Harte Schale, weicher Kern

10/11/2009

5×13 – Some Like It Hoth

Fashionsünden der 90er?

Something about Miles. Bisher eher als zynischer Grummler bekannt, der mit den Toten sprechen kann, bekommen wir diesmal endlich einen Einblick in seine Biographie und seine Figur, die zeigt, dass hinter der zynischen Schale auch ein sensibler Kern steckt. Miles ist nämlich alles andere als begeistert von seinen Fähigkeiten, welche er als kleines Kind entdeckt. Seine Mutter kann ihm auch nicht weiterhelfen. Informationen über seinen Vater gibt sie nicht, geschweige denn über Miles’ Herkunft. Doch die benötigt er so dringend, denn natürlich reiht sich Miles nahtlos in die unzähligen LOST-Charaktere ein, die Probleme mit ihren Vätern haben. Es dauert eine ganze Weile, bis er sich damit abfindet, abstumpft und aus seiner Fähigkeit, die Toten zu hören, Kapital schlägt und sich fortan als zynischer Geisterjäger ordentlich Kohle dazu verdient. Das reicht natürlich nur vorübergehend, wie Bram feststellt. Oh ja, Bram… außerhalb der Insel scheint Miles auch von großem Interesse für die beiden Inselparteien zu sein. Widmore will ihn natürlich auf seinem Frachter haben und bietet ihm deshalb eine lächerlich hohe Summe Geld an, während Bram, den wir jetzt mal den Others um Jacob zuordnen, Miles vor Widmore warnt und ihn auf seiner Seite haben will, damit auch er bald erkennt, was im Schatten der Statue liegt. Miles entscheidet sich natürlich fürs Geld und stimmt der Reise zu. Will Charles Widmore ihn wirklich nur wegen seiner Fähigkeiten auf der Insel haben oder steckt da etwas mehr dahinter? Vielleicht auch Kurskorrektur? Daniel wird ja aus exakt diesen Gründen ebenfalls zurückgeschickt. Man weiß es nicht.

Who you gonna call?

Am Ende landet Miles auf der Insel und in den 70ern, wo er in diesen turbulenten Tagen um die Rückkehr der Oceanic Six von Horace mal eben mit einem Spezialauftrag versehen wird. Miles überführt eine Leiche von Radzinsky zu Horace und dann noch mal zu Dr. Cheng. Warum eigentlich dieser Umweg? Na ja, auch egal. Fakt ist, dass wir als findige Zuschauer sowieso längst geahnt haben, dass Miles der Sohn von Dr. Cheng ist. Lag irgendwie auf der Hand, muss ich sagen. Und das Miles seine Fähigkeiten von der mysteriösen Insel hat, ist auch nicht so verwunderlich. Doch Miles ist nicht gut auf seinen Dad zu sprechen, immerhin hat seine Frau ihn später vor deren Sohn nie gut dastehen lassen. Im Prinzip will Miles mit Daddy nix zu tun haben, wenn… Ja, wenn da nicht Hurley wär, der diese Folge nach langer Zeit mal wieder zu einem sehr witzigen, lockeren Erlebnis macht. „Whatever Happened, Happened“ war für Hurley eh nie ein Thema, weshalb er natürlich als liebenswerter Sympathiebär dafür sorgt, dass Miles und Cheng sich besser kennen lernen, was natürlich zu sehr witzigen Fahrten im Dharma-Van führt. So entdecken beide auch, dass die Ursache für den Tod der Leiche dessen eigene Füllung war, welche ihm aus den Zähnen heraus durch den Kopf geschossen ist. Und schon ahnen wir: Elektromagnetismus! Und wenn man das bei LOST sagt, muss man gleichzeitig, gerade in der Dharma-Zeit, auch „Swan Station“ sagen.

Dr. Cheng kann auch nett sein

Und so werden wir Zeuge des Baus jener verhängnisvollen Station, welche später den Absturz von Oceanic Flug 815 verursachen sollte. Ein sehr bizarrer Moment, als Hurley das Einstampfen der berühmten Zahlen auf die Hatch Tür beobachtet. Doch die Swan soll erst Thema der nächsten Folgen werden. In Dharma Ville scheinen die Tage von LaFleur und Juliet gezählt zu sein. Nachdem Klein-Ben zwecks Krankenbehandlung bei den Others gelassen wurde, gerät Juliet vor dessen wütendem Vater Roger in Erklärungsnot. Und kaum lobe ich Kate mal für einige ihrer Handlungen, macht sie schon wieder einen entscheidenden Fehler und spricht mit Roger, welcher gleich wieder verdacht schöpft. Ich dachte, Kate wäre eine gute Lügnerin? Für Sawyer wird die Luft natürlich eng. Besonders, als dessen Mitarbeiter Phil später am Abend an dessen Tür klopft und das Videoüberwachungsband in der Hand hält, welches James und Kate bei der Entführung von Ben zeigt. Damit bröckelt die Tarnung und da Sawyer auf die Schnelle keine weitere Lüge einfällt, müssen halt die Fäuste sprechen. Phil wird außer Gefecht gesetzt, doch dass macht die Sache in keinster Weise einfacher. Doch noch kurz zurück zu Miles, der seinen Arbeitstag mit Hurley beendet, welcher ihm noch ein paar nerdige Star-Wars-Tipps auf den Weg gibt. Generell ist die Idee, das Hurley während der Folge sein eigenes Drehbuch zu „Das Imperium schlägt zurück“ natürlich herzallerliebst und eine eindeutige Liebeserklärung der LOST-Macher an die Sci-Fi-Trilogie.

Der Anfang allen Schlamassels

Da wünscht man sich doch glatt, dass Hurley wirklich die Ewoks verhindert hätte. Und doch symbolisiert Hurleys Bestreben einen interessanten Aspekt, nämlich die Tatsache, dass man sich nicht mit irgendwas abfinden sollte und die Chancen nutzen sollte, welche einem das Schicksal so bringt. Und Miles hat vom Schicksal die Chance bekommen, seinen Vater besser kennen zulernen. Als er am Ende der Folge sich selbst als Baby im Arm seines liebevollen Vaters betrachtet, wird Miles erstmals emotional und lässt erkennen, dass ihm doch einiges an diesem Mann liegt. Und vielleicht lässt sich ja doch etwas ändern, denn immerhin hat er ja die Möglichkeit jetzt genau vor seiner Nase. Und damit hätten wir auch schon das bestimmende Thema für den Rest der Staffel angeschnitten. Kann man vielleicht am Ende doch etwas ändern, ungeachtet aller Kurskorrektur? Am Ende der Folge begrüßt Miles den wiedergekehrten Daniel Faraday. Und der wird uns in der nächsten Folge ausführlich versuchen, uns davon zu überzeugen.


