Ein paar Gedanken angesichts des Endes meines Re-Watchs

Fast ein halbes Jahr hat er gedauert, mein persönlicher Re-Watch von LOST. Eine durchaus spannende Angelegenheit, die mir auch ein paar neue Sichtweisen auf die Serie gebracht hat. Sicher, dass gute alte Gefühl des ersten Schauens wird sowieso nie wiederkommen. Aber man erinnert sich an einige WTF-Momente der Serie gern zurück. Der erste Auftritt der Others, als sie Walt entführen oder der berühmte Staffelstart mit Desmond im Bunker. Auch sind es natürlich einzelne Folgen, wie eben Desmonds erste Zeitreiseerfahrungen in „Flashes Before Your Eyes“ oder „The Constant“, die einem damals den Mund offen haben stehen lassen. Oder Charlie’s „Greatest Hits“, die mich immer noch zum Weinen bringen können. Oder längst vergessene Folgen, wie die berühmte Folge, als Bernard das riesige „S.O.S“-Zeichen bastelt. Auch ist es natürlich interessant die Entwicklung der Serie und ihre Veränderung noch mal von Anfang an zu betrachten. Denn es ist schon beeindruckend, wie viel Füllfolgen man in den ersten drei Staffeln hat und wie wenig da teilweise in der Gesamthandlung geschieht. So ist natürlich der Anfang der Serie speziell der Vorstellung der Charaktere gewidmet, was damals noch unglaublich interessant war, aber jetzt, wo man die Figuren jahrelang begleitet hat, nicht mehr wirklich interessant ist. Aber es ist interessant die Entwicklung dieser Figuren zu sehen. Leute, wie Sayid oder Anführer Jack, die zu Beginn der Serie die souveränsten Figuren waren und jetzt zum Ende der 5. Staffel verzweifelt sind und alles verloren haben. James „Sawyer“ Ford ist da das umgekehrte Beispiel. Er ist einen langen Weg gegangen und hat seine Dämonen am Ende besiegen können. Und Kate? Nun ja, die ist und bleibt halt Kate. Aber es sind auch die Überraschungen und die Täuschungen in diesen Figuren. Dachten wir jahrelang, Locke wäre etwas Besonderes, so stellt sich am Ende heraus, dass er nur ein Spielzeug für Jacocb’s Gegenspieler war und er vermutlich nie das war, was er zu sein schien. Auch macht der einst so furchterregende Benjamin Linus die Entwicklung hin zum gebrochenen Mann, dessen Glaube an die Insel ihm alles genommen hat.

Absturzkunst - by Eric Tan
LOST hat eine interessante Art und Weise, sich mit jeder Staffel weiterzuentwickeln und in der Betrachtung der Insel immer ein Stück hinauszuzoomen. Zu Beginn waren es nur die Abgestürzten des Fluges 815, dann kamen die mysteriösen Others hinzu, welche am Ende gar nicht mehr so mysteriös waren. Gleiches gilt auch für die Dharma Initiative. Und Puzzleteil für Puzzleteil bekommen wir mit, wie der Konflikt zwischen Ben und Widmore am Ende auch nur innerhalb des uralten Konflikts zwischen Jacob und dem noch namenlosen Mann in Schwarz geschieht. Und wer weiß, was darüber hinaus noch so geht. Diese immer größere Umgebung von LOST ist gleichzeitig auch der Grund für die starke Veränderung der Serie, die einem besonders bewusst wird, wenn man sich eben alles hintereinander anschaut. Während die ersten drei Staffeln diesbezüglich noch eine relativ ähnliche Atmosphäre versprühen, ist der Wechsel ab der 4. Staffel überdeutlich. Die Serie schaltet langsam aber sicher verstärkter in den Antwort-Modus und versucht halt viele Dinge zu erklären, welche eine lange Zeit im Dunkeln lagen. Besonders bei der umstrittenen fünften Staffel mit den Zeitreisen wird dies deutlich. Doch LOST brauchte halt auch diese Richtung, denn nach all den Jahren will man halt auch endlich einmal wissen, was denn nun so genau das Besondere an dieser verrückten Insel ist. Es ist immer schade, wenn man aufhört im Dunkeln zu tappen, aber gerade ich bin dann durchaus so’n Typ, der gern alle Details wissen will. Insgesamt hat die Serie eine spannende Entwicklung gemacht und ich habe viele Charaktere ins Herz geschlossen und mit ihnen mit gelitten. Das schaffen sonst nur wenige bis keine TV-Serien, weshalb LOST da einen besonderen Status einnimmt… ohne Frage. Der Wert und das Vergnügen, welches das aktive Mitverfolgen in den letzten fast fünf Jahren bereitet ist sowieso bereits jetzt unbezahlbar… und da wird bei der finalen Staffel sicher auch nicht mehr viel schief gehen. Dazu hab ich mittlerweile zu viel Vertrauen in die Serienschöpfer Damon Lindeloff und Carlton Cuse. Sicher, da ist auch mal was schief gegangen in den letzten Jahren. Das Nikki/Paolo-Problem genauso wie die Sache mit Libby und der Tatsache, dass man sich den Numbers und Walt anschließend nicht mehr so wirklich gewidmet hat. Andererseits soll man ja den Tag auch nicht vorm Abend loben bzw. kritisieren. Es gilt ja noch, ein paar offene Fragen zu beantworten. Auf jeden Fall war es ein kurzweiliger, spannender Re-Watch und es hat mir viel Spass gemacht, meine Gedanken der Welt hier mitzuteilen. An dieser Stelle einen herzlichsten Dank an all die Leute, die das sogar gelesen haben und Comments hinterlassen haben und an all die, von denen ich weiß, dass sie’s gelesen haben ohne es zu kommentieren. Vielen Dank, ihr lasst das Ganze wesentlich weniger sinnlos erscheinen
Und natürlich möchte ich gleichzeitig betonen, dass der Blog jetzt NICHT gleich dichtmachen wird. Warum auch? Es gibt ja noch besagte letzte Staffel, welche ich hier auf jeden Fall live mitverfolgen werde. Bis dahin gibt’s hier immer mal ein paar Infos und Trailer zu Staffel 6. So gut es allerdings geht, ohne die Welt gleich voll zu spoilern. Ich selber versuch nämlich auch nicht alle Infos und Drehberichte zu lesen um sich wenigstens noch den Hauch Spannung zu bewahren, den es braucht, um LOST zu genießen. Und vielleicht werde ich mich, nach einer kleinen Pause auch mal den 14 Folgen der ersten Staffel widmen, welche ich hier noch nicht detailliert angeschaut habe widmen, um am Ende ein besseres Gesamtbild zu erhalten. Das wird dann sozusagen der Re-Re-Watch… man darf gespannt sein.
Verfasst von madcabbin 
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