station wurde über einer riesigen Tasche aus Elektromagnetismus gebaut, vielleicht ein großer Ausläufer der Quelle. Die Folgen sind bekannt, in den nächsten Jahren nach dem Zwischenfall (welcher die Bombe war), musste die Energie im Swan Hatch aller 108 Minuten gleichmäßig entladen werden. Die Insassen darin lebten größtenteils isoliert, vielleicht auch, weil man sie krampfhaft da drin behalten wollte und musste, damit jemand diese stumpfsinnige Aufgabe erfüllt. Die Dharma arbeitete daraufhin bis 1991 weiter, wenn auch mit etwas weniger Personal. Dann wurde sie von einem ihrer eigenen Leute, Ben Linus, ausgelöscht. Wer den Auftrag dazu gegeben hatte bleibt unklar. Nach Jacobs Handschrift sieht es nicht aus, eher nach dessen Bruder, der sich bestimmt auch als Bens tote Mutter ausgegeben hat und ihm Befehle und Visionen gab. Insgesamt waren die Dharma Folks nur eine weitere Gruppe in der langen Geschichte der Insel, welche es auf diese Insel verschlagen hat. Und sie waren neugierig und interessiert, wie es viele Menschen vor ihnen auch schon waren. Statt einem großen Holzrad gab’s diesmal halt moderne Bunker. Und ihr Verlangen, die Kraft der Insel zu verstehen und zu beherrschen, hätte sie mit dem Zwischenfall fast ins Verderben gerissen.
8. Woher kam dieser Food Drop in Staffel 2?
Irgendeiner hätte den beiden Typen, die irgendwo in Guam seit Jahren Pakete für die Dharma zusammenschnürren mal Bescheid sagen sollen. Immerhin tut es Ben, einige Zeit nachdem Hurley die Insel übernimmt. Hier wurden auch über das Ende der Dharma hinweg eifrig Fresspakete geschnürrt und Richtung Insel transportiert. Nachfragen waren nicht erlaubt, vermutlich war die Bezahlung zu gut. Die Befehle für den Abwurfort kamen automatisiert von der Lambpoststation, welche ja die jeweils aktuelle Lage der Insel herausfinden konnte. Deshalb wurden sie nur scheinbar über dem offenen Ozean abgeworfen. In Wirklichkeit war immer genau die Insel da, wo sie erwartet wurde. Alternativ hätte das Paket ja auch aus einer anderen Zeit sein können und einfach 20 Jahre später auf der Insel ankommen können. So aber ging der Betrieb immer weiter, obwohl die Dharma schon gar nicht mehr existent war. Eine Antwort, die mit einigen Logiklöchern bezüglich der Guam-Niederlassung daher kommt und die man sich im Anbetracht der relativen Unwichtigkeit dieses “Mysteriums” sicher hätte sparen können.
9. Wer baute die Statue/ den Tempel/ den Stöpsel usw.?
Jede Frage, die gestellt wird, führt quasi zu einer anderen Frage. So stellte es ja bereits schon Jacobs und MIB’s Mutter treffend fest. Und so ist es ja wirklich… bei jeder Antwort kommen automatisch weitere Fragen auf, die uns immer weiter zurückführen in der Zeit, bis wir irgendwann am Anfang angelangt sind. Und die Serie hatte in ihrem Zeitraum unmöglich die Kapazitäten, das zu thematisieren. Wenn man sieht, wie die „Across The Sea“-Folge ankam, dann kann man ja auch froh drüber sein. Alles was entscheidend ist sind die Tatsachen, dass die Insel schon sehr, sehr lang existiert (seit dem Anbeginn der Zeit vermutlich) und das seit ebenso langer Zeit bereits Menschen auf diese Insel gekommen sind. Sie werde angelockt, per Zufall, per Schicksal, durch das gezielte Suchen oder warum auch immer. So war dies schon immer und all diese Völker haben ihre Spuren hinterlassen. Die Ägypter sicher am deutlichsten, denn sie scheinen eindeutig hinter vielen Bauwerken zu stecken. Die Statue der Fruchtbarkeitsgöttin „Taweret“ wär da natürlich das Auffälligste. Das die Insel heilende Kräfte hat und die Fruchtbarkeit fördert wissen wir bereits und deshalb ist der Grund, warum sie da steht sicher nachvollziehbar. Die Ägypter hatten ja gern mal einen Hang zu opulenten Bauwerken, besonders wenn’s um die Dankbarkeit gegenüber Göttern geht. Der Tempel ist ebenfalls so etwas, immerhin sieht man hier auch ein Bild von Gott Anubis im Smalltalk mit Smokey. Das könnte Beweis dafür sein, dass es bereits vor Jahrtausenden schon mal eine ähnliche Situation auf der Insel gab, die abgewendet werden konnte. Vielleicht war es auch die Ur-Kultur, welche alles konzipiert hat, also den Stöpsel bspw. Daraus könnte man einen schönen historischen Roman machen. Aber egal, ob Ägypter, Römer oder Touristen… sie alle haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen und zeigen, wie wichtig die Insel schon seit jeher ist.