Die Zähmung des Benjamin Linus

07/11/2009

5×12 – Dead Is Dead

Zahltag für Benjamin Linus! Nach all den Betrügereien muss sich der ehemalige Anführer der Others nun dafür verantworten und über sich richten lassen. Und dass vor der Insel himself bzw. dem repräsentativen Richter und Henker, in Form der des Rauchmonsters. Ob er das ursprünglich so geplant hatte, sei mal dahin gestellt. Letztendlich ist das ganze nämlich nur eine Alibi-Lüge, die sich Ben in Rekordzeit hat einfallen lassen, als er vom eigentlich tot geglaubten John Locke geweckt wird. Ben hat sicher mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass ihn der Mann auf der Insel zurück begrüßt, den er eigenhändig getötet hat. Doch natürlich lässt sich Ben erstmal, wie immer nichts anmerken und spielt weiterhin den souveränen Ben. Dennoch nimmt es ihm Jacob’s Nemesis in Form von Locke 2.0 nicht wirklich ab. Ben muss also improvisieren und schauen, wie er Locke nun erneut loswird, ohne ihn dies aber gleich spüren zu lassen. Also intrigiert er erstmal etwas bei den Überlebenden von Ajira Flug 316, was allerdings auch wenig Erfolg hat. Locke 2.0 treibt Ben nämlich voran, sich Smokey zu stellen, wenngleich der natürlich wenig Lust drauf hat. Denn schnell wird klar, dass sich Ben nicht für die Rückkehr auf die Insel verantworten muss, sondern dafür, dass er damals seine eigene Tochter getötet hat. Und da muss man kein großes Genie sein, um zu erahnen, wie Smokeys Urteil ausfallen könnte.

Unfreiwillige Vaterschaft

In den sehr interessanten Rückblenden werden wieder einige Lücken in Ben’s Biographie gefüllt. So werden wir Zeuge seines ersten Zusammentreffens mit Charles Widmore, kurz nachdem Ben im Jahr 1977 von der Insel geheilt wurde und wir erfahren, wie sich das Verhältnis mit Widmore verschlechtert hat. Als Ben beauftragt wird, im Jahr 1988 Danielle Rousseau umzubringen, vermasselt er diesen Auftrag ein wenig, denn mit dem Baby hat er nicht gerechnet. So ist die Entführung von Alex eher eine Art Kurzschlussreaktion von Ben, zumal Rousseau ja bereits damals relativ matschig in der Birne war. Charles ist mit der Tatsache, dass Ben Alex ins Camp der Others bringt recht unzufrieden, doch töten will er sie auch nicht. Ben kann das sowieso nicht. Damals war er halt auch noch nicht so ein emotionaler Eisblock. Dennoch bleibt die Frage, ob es Alex bestimmt war zu sterben oder nicht. Auftrag von Jacob oder doch Willkür von Widmore? Irgendwann muss sich Ben entscheiden, zwischen der Insel und Alex. Das sagt ihm Widmore auch ein paar Jahre später, als dieser von Ben von der Insel verbannt wird. Gründe dafür scheinen wohl seine Außer-Insel-Aktivitäten zu sein. Das beinhaltet sowohl die Gründung von Widmore Industries, als auch die Tatsache, dass er Penny gezeugt hat.

I'll Be Back!

Widmore ist verbittert… zu Recht, doch er schwört bereits jetzt Rache, die er einige Jahre später auch bekommen sollte, als sein Söldnertrupp nämlich Alex kaltblütig tötet. Die Frage ist natürlich, ob Charles dafür einen expliziten Auftrag gegeben hat. Es ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass Ben es letztendlich selbst zu verantworten hat, dass Alex vor seinen Augen starb. Er hätte sich ergeben können und vielleicht wäre sie dann verschont geblieben, aber er hat es nicht getan, weil er nur an sich gedacht hat. Und diese Erkenntnis gewinnt Benjamin Linus jetzt langsam. Da hilft auch sein Rachefeldzug gegenüber Charles’ Tochter Penny nicht, welcher zum einen von Ben’s Mitgefühl (als dieser Pennys Sohn sieht) und zum anderen durch Desmonds Körpereinsatz, verhindert wird. Vermutlich erkennt Ben, dass das Töten von Penny keinen Unterschied gemacht hätte. Und wer weiß… vielleicht ist es am Ende doch irgendwie auch sein Wunsch, sich richten zu lassen. Vielleicht.

Ben - Ausnahmsweise ehrlich überrascht

Denn die Rückkehr auf die Insel hat Ben erstmal nichts gebracht. Seine Leute wollen ihn sicher nicht mehr und Hauptkonkurrent Locke ist auch wieder da. Und wenn ein eigentlich Toter plötzlich wieder auf der Insel rummarschiert, dann muss sich selbst ein Benjamin Linus eingestehen, dass Locke doch eher gewollt ist, als er selber. Zumal Locke 2.0 hat einfach diesen Wissensvorsprung hat, den der alte Locke nicht hatte. Zu jedem Zeitpunkt scheint Jacob’s Nemesis die Überhand zu haben. Er spielt sogar ein wenig mit Ben, wenngleich er es diesen nicht wissen lässt. Eine angenehme Überheblichkeit. Die lässt er auch, Frank und Sun spüren, als sie diese im verlassenen Dharma-Dörfchen treffen. Locke 2.0. gibt natürlich vor, er habe „einige Ideen“, wie er Sun und Jin wiedervereinen könnte. Aber ich glaub ihm genauso wenig, wie Frank, dem die Sache dann auch zu bunt wird und der sich wieder zurück zu seinen Überlebenden macht. Dort wird er allerdings schon von Ilana, Bram und ein paar anderen Jüngern von Jacob unfreundlich begrüßt. Mit ihnen natürlich die berühmte Kiste, von der wir ja mittlerweile wissen, wer drin liegt. Und dass es sich hierbei nicht um normale Fluggäste handelt, dürfte nun auch Lapidus schmerzhaft klar geworden sein. Locke hingegen geht seinen eigenen Weg.

