Warten auf den Knall

6×05 – Lighthouse

Es ist schon eine Axt mit der Erwartungshaltung. Wir befinden uns in der finalen Staffel von LOST und die ganze Welt erwartet Antworten. Sämtliche Trailer oder Interviews mit den Verantwortlichen versprechen uns ja auch nichts anderes. Doch während man annehmen könnte, daraus dürfte jetzt nach fast einem Drittel der finalen Staffel eine WTF-Folge nach der nächsten resultieren, so werden wir immer noch so gut es geht im Dunkeln gehalten. Eine Hinhaltetaktik, die auf den Magen schlagen kann, denn alle Warten auf den großen Knall, auf das Öffnen der Mysterien-Schleuse, selbst wenn’s dabei keine Überschwemmung geben mag. Doch auch Folge 5, „Lighthouse“, hält sich etwas zurück. Unberechtigte Ungeduld macht sich breit, denn die Handlung spitzt sich unaufhörlich zu. Besagter Knall droht nun auch auf der Insel, denn Smocke wird die Anderen im Tempel konfrontieren und das wird sicher ungemütlich.

Neuer Arbeitsauftrag vom Chef

Und nur einer sieht wieder alles voraus: Jacob! Da der aber todesbedingt verhindert ist, muss Hurley wieder einmal als sein Sprachrohr fungieren. So wird Hurley gleich mal mit einem exklusiven Auftrag ausgestattet, der sich am Ende als mysteriöser darstellt, als er wirklich war. Während im Tempel alle angespannt auf Smockes Ankunft warten, verdrücken sich Hurley und Jack auf ihre private Mission, von der sie keine Ahnung haben, was sie ihnen bringen wird. Ein wenig wie in alten Zeiten, wie Hurley auch schon treffend anmerkt. Dazu passt auch der kurze Abstecher zu den legendären Höhlen, wo Jack wieder mit dem leeren Sarg seines Vaters konfrontiert wird. Ja, Christian Shephard fehlt bekanntermaßen und läuft vermutlich als Untoter bzw. Infizierter im Auftrag von Smokey auf der Insel herum. Wir haben ihn zwar eine Weile nicht mehr gesehen, aber er pflegt zumindest den regen Kontakt mit seiner Tochter. Diese ist, wie wir durch Jins Augen deutlich zu spüren bekommen, in den letzten drei Jahren auf der Insel ordentlich durchgedreht. Das mit der Infektion scheint zumindest keine Lüge zu sein.

Lady Gaga?

So haust Claire ein wenig wie die durchgeknallte Rousseau (inkl. spooky Skelett/Fell-Babypuppe) und verdächtigt die Others, ihren Aaron geklaut zu haben. Die haben Claire anscheinend auch schon gründlich getestet – wie bei Sayid. Doch ihr Baby haben sie bekanntermaßen wirklich nicht. Aber Smokey redet es Claire ein, denn damit hat er sie bombensicher auf seiner Seite. Da kann auch Jin mit der Wahrheit nichts retten. Er erkennt, das Claire einen an der Waffel hat und spielt das Spiel mit. Vielleicht erhofft er sich beim Tempel Hilfe gegen die verrückt-verzweifelte Mutter. Oder er möchte ihr zur Konfrontation mit Kate verhelfen. Das Ergebnis dürfte sicher viele Kate-Hater erfreuen. Doch Jin könnte seinen Schritt bereuen, denn als dann auch noch Smocke dazu kommt, wird klar, dass es kein Zurück mehr geht. Mit Sawyer, Claire und vermutlich auch Sayid und Christian hat er schon einige Leute auf seiner Seite. Ist Jin am Ende der Nächste? Mit Sun auf der anderen Seite könnte dies spannend werden.

Spieglein, Spieglein in dem Turm...