10. Wer sind die Others?
Primär sind sie natürlich die „Good Guys“ und Anhänger von Jacob. Obwohl bereits vorher viele Menschen die Insel besucht hatten, ist es wahrscheinlich, dass sich die Gruppe erst formiert und organisiert hat, als Jacob Richard im Jahr 1867 eingestellt hat. Davor konnte der MIB sie ja problemlos manipulieren, doch nun kann Richard als Pressesprecher von Jacob fungieren und den Menschen von ihm erzählen. Und all die Botschaften über den Grund, warum sie hier sind oder Möglichkeit des Neuanfangs verkünden. Wer jetzt „Sekte“ denkt, der denkt nicht mal unbedingt verkehrt. Immerhin folgen die Menschen Richards Anweisungen ja blind, ohne jemals nach Jacob zu verlangen. Sein Wort genügt, immerhin wählt er ja oft auch nur Menschen aus, die wirklich „lost“ sind und anfällig für seine Versprechen. Diese Gruppe bleibt nun auf der Insel und wartet, wie das eine Sekte nun mal tut, auf Anweisungen von oben und auf das entsprechende Ziel, welches ihnen aber anscheinend auch keiner sagt, warten. Ein Schluck vom erleuchtenden Quellwasser dürfte notfalls genügen, um sie umzustimmen. Richard fungiert aber dabei nicht als Anführer, sondern nur als Sprachrohr von Jacob. Wie die Others ihren Anführer bestimmen, wissen wir nicht. Wir haben keine Ahnung, wer es damals in den 50ern war. Später waren es Eloise und Charles Widmore. Letzterer führte das Zepter allein weiter, als Eloise die Insel und ihn verlassen hat. Charles wurde Anfang der 90er von Ben aufgrund seiner Vergehen verbannt und weil Ben den Job wollte. Den trat er dann, einigermaßen freiwillig ab, als der heilige John Locke auftauchte, den Richard schon seit Jahrzehnten im Visier hatte. Also sieht das irgendwie nicht nach einer konventionellen Wahl aus. Früher hausten die Others simpel im Wald, doch als Ben die Dharma auslöschte, okkupierten sie ihre Häuser und lebten ein recht spießiges zivilisiertes Leben, was Jacob sicher nicht gefallen hätte. Es ist denkbar, dass eine Gruppe aber auch nach diesem Lebenswandel weiterhin konventionell lebte. Dogen und seine Gruppe im Tempel bspw. Wie hier die Organisationsstrukturen sind können wir nur erahnen. Der Absturz der Losties beunruhigte primär Ben, besonders die Ankunft von John Locke, von dem er vielleicht schon mal gehört hatte. Sämtliche Aktionen gegen die Losties dienten also eher dem Schutz von Ben’s kleiner Community. Das die Befehle direkt von Jacob kamen ist eher unwahrscheinlich, denn eigentlich müssten seine Kandidaten ja beschützt werden. Mit dem Dienstantritt von Hurley und dem geläuterten Ben dürfte sich das Ganze sowieso noch einmal grundlegend verändert haben.