Smokey in der Innenansicht

Christian Shephard hatte Sun und Frank aufgetragen, auf Locke zu warten. Wohl nur, weil beide ein und dieselbe „Person“ sind, nur dass sich Jacob’s Nemesis jetzt einen neuen Körper gesucht hat. In diesem gibt er zwar vor, Locke zu sein, aber eine gewisse Grundskepsis kann sich auch Sun nicht verkneifen. Da Smokey nicht zu Ben kommen will, gehen alle drei zu Smokey selber und zwar zum Tempel. So erhalten wir eine spannende Innenansicht in das alte Gemäuer und wir erleben Smokey mal wieder in hautnaher Action. Da steht er nun, Benjamin Linus. Ängstlich wird er von Smokey umhüllt, welcher ihm Bilder aus seiner Vergangenheit zeigt und ihn somit mit dem schlechten Verhältnis zu seiner Tochter konfrontiert, dass er sich irgendwie auch immer selbst verschuldet hat. Kurz bevor Smokey abzischt, manifestiert er sich noch einmal als Alex um den reumütigen Ben zu drohen. Dieser solle aufhören, Locke nach dem Leben trachten und ihm bedingungslos zu folgen. Ben willigt ein… um zu Überleben. Und so geschieht das eigentlich Unvorhersehbare… Smokey lässt Ben am Leben. Natürlich macht er das nur, weil er in irgendeiner Weise mit Jacob’s Nemesis kooperiert, welcher Ben natürlich benötigt, um seinen ultimativen Plan zu vollenden. Unter normalen Umständen hätte Ben nämlich keine Chance gehabt. Und so wirkt seine Läuterung am Ende der Folge erstmals erstaunlich ehrlich und aufrichtig. Die Insel hat Ben gezähmt. Er ist nun nicht mehr der Mann am Drücker, sondern folgt Locke, weshalb er von nun an zum Spielball in dessen kleiner privater Fehde mit Jacob wird. So lernt Ben am Ende auch einmal die andere Seite kennen.


Kate folgt ihrem Herzen

05/11/2009

5×11 – Whatever Happened, Happened

Wer diesen Blog regelmäßig verfolgt, der weiß, dass ich mich eigentlich sonst nicht mit ausgiebigen Kate-Bashing zurückhalte. Die allgemeine Unbeliebtheit der guten Frau bei den LOST-Fans lässt sich auch bei mir finden. Allerdings breche ich angesichts dieser Folge mal eine kleine Lanze für Mrs. Austen, denn ausnahmsweise wirken ihre Handlungen in dieser Folge, sowohl in den Flashbacks, als auch auf der Insel sogar mal höchst menschlich und nachvollziehbar. Erfährt dieser lange Zeit so eindimensionale Charakter vielleicht nun auch endlich eine Entwicklung? Wünschenswert wäre es natürlich für die Serie.

"Don't bring him back!"

So vervollständigen die Rückblenden endlich ein paar offene Stellen in ihrer Oceanic-Six-Biographie. Wir erfahren, dass sie Sawyers Wunsch nachgeht und sich mit dessen Ex Cassidy trifft und somit auch nach dessen Tochter Clementine Ausschau hält. Das schreit natürlich auch nach einigen intensiven Frauengesprächen und Cassidy sagt Kate zumindest, was eigentlich Sache ist. Da herrscht gutes Vertrauen, denn immerhin berichtet Kate mal eben von der ganzen Lüge, welche die Zurückgekehrten umgibt. Und so hört Cassidy auch zu, als Kate langsam zu der Erkenntnis kommt, dass sie nicht dazu bestimmt ist, Aarons Mutter zu sein. Und ein solches Eingeständnis ist bei der guten Frau ja nicht oft der Fall. So macht Cassidy Kate auch deutlich, das Aaron lediglich als Alibi diente, als emotionaler Ersatz für Sawyer, welchen sie hinter sich lassen musste. Denn Kate ist sicher vieles, nur keine Mutter. Zumindest keine Mutter für Klein-Aaron, also fasst sie einen Entschluss. Sie lässt Aaron bei Claire’s Mutter und geht zurück auf die Insel. Doch diesmal nicht, um Jack oder Sawyer abwechselnd hinterherzulaufen. Nein, sie will Claire finden und damit Aaron seine leibliche Mutter zurückgeben. „Every kid needs his mother“. Schlauer Satz, Mr. Linus und ein wirklich guter Schachzug von Kate. Von dem anschließenden Trauer-Bewältigungssex mit Jack mal wieder abgesehen. Und auch nach ihrer Rückkehr auf die Insel übt sich Kate in Mitmenschlichkeit und wird zum stärksten Führsprecher des verwundeten Benjamin Linus. Sie hilft Juliet, die um da Leben des kleinen Jungen kämpft.

Tritt die Course Correction schon ein?

Und das macht sie, trotz des Wissens über die spätere Entwicklung des Jungen. Der Rest der männlichen Losties macht wenig Anstalten, ihr zu helfen. Sawyer ist immer noch damit beschäftigt, seine heile LaFleur-Welt zu schützen, während Mörder Sayid auf und davon ist und Jack weigert sich, seiner Pflicht als Lebensretter nachzugehen, was sowohl Kate, als auch Juliet auf die Palme bringt. Kein Wunder, denn Jack hat nichts zu tun. Da sitzt er nun, verbittert darüber, dass er alles verloren hat (in diesem Fall Kate im Speziellen) und keine Aufgabe mehr hat. Er kann nichts fixen und er kann niemanden anführen. Er sitzt nur da und wartet, dass sich sein Schicksal erfüllt. Das Schicksal, welches ihn in die 70er gebracht hat und welches sich ihm noch zu erkennen geben muss. Bis dahin erstmal chillen. Auch nicht schlecht. Dennoch ist seine Theorie relativ interessant. Jacks Meinung nach hätte Ben vielleicht schon an dem Tumor im Jahr 2004 sterben sollen. Doch Jack hat es verhindert und nun will er der Insel nicht dazwischen funken. Versteht sich.