Doch nicht nur der Man in Black bringt seine Schachfiguren in Position, auch Jacob spielt seine Spielchen. Hurley hat er eh sicher und nun braucht er unbedingt Jack, denn dies scheint seine wichtigste Spielfigur zu sein. Kein Wunder, denn die ultimative Konfrontation sollte dann bitte auch zwischen Jack und John ausgetragen werden. Doch zuerst muss Jack durch den Spiegel des Leuchtturms sehen. Ja, der Leuchtturm. Wir blenden kurz die Tatsache aus, dass niemand dieses durchaus hohe Gebäude, was da seit langer Zeit steht, in den letzten Jahren auch nur einmal gesehen hat… Schiffe kann man damit vermutlich eh nicht anlocken. Jacobs Ankündigung, das jemand zur Insel kommen würde, war nur ein Vorwand. Oder halt ein cleveres sprachliches Mittel. Denn am Ende soll dieser Leuchtturm Jack zur Insel führen und ihm zeigen, dass er doch wichtig ist. Der Spiegel selber fungiert als Beobachtung für die ausgewählten Kandidaten. 360 Stück zur Auswahl, jeder von Jacob ausgesucht. Das Nummernspiel ist ja schon bekannt. Jack ist die 23 und eine Schlüsselfigur. Nimmt er sein Schicksal an? Jack ist immer auf der Suche nach einer Aufgabe, einem Ziel. Meist ist er damit aber überfordert. Auch bei seinem Job als Anführer der Losties lief es so ab.

Vaterkomplex 2.0

Und in der Parallelhandlung der Flashsideways ist es nicht ähnlich. Der alternative Jack sucht im Jahr 2004 immer noch die verschwundene Leiche seines Vaters. Zwischendurch gibt es einen kurzen Moment des Nachdenkens bezüglich seiner Blinddarmnarbe. Und wir erfahren, dass Jack, in dieser Zeitlinie einen Sohn namens David hat, mit dem er vor exakt den gleichen Problemen steht, wie Jack damals mit seinem Dad. Die Geschichte wiederholt sich, doch Jack kommt am Ende zur Erkenntnis, dass er es besser kann, als sein Vater. Vielleicht auch, um die Erlösung bei seinen Daddy-Issues zu finden. Eine eher ruhiger und ereignislose Handlung bei den Sideways. Der Cameo von Dogen scheint zu beweisen, dass auch er nicht von Anfang an auf der Insel war. Gut, haben wir eh schon vermutet. Und es scheint sich, zumindest teilweise, herauszukristallisieren, dass diese alternative Linie eben, entgegen meiner Erwartungen, vielleicht doch nicht komplett negativ für die Beteiligten verläuft. Locke war letzte Woche bereits ein gutes Beispiel und auch für Jack scheint es am Ende vielleicht besser zu laufen. Wir wissen nach wie vor noch nicht, was sie bedeuten, aber es wird ein wenig deutlich, dass es auf bestimmte Punkte hinausläuft. In Zukunft auch bitte mit mehr Querverweisen.

Jack wartet auf sein Schicksal

Denn so wie Jack am Ende bei seinem Sohn die Erleuchtung kommt, so kommt sie vielleicht auch am Ende der Folge, wenn Jack auf das Meer starrt. Vielleicht nicht sofort, aber der Spiegel hat zumindest Jack ins Nachdenken gebracht, genauso wie Jacob es wollte. Vielleicht ist dies das Schicksal, das Jack erfüllen muss. Er lag schon so oft daneben. Die Leute von der Insel herunterzubekommen war auch nicht das Gelbe vom Ei, geschweige denn sein Leben außerhalb der Insel. Als er am Ende zurückgekommen ist und sich in den 70ern wiederfand war weit und breit keine Spur von seinem Schicksal zu sehen. Bis zum Tag des Zwischenfalls, an dem Jack hoffte, alles verändern zu können. Doch auch das gelang nicht und so ist Jack momentan resignierter als je zuvor. Kate scheint er verloren zu haben, er kann niemanden mehr führen, er hat keine Aufgabe mehr. Oder vielleicht doch? Ohne eine gewisse Tragik scheint es dabei nicht abzulaufen, denn genauso wie der Man In Black Locke für seine Zwecke manipuliert hat, ist Jack der Spielball von Jacob. Aber noch hat er die Möglichkeit, eigene Entscheidungen zu treffen. Es wird immer klarer, dass weder Jacob noch sein Nemesis mit fairen Mitteln spielen. Sie werden ihre Gründe haben, denn sie sind sie Schachspieler, doch an die Figuren auf ihrem Brett denken sie dabei zu wenig. Und Jacob wollte Hurley und Jack, seine wichtigen Figuren halt vom Tempel wegbekommen. Denn dort wird nun Smokey auftauchen und es bleibt zu hoffen, dass dies zu einem großen Knall in der nächsten Woche führt. In welcher Form auch immer.

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