11. Und überhaupt… was ist mit Waaaaaaaalt?
Leidiges, ungeliebtes Thema. Walt ist „Special“, soviel wissen wir. Er kann anscheinend Wünsche wahr werden lassen, taucht an Orten auf, wo er sonst nicht auftauchen sollte und hat irgendwie die Form von Begabungen, die man auf der Insel gern mal hat. Die Others waren aus exakt diesen Gründen an ihm interessiert. Evtl. kam der Auftrag, wie Ben behauptet, wirklich von Jacob, weil ja Walt prädestiniert für eine Kandidatenrolle war. Also nahmen die Others ihn gefangen, testeten seine Fähigkeiten und waren schließlich ein wenig ängstlich, was ihn angeht. Walt erschreckte sie mehr, als dass er ihnen half. Vielleicht auch Jacob, der das Potential von Walt für unkalkulierbar hielt und es vielleicht auch nicht gut gefunden hätte, wenn Walt seinem Vater entrissen würde. Den brauchte Ben aber, um Jack, Kate und Sawyer anzulocken, weshalb Walt zum Lockmittel dekradiert wurde. Als Walt von der Insel runter war, war das Problem gelöst, auch für die Produzenten, die wohl beim Casting nicht daran gedacht hatten, dass dieser Junge schneller wächst, als es die Zeitvorgabe verlangte. Irgendwann hat sich Walt dann vermutlich selbst in Santa Rosa einquartiert, weil er allein war und nicht wusste, was er mit seinen Fähigkeiten anfangen konnte. Hurley und Ben korrigieren diesen Fehler und bringen Walt am Ende nach Hause, auf jene Insel, auf die er, aufgrund seiner Fähigkeiten, schon immer gehört hat. Ben hätte ihn niemals wegschicken sollen. Jetzt kann Walt sein Potential entfalten. Wir wissen nicht, woher seine Kräfte kommen, müssen wir vielleicht auch nicht (fragt ja auch keiner, woher Hurley die hat) und wir erahnen nur, was er mit seinen Kräften anstellen kann. Seinen Vater vor der Hölle retten vermutlich. Und generell der Insel dienen. Eine suboptimale Lösung einer alten Frage, doch immerhin scheint Walt am Ende doch ein Happy End und eine Bestimmung gefunden zu haben. Ist ja schon mal besser, als nichts.
12. Welche Rolle spielte Charles Widmore in all dem?
Ein aufbrausendes Temperament hatte der gute Mann ja schon immer. Charles Widmore war Chef der Others von den 70ern bis Anfang der 90er. Teilweise zusammen mit Eloise, mit welcher er auch einen gemeinsamen Sohn hat, aber nach dem Zwischenfall verließ sie Charles. Als Chef der Others nahm es Charles mit den Regeln nicht sonderlich ernst. Er verließ die Insel öfters, als gedacht (wie machte er das eigentlich, als die Others noch kein U-Boot hatten) und baute sich eine Zweitexistent außerhalb der Insel auf, inklusive zweiter Frau und Kind. Hier klafft eine gewaltige Lücke in der Biographie. Irgendwie muss Charles in diesem Zeitraum zu richtig viel Kohle gekommen sein, vielleicht weil er Informationen an die Insel verkauft hat (an die Dharma und Alvar Hanso evtl.) oder weil er einfach nur ein guter Finanzspekulant war. Es schien stets so, als würde er nicht am großen Geheimnis der Insel, als vielmehr an seinerMachterhaltung interessiert sein. Das ist der Charaktergrundzug, welcher bis zum Ende bleibt. Ben verbannt ihn am Ende und Charles schwört Rache, welche er in den nächsten Jahren ausgiebig mit allerhand finanziellen Mitteln planen kann. Er stellt sich weiterhin in den Dienst der Insel. Er schickt Desmond Hume auf eine Bootsfahrt, von der er wusste, dass sie ihn zu dieser Insel führt. Doch da muss er landen, damit später die Losties durch die Zeit reisen und Eloise ihren eigenen Sohn töten kann. Gleichzeitig opfert er neben Daniel auch seine Beziehung zu Penny. Ganz zu schweigen vom teuer gefakten Flugzeugabsturz von Oceanic 815. Und stets suchte er nach seinem persönlichen Loophole, um Benjamin Linus dingfest zu machen. Mit dem Frachter hatte er sein Ziel fast erreicht, doch die Sache ging ja bekanntermaßen gründlich schief. Jacob erschien kurz darauf und mahnte den alternden Charles, sich zu ändern. Na ja, komplett wird das bei einem solch alten Hund nicht gehen, aber immerhin erfüllte Charles seinen Auftrag und brachte Desmond zurück. Ob er nun gut oder böse ist, liegt sicher im Auge des Betrachters. Primär ist Widmore einfach nur unglaublich berechnend. Er beansprucht die Führung der Insel für sich, ohne Rücksicht auf Verluste. Ein korrupter Spielball in einem noch viel größeren Konflikt.