Trotzkopf Jack

Aber vermutlich hat er noch nichts vom titelgebenden Ausspruch von Daniel Faraday gehört. Was auch immer passiert ist, ist auch passiert. Miles und Hurley führen in dieser Folge auch ein paar sehr kurzweilige Gespräche darüber, vermutlich um den mittlerweile sichtlich verwirrten Zuschauer die ganze Zeitreiseproblematik etwas näher zu bringen. Dabei ist es ja eigentlich gar nicht so schwer zu kapieren. Sicher, Hurley, Jack und Co. waren schon immer in den 70ern, aber sie können sich nicht dran erinnern, denn sie erleben es ja gerade live als ihre Gegenwart. Deshalb können sie auch jederzeit draufgehen. Ben hingegen nicht, denn er lebt ja noch im Jahr 2004. Oder vielleicht doch nicht? Vielleicht hat Sayid ja doch etwas geändert. Zumindest vermuten wir das im Laufe der Folge. Die Situation des kleinen Ben wirkt aussichtslos. Bis zu dem Moment, als Juliet eine Idee kommt. Die Others sollen helfen, sie machen das ja immer. Also macht sich Kate auf eigen Faust, um das Leben des Ben zu retten. Schicksal hin oder her, sie kann kein zwölfjähriges Kind sterben lassen. Irgendwie nachvollziehbar. Sawyer hilft auch mit, aber nicht für Kate, sondern für Juliet, wenngleich er weiß, dass dadurch seine Tarnung auffliegen könnte. Die Others selber freuen sich natürlich nicht, wenn die Dharma einfach so auf ihr Territorium gelatscht kommt, doch Richard Alpert erkennt James wieder und weiß, dass er zu Locke gehört. Und er erkennt Benjamin Linus wieder, dem er damals im Dschungel begegnet ist.

Sonderbehandlung durch Smokey?

Und irgendwie scheint Ben schon „special“ zu sein, wenngleich er ja eigentlich nur als Übergangsleader herhalten muss, während Richard auf die Ankunft von Locke wartet. Richard heilt Ben trotzdem… mit allen Konsequenzen. Ben wird (höchstwahrscheinlich) durch das Rauchmonster bekehrt und somit geheilt… aber gleichzeitig wird er auch zu einem der Others. Und in diesem Moment wird Sawyer und Kate das Prinzip von „Whatever Happened, Happened“ wohl deutlich. Kates Handeln macht aus Benjamin Linus letztendlich das, was er einmal später wird. Ob sie es vielleicht verhindert hätte, wenn die das gewusst hätte? Vermutlich nicht, denn hier ist sie mal dem guten Weg ihres Herzens gefolgt. Und nur so kann Benjamin Linus relativ gesund im Jahr 2007 auf der Hydra Insel erwachen um dort am Ende der Folge von John Locke begrüßt zu werden bzw. dem Mann, der sich als Locke ausgibt. Kein sonderlich angenehmes Erwachen.


Ohne Reue und Gewissen

01/11/2009

5×10 – He’s Our You

Super-Sayid ist auch nicht mehr das, was er früher einmal war. In den ersten Staffel überzeugte der technikversierte Iraker mit dem permanenten Durchblick, Taten- und Opferbereitschaft, wenn es um das Wohl der Gestrandeten ging. Sicher keine Spassbombe, aber ein Mann, auf den man sich verlassen konnte, wenn es hart auf hart kam. Viel ist davon nicht mehr übrig, 3 Jahre nachdem Sayid die Insel verlassen hat. Das Glück mit seiner geliebten Nadia wurde nach kurzer Zeit bereits zerstört und Sayid wurde in Bens private Fehde gegen Charles Widmore hineingezogen und erledigte von nun an zwei Jahre lang als Privatkiller die Drecksarbeit für Mr. Linus. Dabei verlor er sowohl sämtlichen Lebensmut, wie auch jegliche Form von Gewissen.

Ilana prakzitiert Safer Sex

Und kaum hatte er seinen kurzzeitigen Frieden und seine neue Bestimmung im Bauen von Häusern für die dritte Welt gefunden, kehrt Ben zurück und beginnt Sayid erneut zu manipulieren. Der Mann, der Hurley damals beschatten sollte wurde vermutlich genauso von Ben engagiert, wie die giftpfeilbewaffneten Killer, die Sayid später nach dem Leben trachten. Und als er ein weiteres Mal Bens Lügen durchschaut hatte und nur noch weg will, meint es das Schicksal anders mit ihm. Bzw. ist es nicht das Schicksal, sondern Insel-Oberguru Jacob, welcher ebenfalls sehr an Sayids Rückkehr zur Insel interessiert ist. Immerhin hat er ihn auch damals vom Unfalltod bewahrt. Jacob beauftragt also Ilana, Sayid notfalls in Handschellen zurückzubringen. Diese bezirzt den Iraker zuerst, nur um ihn während des Vorspiels auszunocken. Das denn ich mal Coitus Interruptus! Sie sagt zwar, sie sei Kopfgeldjägerin und will Sayid für seine Morde zur Rechenschaft ziehen, aber so richtig glaub ich ihr das natürlich nicht. So ganz kennen wir sie ja noch nicht. Jacob hat vermutlich verlauten lassen, dass Ilana unbedingt den Flug 316 nehmen muss, um zur Insel zurückzukehren. Dass Sayid dabei durch die Zeit geschickt wird, war ihr vermutlich nicht wirklich klar. Jacob scheint auch nur das Nötigste zu erzählen.

Eindeutiges Voting der Dharma Folks

Und so findet sich Sayid schließlich im Jahr 1977 auf der Insel wieder. Und er gerät in die Fänge der Dharma Initiative und merkt natürlich sofort, dass da etwas nicht stimmt. Zumal sich seine Freunde, welche eigentlich gar nicht mehr seine Freunde sind, in dieser Dharma gut eingelebt zu haben scheinen. Woran soll dieser Mann eigentlich noch glauben? Während Kate, Jack und Hurley darauf warten, dass ihnen irgend jemand erzählt, was denn nun ihr Schicksal sei, ist Sawyer eifrig damit beschäftigt, die heile Welt des Jim LaFleur in Dharmaville aufrecht zu halten, wenngleich seine Angetraute, Juliet, da natürlich schon wesentlich skeptischer ist. Sawyer gibt Sayid einige Möglichkeiten zur Flucht, aber dieser wirkt leicht resigniert und weiß nicht, was er tun soll. Sawyer ist ebenfalls ratlos. Doch für Sayid soll sich nun bald sein Schicksal zeigen. In dem Moment, wo ihm ein zwölfjähriger Benjamin Linus ein Sandwich bringt, scheinen für Sayid einige Lichter im Kopf anzugehen. Hier steht er nun vor ihm… sein ehemaliger Peiniger.

Ablenkungsmanöver

Ein Lügner und Betrüger, ein Psychopath und rücksichtsloser Mörder, ja, wenn man die Auslöschung der Dharma Initiative mit hinzunimmt, sogar ein Massenmörder… ein Mensch, der nur an sich selbst und für seinen eigenen Vorteil über Leichen geht. Ein Mann, der für viel Kummer und Leid im Leben aller Überlebenden des Fluges 815 zuständig ist, wenn man es mal im größeren Rahmen betrachtet. Sayid aber im ganz Speziellen. Und hier steht er nun, dieser Benjamin Linus. Als kleiner Junge, Jahre bevor er zu eben diesem Mann wurde. Und Sayid erlebt auch die Terrorisierung durch Bens Vater mit und den Hass den Ben auf ihn und die Dharma Initiative hat. Doch es lässt Sayid ungewöhnlich kalt. Denn hier ist die essentielle Frage seiner Tragödie: Wenn du die Chance hättest, alles zu ändern und ungeschehen zu machen, würdest du es tun? Das ist wie mit der berühmten Zeitreisefrage, ob man Hitler töten würde oder nicht. Das im LOST-Universum „Whatever happened, happened“ gilt, hat Sayid leider noch niemand gesagt.

Verhängnisvolle Flucht

So lässt er sich auf einen Deal mit dem jungen Ben ein. Dieser lässt ihn frei, indem er den Rest der Dharma mit einem brennenden Van ablenkt, wenn Sayid ihn dafür mit zu den Others nimmt. Doch Sayid hat Besagtes natürlich in keinster Weise vor. Die Gesetze des Universums sind ihn in diesem Fall egal. Hier ist ein verzweifelter, gebrochener Mann, welcher die eine Chance, die er hat, um sich bei seinem Peiniger zu rächen nutzt. Ohne Reue und Gewissen. Sayid bleibt der geborene Killer, der er immer war. Er kann davon einfach nicht weglaufen, trotz all der guten Taten, welche er in der Vergangenheit getan hat. Als drückt er ab und erschießt den jungen Ben. Die Konsequenzen sind dabei genauso unnütz, wie die Skrupel. Damals ein ziemlicher What-The-Fuck-Moment, denn als Zuschauer stellt man sich die Frage, ob nicht vielleicht doch der Lauf der Geschichte geändert werden kann und was dies nun für die weiteren Folgen bedeutet. Die Antwort folgt schneller, als man erwartet hat.


Neue Rollenverteilung

31/10/2009

5×09 – Namaste

Bilderbuch-Bruchlandung

Nachdem wir in der vergangenen Folge relativ kompromisslos in Dharma-Zeit katapultiert wurden, lässt sich diese Folge ein wenig Zeit, um uns und die Oceanic Six an die neuen Lebensumstände zu gewöhnen. Zeitgleich wechseln wir immer wieder zum zweiten Handlungsspielraum, nämlich ins Jahr 2007, wo wir gleich am Anfang mitbekommen, wie Superpilot Frank Lapidus es schafft, Flug 316 sicher auf der Hydra Insel zu landen. Na ja, er hat dabei etwas Schützenhilfe von Jacob gehabt. Wir erinnern uns… der hatte drei Jahre vorher die Others beauftragt eine Landebahn auf der Insel zu bauen. Deshalb haben Sawyer und Kate da auch Steine gehackt. Zeitliche Begrenzungen scheint es für Jacob ja nicht zu geben und er hat großes Interesse daran, dieses Flugzeug sicher runter zubringen. Immerhin sind Ilana und Bram, also seine Leute an Bord, sowie Sun und Lapidus, dessen Rolle sicher wichtiger ist, als wir bis jetzt ahnen können. Würde mich nicht wundern, wenn Jacob himself den Schichtplan von Lapidus geändert hat, damit er an Bord dieser Maschine sitzt. Frank glaubt sowieso nicht mehr an Zufälle, tut aber seinen Job. Er bringt das Flugzeug sicher zu Boden und lässt ganz nebenbei noch unter den Überlebenden den Jack raushängen, wenngleich seine „Live Together, Die Alone“-Rede jetzt nicht den gleichen durchschlagenden Erfolg hat.

"OK, hören wir auf diesen seltsamen, alten Mann. Der wird schon wissen, was er macht!"

Ben ist zwischenzeitlich mal wieder auf der Flucht Richtung Hauptinsel, kann aber von Sun aufgehalten werden, die sich natürlich, genauso wie der Zuschauer fragt, warum gerade sie als einzige der Oceanic Six zurückgeblieben ist. Zusammen mit Frank macht sie sich auf den Weg zur Hauptinsel um nachts in der verlassenen Dharmasiedlung anzukommen, wo auch seit Jahren kein Gärtner mehr am Werk war. Smokey scheint hier auch rumzulungern und nicht nur das… Christian Shephard ist auch am Start. Eine lustige, kleine Runde, die wieder mal die Gerüchte nährt, dass Geister-Christian und das Rauchmonster was miteinander zu tun haben. Ob sie ein und dieselbe Person sind mag ich aber noch anzweifeln. Christian jedenfalls weist Lapidus und Sun die Reise, denn im verlassenen Registrierungscenter der Dharma Initiative hängt dann das berühmte Gruppenfoto der Rekruten von ’77, auf welchem man auch Jack, Kate und Hurley sieht. Anscheinend ist Sun beim Zeitreisen falsch abgebogen… oder so ähnlich.