13. Und wie sieht es mit Eloise Hawking aus?
Eloises Biographie dürfte hinlänglich bekannt sein. Der Schlüsselmoment war der Tod ihres eigenen Sohnes durch ihre Hand. Dies führte dazu, dass Eloise eine neue Rolle abseits der Insel einnahm und ihr Leben dazu einsetzte, die goldene Regel „Whatever happened, happened“ zu erfüllen. Sie war fest davon überzeugt, dass alles so eintreffen musste, wie es letztendlich eintraf, damit das große Ganze erhalten bleibt und das Universum sich nicht zerstört. Deshalb drängte sie Daniel dazu, dass zu werden, was er wurde, damit er auf die Insel kam und durch die Zeit reisen konnte. Vielleicht hoffte sie ja auch, dass er etwas ändern konnte, aber das Grundprinzip der Serie geht halt davon aus, dass alles so geschieht, wie es geschieht. Und das beschränkte sich nicht nur auf ihren Sohn, sondern auch auf Desmond Hume, welcher ja ebenfalls von ihr beobachtet und gelenkt wurde. Wär auch immer es ihr gesagt hat – Jack im Jahr 1977 oder Jacob himself – sie wusste, dass Desmond Hume auf die Insel musste, um die Taste zu drücken. Und als er durch den Elektromagnetismus seine besonderen Fähigkeiten erhielt und durch Zeit/ Raum und die Grenzen zwischen Leben und Tod reisen konnte, machte es ihr diesen Job etwas schwerer, wenngleich sie wusste das ja die Kurskorrektur alles wieder gerade bog. Doch Desmond musste das erst akzeptieren, damit er keinen Schaden anrichten konnte. Es bleibt das große Fragezeichen, woher Eloise dies alles wusste bzw. wie viel sie wusste. Ihre Handlungen bleiben aber logisch und konsequent. Auch in den Flashsideways. Da hatte Eloise nämlich schon ihre Erleuchtung. Sie wusste, dass alle tot sind, aber sie ist noch nicht bereit, weiterzugehen, weil sie noch nicht von ihrem Sohn Daniel loslassen kann. Deshalb ist sie einfach nur eine besorgte Mutter, die Angst hat, dass Desmond ihr diese zweite Chance nimmt. Er macht das nicht, aber früher oder später wird Eloise loslassen müssen, denn als Daniel auf Charlotte trifft ahnt man bereits, dass auch sie nicht ewig in dieser Welt weilen werden. Also wird auch Eloise über kurz oder lang ihren Verlust akzeptieren müssen.
14. Was hatte es mit der ominösen „Infection“ auf sich?
Gute Frage, nächste Frage? Da stellt sich ja die Frage, wer nachweislich so infiziert wurde und wie das passierte. Nun, in allen Fällen war der Mann in Schwarz daran beteiligt. Er manipuliert mit seinen Worten und Wunschversprechungen die Menschen und infiziert sie ein wenig mit dem Bösen, dass in ihm wohnt. Rousseaus Forscherteam hatte damals 1988 direkten Kontakt mit Smokey. Wie er das macht, wissen wir nicht. Hat wohl wirklich etwas von der dunklen Seite der Macht. Sayid stirbt, kann aber vom Mann in Schwarz zurückgeholt werden, zumindest behauptet dieser das. Inwiefern Claire durch die Krankheit so Gaga geworden ist oder sie einfach nur ’nen normalen Inselkoller hat, wissen wir nicht. Aber jeden beiden Losties konnten ja mit Liebe von der dunklen Seite zurückgeholt werden. Dort sind sie am Ende gelandet, weil sie sich selber auch für schlechte Menschen hielten und es ihnen der Mann in Schwarz auch nicht ausgeredet hat bzw. ihren Zustand ausgenutzt hat. Aber gerade im Sayid-Fall fehlt da eine Erklärung. Offene Frage, deren Antwort aber aus meiner Sicht einigermaßen verzichtbar ist.