Welcome To The 70s

Im Jahr 1977 hat Sawyer aka LaFleur alle Hände voll zu tun, mit den ungeplanten Neuankömmlingen umzugehen. Love Interest Juliet findet dies alles andere als angenehm, denn sie ahnt bereits, dass damit die schöne heile Welt in den Dharma-70s vorbei ist. Außerdem ist Kate da. Diese furchtbare Kate, die wieder alles zwischen Juliet und James ruinieren wird… das mögen zumindest ihre Gedanken sein. Auch wenn Kate aus anderen Gründen auf der Insel ist, so sind die Sorgen ja durchaus berechtigt. Doch LaFleur will die Situation retten, schafft es mit viel Geschick und Trickserei, dass Kate, Jack und Hurley in die Dharma Initiative eingeschmuggelt werden. Hurley wird zum Koch, was sicher nicht verwunderlich ist, während die Rekrutierung von Jack als Hausmeister sicher unter den Bereich Ironie fällt. Der eins große Anführer und Wirbelsäulenchirurg ist nun einer von vielen und Hausmeister. Ausgerechnet er! Auch im abendlichen Gespräch im Casa de LaFleur wird die neue Rollenverteilung deutlich. Jack hat nichts mehr zu sagen, Sawyer ist am Zug und der macht die Sachen auf seine Art. Jack hat niemanden mehr, den er führen kann. Verzweiflung hat ihn auf die Insel gebracht und sie lässt ihn auch dort nicht los, denn anders als erwartet wurde er nicht von vielen Zurückgelassenen mit offenen Armen als Anführer begrüßt… Nein, er ist den 70ern gelandet, ein Großteil der Gestrandeten ist tot und die, die noch da sind, müssen nicht gerettet werden. So heißt es Abwarten und aufs Schicksal warten. Diese drei Zurückgekehrten sind für Sawyer erstmal kein Problem, wenn da nicht noch Sayid wäre, der versehentlich in der Nähe der Flame-Station aufgetaucht ist und da gleich mal als Hostile abgestempelt wird. So lernen wir auch den stets mies gelaunten Stuart Radzinsky kennen, den man jetzt schon manchmal wünscht, er würde sich die Flinte in den Mund stecken.

Henkersmahlzeit durch einen alten Bekannten

Sayid ist allerdings ein Blitzmerker und kann relativ schnell kurzschließen, dass er in der Blütezeit der Dharma Initiative gelandet ist. So spielt er das Spiel mit, um am Leben zu bleiben, auch wenn er noch nicht alles versteht. So erkennt er auch, wer der kleine Junge mit der großen Brille ist, welcher ihm am Ende der Folge ein Sandwich in die Zelle bringt. Hier steht er nun, Benjamin Linus… der Mann, der ihn jahrelang manipuliert hat und der, so glaubt zumindest Sayid, der Grund dafür ist, dass der Iraker wieder auf dieser Insel ist und bei der Dharma in den 70ern in Lebensgefahr schwebt. Und in diesem Moment erkennt Sayid vielleicht sein „Schicksal“. Straft er einen kleinen Jungen für das ab, was er später mal werden würde oder nicht. Mit dieser Frage beschäftigt sich dann die nächste Folge.


Love, Peace & Science

28/10/2009

5×08 – LaFleur

LaFleur In Love

Endlich ist Schluss mit den ollen Zeitreisen! Nach Locke’s finalem Rad-Dreh befindet sich der kleine Rest an Überlebenden auf der Insel gefangen in den 1970ern. Die Zeit von Flower/Power, Disco-Musik, Schlaghosen, Haaren und natürlich… der Dharma Initiative. War ja nach Jins kurzem Gastauftritt am Ende von „316“ nicht weiter verwunderlich. Wir erfahren, wie Sawyer und Co. bei der Dharma gelandet sind und, was noch viel verwunderlicher ist, sich da im Jahre 1977 bestens eingelebt haben. Der Sprung in die 70er ist von nun an, neben der Parallelhandlung um Locke 2.0 im Jahr 2007, das zentrale Element der fünften Staffel bis zu ihrem spannenden Ende. Erzähltechnisch ein recht cleverer Schritt, denn so bekommen wir einen kleinen Einblick in den Alltag der sagenumwogenen Dharma Initiative, welchen wir in dieser Form in klassischen Flashbacks wohl nicht bekommen hätten. So greifen unsere Losties wieder einmal aktiv ins Inselgeschehen ein, was sicher in der „Wir-werfen-die-Wasserstoffbombe-in-das-elektromagnetische-Feld“-Aktion gipfelt. Nebenbei bekommen wir aber auch ein wenig Einblick in die Strukturen der Others. Kann ja auch nicht schaden.

"Guten Abend, Guyliner!"

Gekonnt schwindelt sich Sawyer dabei in die Dharma Initiative hinein. Deren Chef, Horace Goodspeed, kann der die glaubhafte Geschichte des gestrandeten Expeditionsteams, welches die Black Rock suchte, auftischen. Dank des Verhandlungsgeschicks mit Richard Alpert schafft es Sawyer nebenbei auch noch, die Waffenruhe zwischen Dharma und den Hostiles aufrecht zuhalten und Richard mal wieder in der Besonderheit John Lockes bestätigen. Für Horace natürlich beeindruckend. Sawyer erkauft sich damit Zeit. Zeit, in der er hofft, dass John Locke auf die Insel zurückkommt, um alle zu retten. Hat er ja gesagt. Doch, wie es nun halt mal so ist… aus den ursprünglich zwei Wochen werden drei Jahre, in der sich Sawyer, Miles, Jin und Juliet bestens bei der Dharma einleben. Gut, außer Daniel, aber der ist seit Charlottes Tod besessen davon, etwas zu verändern und ist deshalb zur Festlandeinrichtung von Dharma gegangen, um zu forschen. Der Rest ist dageblieben und lebt ein beschauliches Leben in dieser netten, kleinen Forschungskommune, die irgendwie auch bissel was von einem Woodstock für Wissenschaftler hat. Love, Peace & Science! Alles easy in Dharmaville. Sawyer hat zwar seinen ursprünglichen Auftrag noch nicht vergessen und lässt Jin tapfer jeden Tag die Insel Quadratzentimeter für Quadratzentimeter durchsuchen, in der Hoffnung irgendwen zu finden. Miles arbeitet ebenfalls beim Sicherheitsdienst und Juliet hat sich der Kfz-Mechanik zugewendet. Warum auch nicht? Viel schöner ist die Tatsache, dass die zarte Liebe zwischen ihr und James in den letzten 3 Jahren aufgeblüht ist und beide nun ein wunderbares Pärchen darstellen. Viel besser als alles, was Kate und Sawyer je waren.