15. Warum starben schwangere Frauen auf der Insel?
Ein Dauerzustand war es zumindest nicht. Vor 1977 ging es problemlos, gerade bei Ethan, welcher ja nur ein paar Tage vor dem Zwischenfall geboren wurde. Nach dem Zwischenfall sterben alle Frauen, welche auf der Insel schwanger werden. Außenstehende, wie Claire oder Rousseau scheinen damit kein Problem zu haben. Laut Dr. Cheng im Erklärungsvideo des Epilogs scheint es dann doch einen ganz pragmatischen Grund zu geben, nämlich die elektromagnetische Energie der Insel. Anfangs noch unter Kontrolle, verursacht der Incident dann eine leichte Verstärkung des Effekts. Was wir wissen ist, dass die Detonation von Jughead letztendlich der Zwischenfall war und er so immer eingetroffen ist. Vielleicht hat er das Ganze am Ende etwas abgeschwächt und eingedämmt, aber eine unglaubliche Kombination aus Elektromagnetismus, dem „Liiiiiicht“ und Atomkraft gab es ohne Zweifel. Und gerade Jughead könnte dann dafür gesorgt haben, dass die Gegend etwas verseucht wurde und das Problem ausgelöst hat. Höchstwahrscheinlich ist es halt eine Kombination der drei Elemente. Eine Art Bestrafung der Insel für jene, welche versucht haben, das Licht zu stehlen.
16. Warum landeten manche Losties in den 70ern und andere nicht?
Nun, wenn man sich die Zeitreisenden aus dem Ajira Flug 316 betrachtet, dann sind es letztendlich vier Kandidaten, welche in den 70ern landen. Jin und Sawyer sind ja schon da. Warum Lockes Leiche 2007 landen musste, ist ja bekannt. Frank und Ben spielen da keine Rolle, Ilana hatte eh nen separaten Jobauftrag. Stellt sich die Frage nach Sun. Prinzipiell haben wir nie richtig erfahren, welcher Kwon jetzt genau der Kandidat ist oder ob es am Ende nicht doch beide sind. Fakt ist, dass Sun nun eine Mutter ist und somit evtl. nach Jacobs Verständnis wegfällt. Aber da wäre ja noch Papa Jin. Evtl. hatte Jacob sie beide schon ad acta gelegt, hatte aber keine Zeit, ihre Namen in der Höhle durchzustreichen. Oder er wusste ohnehin schon, dass es auf Hurley und Jack hinausläuft. Die Liste war also sozusagen nicht mehr up-to-date. Die Losties in den 70ern hatten ihre Aufgabe… sie mussten erst einige inselgeschichtliche Ereignisse auslösen, insbesondere den Zwischenfall an der Swan Station. Und vielleicht benötigen sie und insbesondere Jack auch diese extra Runde, um sich auf ihr Schicksal vorzubereiten. Falls ja, dann ist das ein recht perfider Plan von Jacob. Aber er wusste, dass die Kandidaten wiederkommen werden und das ist alles, was zählt.
17. Wie war das gleich noch mal mit Jacobs Hütte?
Auch hier mittelschwere bis große Lücken in der Story. Also, was wissen wir? Die Hütte wurde irgendwann in den späten 70ern von Dharma-Dude Horace Goodspeed gebaut, damit er einen kleinen Rückzugsort für sich und seine Amy hatte. Richtig intensiv scheinen sie das gute Stück aber nicht genutzt zu haben. Umringt war es von einem Aschekreis, den viele als Bannkreis verstanden haben, um Smokey innerhalb der Hütte zu behalten. Da der aber relativ aktiv auf der Insel umher gewandelt ist und eine Hütte kaum seinem Stil entspricht, schließe ich diese Theorie kategorisch aus. Vielmehr diente die Asche als Schutz für die Hüttenbewohner, also Horace und Amy. Immerhin befand man sich außerhalb des Dharmageländes und im Territorium der Others. Vielleicht stellte sich relativ schnell heraus, dass die Lage doch eher suboptimal war, weshalb die Hütte dann leer stand. Irgendwann wurde auch mal der Aschekreis durchbrochen. Sowohl Ben, als auch Ilana nahmen an, dass Jacob da drin gehaust hatte. Evtl. hat er das auch mal eine Zeit lang, er hatte ja Ilana präzise Anweisungen gegeben. Ben wurde auch in diesem Wissen gelassen, so dass er Jacob später da drin vermutete. Doch Jacob hatte sich längst in der Statue eingenistet. Der Mann in Schwarz wusste aber Bescheid über Jacobs alten Wohnort und nutzte das aus, um die Leute zu manipulieren und es so erscheinen zu lassen, als kämen die Aufforderungen von ihm selber. Er bittet John zu helfen und zieht dann eine Geistershow ab, welche Ben Angst macht und Locke seinen Status bewusst machen soll. Später sieht u.a. Hurley ihn als Christian Shephard dasitzen und Smokey gibt sich als Jacobs Sprachrohr aus und beauftragt die Insel-Verschiebung, in der Hoffnung dadurch Locke zu töten. Jacob hätte wohl einfach mal irgendwem Bescheid geben sollen, dass er umgezogen ist. Ilana erkennt die Botschaft am Ende und fackelt die Bude ab. Warum sie irgendwie vor Hurleys Augen immer wieder wo anders auftaucht, ist entweder durch seine dezente Verrücktheit oder eine Inselvision erklärbar. Letztendlich aber auch nicht so wichtig. Einen strategischen Fehler möchte ich Jacob aber aufgrund seiner scheinbaren Allwissenheit nicht unterstellen, dennoch hätten es die Fans sicher schön gefunden, diese kleine Hütte noch mal etwas öfters zu sehen.