Ärger im Anmarsch

Zusammen leben sie auf dieser beschaulichen Insel, trotz gelegentlichen Verstimmungen mit den Einheimischen. Und so ist Sawyer nicht mehr der verbitterte, zynische Sawyer von früher und auch nicht mehr unbedingt James Ford. Er ist jetzt Jim LeFleur! Ruhig, ausgeglichen, verliebt in Juliet. Und Head Of Security bei der Dharma. Und ein Eindruck macht sich in dieser kleinen Dharma Welt sofort breit… denen geht’s ganz gut. Klar, Jin vermisst seine Sun, aber die soll ja nach seinem Wunsch eh nicht zurück zur Insel kommen, also hat er sich vielleicht auch damit abgefunden. Sawyer und Juliet sind glücklich miteinander. Gerade Sawyer, der Horace im Männergespräch offenbart, dass er sich eigentlich gar nicht mehr an Kate erinnert und mit dem Kapitel abgeschlossen hat. Man glaubt es James sogar. Hier will ganz klar niemand gerettet werden, denn eigentlich sind alle ganz happy. Doch wie immer, wenn so ein Zustand bei LOST erreicht ist, wird er nicht lange halten. Denn die Serie lebt ja vom Konflikt und so ist die Skepsis natürlich groß, als am Ende der Folge Jin verkündet, dass er Jack, Kate und Hurley wieder aufgegabelt hat. Allein der Kate/Sawyer-Blick am Ende. Da stöhnt man als Zuschauer doch schon wieder laut auf, weil diese Frau sicher wieder alles kaputtmachen wird. Und Jack erst! Nein, Wiedersehensfreude sieht anders aus. Die Oceanic Six sind, zumindest teilweise, zurück, weil man ihnen gesagt hat, es sei ihr Schicksal und sie müssten alle anderen retten. Doch sie wurden von Mrs. Hawking ausgetrickst. Es ist nur teilweise ihr Schicksal und gerettet muss hier gar keiner werden. So ist es für den Zuschauer natürlich spannend, wie alle Beteiligten mit dieser neuen Situation umgehen werden.


Am Ende eines tragischen Lebens

27/10/2009

5×07 – The Life And Death Of Jeremy Bentham

Jacob's Widersacher übernimmt . . .

Hier ist sie also nun. Die Folge, welche den tragischen Off-Island-Trip von John Locke zeigt, die folge in der er stirbt… und damit ist es, mittlerweile wissen wir es ja, anscheinend wirklich das Ende von John Locke, wie wir ihn kennen. Natürlich ist die Anfangsszene der Folge ein ziemlicher Knaller. Denn da sehen wir John putzmunter unter den Überlebenden des Fluges 316 sitzen. Ursprünglich war diese Sequenz sogar als Startsequenz der 5. Staffel geplant. Hätte was für sich gehabt, weil man sich natürlich fragt, wer Caesar und Ilana sind, wo sie da nach Dharma-Unterlagen suchen und welches Flugzeug da abgestürzt ist und warum Locke wieder lebt. Aber auch als Intro in dieser Folge funktioniert das ganz gut. Locke ist trotzdem tot. Tot ist tot, wie wir wissen. Und natürlich ist jedem klar, dass dieser Locke, der am Anfang Richtung Hauptinsel schaut nicht DER John Locke ist, den wir kennen. Das wird in den nächsten Folgen noch deutlicher werden. Locke 2.0 ist wesentlich abgeklärter, komplett in sich ruhend, erstaunlich souverän ohne einige der bekannten Schwächen des Vorgängers. Und ihm ist vieles auch wesentlich egaler, als frühren, denn nur so kann er durch die Gegend laufen und erzählen, dass er eigentlich tot war. Jacob’s Nemesis hat sein Ziel erreicht und Locke übernommen. Damit vollendet er einen Plan, welchen er schon seit Jahrzehnten gehegt hat. Locke war die tragische Figur in diesem Spiel. Die Spielfigur wieder Willen… und seine ganze Tragik zeigt sich auch in dieser Reise, die er indem Moment antritt, als er das lustige Zeitrad dreht.