18. Was genau waren jetzt eigentlich diese Sideways?
Also ich kann da ja auch nur Erklärpapa Christian Shephard zitieren… ein Ort, welchen sich alle Losties nach ihrem Tod geschaffen haben, um sich wiederzufinden und weiterzuziehen. „Live Together, Die Together“ halt! Zeit existiert hier nicht, manche sind vor Jack gestorben, andere weit nach ihm. Der Ort konstruiert sich aus Erinnerungen an das frühere Leben, speziell an die Zeit, welche diese Personen zusammen verbracht haben und welche die wichtigste ihres Lebens war. Deshalb laufen hier auch permanent Personen aus diesem Zeitraum herum und die Zusammentreffen und Eigenzitate kann man schon gar nicht mehr als zufällig abstempeln. Dieses sehr, sehr abstrakte Szenario wird uns also verkauft. Man muss das nicht mögen oder daran glauben, aber dies ist halt das gegebene Story-Element. Eine grundlegende Frage ist die, ob diese Sideways-Welt nur jene ist, welche Jack sozusagen nach seinem Inseltod betritt und die sich aus exakt seinen Erinnerungen konstruiert oder ob diese Welt von allen Beteiligten zusammen gebaut wird. Hier gibt es keine eindeutige Antwort. Ich persönlich tendiere eher zu letzterem, weil wir halt auch Geschichten sehen, die unabhängig von Jack stattfinden mit Personen, welche er nie getroffen hat und Ereignissen, welche er nicht kennt. Hat Jack schon mal Drive Shaft gesehen? Oder Lockes Verlobte Helen? Nicht einmal von Lockes Behinderung wusste er zu Lebzeiten. Tendenziell also Erinnerungen eines jeden Einzelnen, aber daraus ergibt sich eine sehr, sehr real wirkende Welt. Die Insel liegt deshalb unter Wasser, weil sich alle Beteiligten nicht an diese Inselzeit zurückerinnern bzw. weil ihre Nichtexistenz ein großer Wunsch vieler Losties war, da sie eigentlich fast allen nichts außer Kummer und Leid gebracht hat. Oceanic Flug 185 wird zumindest für Jack der Ausgangspunkt seines Afterlife-Adventures. Wann die anderen in diese Welt „eintreten“ ist ihnen überlassen und verschieden. Was nach der Welt kommt wissen wir nicht… die ewige Ruhe und Erlösung vielleicht? Wiedergeburt? Alles religionsabhängig. Man kann auch in dieser Welt leben und wissen, dass man tot ist. Eloise Hawking und Ben machen es bspw. Warum? Weil sie noch Einiges aufzuarbeiten haben, noch Zeit mit Menschen verbringen wollen, welche ihnen wichtig sind und weil sie vielleicht auch den Job übernehmen, den Desmond in der letzten Staffel hatte, nämlich den Leuten helfen, loszulassen.
19. Und was ist mit dem Ende und wie deute ich das?
Ja, das ist das Stichwort: loslassen! Also um mal alle Gedanken diesbezüglich zu zerstreuen: die sind nicht schon alle 2004 beim Absturz gestorben. Alles, was in den letzten Jahren passiert ist, war real. Die Menschen, die Insel, all das Leid, aber auch die Freude. All die Emotionen und Erinnerungen, welche diesen seltsamen Personenkreis miteinander verbinden haben diese Welt geschaffen und erlauben ihnen, sich auch nach dem Tod wiederzutreffen. Und da muss man nicht mehr deuten. Die Inselhandlung der Serie hatte einen Handlungsbogen, die Losties eine Aufgabe (Zerstörung Smokeys, Rettung der Welt), welche sie gemeistert haben. Nebenbei haben sie Freunde und Menschen getroffen, welche ihnen auf dieser Reise wichtig wurden. Und das ist es, was am Ende zählt, was uns die Serie mit exakt diesem Ende erzählen will. Jedes Wort von Christian Shephard erzählt letztendlich, worauf es wirklich ankommt. All die kleinen Fragen, die offen bleiben und welche viele Zuschauer über die Jahre dran gehalten haben, verblassen ein wenig vor diesem Hintergrund etwas. Bei allem Frust sei halt auch nicht vergessen, dass viele ja auch beantwortet worden sind und sich der Kreis mit Jacks Tod am Ende ja geschlossen hat. Und natürlich ist die Botschaft ziemlich kitschig und simpel gehalten. Zyniker könnten es als billige Notlösung abtun, aber vielleicht auch versuchen, sie zu verstehen. Die Grundfragen der Serie werden relativiert. Am Ende zählen nicht die kleinen Ungereimtheiten, sondern die Zeit, die man mit den Menschen verbracht hat, welche einem wirklich wichtig sind. Mit all dem was dazu gehört. All das Leid, der Tod und der Verlust… die Erinnerung und Akzeptanz dieser Vergangenheit ist es, was die Losties benötigen, um loszulassen und ihren Frieden zu finden. So traurig vieles auch war, es hatte seine guten Seiten und die vergehen nicht einfach mal so schnell. Hier überdauern sie sogar den Tod. Das kann man gern auf das normale Leben übertragen, wenn man möchte.
20. Hatte das jetzt alles einen tieferen Sinn?
Also alles in allem war, ist und wird LOST immer eine Unterhaltungsserie sein! Daran gibt es nichts zu rütteln. Der Unterschied ist sicher die unglaubliche Verschachtelung der Ereignisse und die vergleichsweise Intelligent, die an den Tag gelegt wird. Zig Verweise auf Literatur, Philosophie und anderen Nerd-Kram regen zum Nachdenken und Über-den-Tellerrand-blicken ein, insofern man will. Übertreiben sollte man es aber nicht. LOST ist eine klassische Drama-Serie, die allerdings- und das ist das Wagnis gewesen- in einem Mysterie-Setting spielt. Das gibt zwar andere Rahmenbedingungen, aber die Probleme, mit denen sich unsere Protagonisten da herumschlagen müssen, sind keine grundlegend neuen. Es sind Themen des alltäglichen Lebens. Leben und Tod, Liebe und Verlust, Glaube und Wissenschaft… so vieles, was einem im Alltag über den Weg läuft und den Menschen im Laufe seines Lebens beschäftigt, taucht hier wieder auf, halt nur in einem mysteriösen und außergewöhnlichen Rahmen. Kaum eine Serie bietet so viel Möglichkeiten zur Deutung und Interpretation. Deshalb kann und will ich diese Frage gar nicht entscheidend beantworten. Denn das ist ja auch eine der vielen Botschaften der Serie: jeder muss sein eigenes Glück machen und für sich selber das Beste aus dem Leben rausholen. Und so kann LOST gern jeder so deuten und verstehen, wie er möchte. Entweder als Logiklücken-Käse, als tolles Unterhaltungsformat, als hochgradig intellektuelle Ansammlung von Querverweisen oder als eine Ansammlung von Botschaften für das Leben. Denn seit Jacob wissen wir, dass uns als Mensch ja immerhin etwas recht Kostbares gegeben wurde… der freie Wille.
Klasse!
Alle wichtigen Fragen nochmal aufgewurfen und in der typischen “Norman´schen” Art beantwortet.Ist echt super angenehm zu lesen.
Danke.
Danke! Es sei übrigens für Außenstehende anzumerken, dass ich Herrn Hennig weder Geld für diese Kommentare gegeben habe, noch dass der gute Mann eine Zweitidentität von mir ist
LOL!
Nein natürlich nicht….”Gollum,Gollum…”:)
Nee man merkt das du Talent für sowas hast,dich auszudrücken usw….^^
Aber weiter im Kontext….
Gruß Tone