Locke gerät zwischen die Fronten

Er endet, wie schon Ben damals, beim offiziellen Ausgang in der tunesischen Wüste, Knochenbruch inklusive. Die Überwachungskameras waren vermutlich auch schon bei Ben da, aber wir haben sie damals nicht gesehen. Immerhin wusste Widmore ja schon, dass Ben damals von der Insel runter ist. Oder hat er sie jetzt erst gebaut? Egal, sie sind da und das ist der Glücksfall für den verwundeten Locke. So gehört natürlich Charles Widmore zu den ersten Krankenbesuchern und lässt uns mal wieder im Glauben, der seit auf der guten Seite. Ein Verwirrspiel, mit dem wir immer noch zu kämpfen haben. Widmore setzt sich, genauso wie sein Gegenspieler Ben, dafür ein, dass Locke wieder auf die Insel zurückmuss. Inklusive der Oceanic Six versteht sich. Die Idee ist dabei sicher nicht auf Charles’ Mist gewachsen. Hat ihm Eloise Bescheid gesagt? Oder vielleicht der Nemesis höchstpersönlich? Immerhin braucht der ja Locke’s Körper. Vielleicht hätte Widmore Locke am Ende, sobald die Oceanic Six überzeugt worden wären, auch getötet, so übernimmt Ben diesen Job. Dass er dazu fähig ist, dürfte ja außer Frage stellen. Das „Warum“ steht trotzdem im Raum. Denn Ben wirkt sichtlich bemüht darum, Locke am Leben zu lassen. Er hat ja, wie immer, „work to do“. Doch mit der Erwähnung von Eloise Hawkings Namen schaltet bei Ben etwas um. In diesem Moment ist er dazu fähig, Locke kaltblütig umzubringen, obwohl er eine Minute vorher noch auf ihn angewiesen war. Vielleicht war dies das fehlende Puzzleteil. Ben wusste, dass alle Oceanic Six-Mitglieder zurück müssen, aber er wusste nicht, wie er dies schaffen und die Insel finden sollte. Eloise’s Name wirkt trotzdem bei ihm vertraut, doch scheint Ben überrascht zu sein, dass gerade sie der Schlüssel für den Weg zurück ist. Aber ihr Verhältnis ist eh noch nicht ganz klar. Dennoch verliert Locke in diesem Moment seinen Wert. Und Jacob’s Nemesis bekommt seinen Wirtskörper. Den hätte er notfalls auch ohne Ben’s Hilfe bekommen, denn Locke war letztendlich soweit, sich für die Insel zu opfern. Genauso, wie es ihm Richard gesagt hatte. Und der hat seine Infos ja direkt vom falschen Locke. Clevere Zeitschleife. Locke ist am Ende einsam, verzweifelt und perspektivlos. Kein großer Anführer, nix mit „special“… eine tragische Figur am Ende ihrer Kräfte und ohne Ausweg.

"Also, ihr müsst wieder zurück. Ich weiß nicht wieso, aber es ist halt so. Die Insel hat mich auserwählt usw."

Bereits bei seinen Besuchen der Oceanic Six wird dies deutlich. Er ist auf der Insel so von sich und seinen Fähigkeiten überzeugt, weil es ihn ja von der ganzen Welt eingeredet wurde, dass das Zurückbringen der Oceanic Six für ihn ein Kinderspiel sein würde. Doch abseits der Insel ist der nicht mehr der große Führer Locke; er ist Jeremy Bentham, einsam an den Rollstuhl gefesselt, abseits der Wunderinsel. Wie früher sozusagen. Und hier hat Locke keine Stärke, keinen Weg und vor allem, keine schlagkräftigen Argumente. Sayid? Der bereut trotz Nadias Tod keinen Moment außerhalb der Insel und hat vorübergehend Frieden in der Sozialarbeit gefunden. Sun? Wird nicht gefragt. Hurley? Halbwegs bereit, aber er misstraut Matthew Abbadon, jener einst mysteriösen Figur, die sich nur als schicksalsgläubiger Chauffeur von Widmore entpuppt. Kate genießt noch ihr Familienglück mit Aaron und Jack ist zwar mittlerweile auch recht labil, aber noch zu sehr der alte Jack, um sich auf Locke einzulassen. Zwischendurch schaut er auch mal bei Walt nach dem Rechten, aber er sieht schon ein, dass es wenig Sinn macht, ihn zurückzuholen.

Ben hilft beim Selbstmord etwas nach

Locke hinterlässt bei keinem der Zurückgekehrten einen besonders guten Eindruck. Was soll er ihnen auch erzählen? „Kommt zurück auf die mysteriöse Insel voller Gefahren, Tod usw.“? Natürlich macht Locke auf alle den Eindruck eines einsamen, alten Mannes, der außerhalb der Insel nichts hat. Denn genauso ist es ja auch. Er hat keine Familie mehr, seine Freundin Helen ist gestorben und auch sonst kann man seine Freunde an einer Hand abzählen. Und es reicht halt nicht, um die schicksalsresistenten Oceanic Six zu überzeugen. Wer hätte das auch ernsthaft erwartet? Die ganze Tragik von Locke wird deutlich. Ein Mann, der vermutlich nie wirklich besonders war, sondern dem dies letztendlich immer eingeredet wurde. Er selber hat 1954 dafür ja den Startschuss bei Richard gegeben. Für die Others ist er die Erlösung, selbst der ehemals mächtige Benjamin Linus ist an ihm auf der Insel gescheitert und auch Widmore und Hawking betonen seine Rolle noch einmal. Er muss dies denken, denn nur so kann er sich selber in die Position reden, Jack und Co. auf die Insel zurückzuholen. Doch er muss letztendlich erkennen, dass er die Weisheit einfach nicht mit Löffeln gefressen hat. In seinem Rollstuhl, ohne Messer und Dschungel ist Locke nichts wert, auf der Insel ist er das nur, weil es Jacob’s Nemesis so will. Wo man hinsieht: kein Ausweg aus der Tragik. Sicher, vielleicht kommt da noch was in Staffel 6, aber andererseits ist er tot. Nicht wirklich, weil der „Man In Black“ ihn anscheinend recht gut kopieren kann, wie er es schon mit Christian Shephard getan hat. Er schafft ein exaktes Abbild und übernimmt dabei sogar noch große Teile der Erinnerung der Toten, behält aber sein Wissen. Und die andere Leiche existiert natürlich weiter. Wo liegt dann nur die von Christian Shephard? Dessen Sarg war ja damals bekanntlich leer? Locke’s Leiche wird dem falschen Locke in der nächsten Staffel sicher noch zum Verhängnis. Als Figur wird der glatzköpfige Mann aus der Kartonfabrik aber immer einer der Besten dieser Serie sein und sei es nur, um seine Manipulierbarkeit und die damit verbundene Tragik zu symbolisieren.  Locke ist tot, lang lebe Locke!


Ein geplantes Déjà-vu

25/10/2009

5×06 – 316

Lange wurde sie angekündigt, aber am Ende ging es doch recht schnell und unkompliziert. Die Rede ist von der Rückkehr der Oceanic Six auf die Insel. Denn obwohl sich die einzelnen Mitglieder noch kurz vorher mit Ben am Bootssteg treffen, trennen sich ihre Wege auch ruckzuck wieder und wer hätte gedacht, dass sie alle nur einen Tag später alle im selben Flugzeug sitzen und zurück zur Insel fliegen. Gut, bis auf Aaron, aber der soll ja angeblich auch nicht wieder zurück. Natürlich fragt sich der Zuschauer da, wie genau all die Personen zurückkommen, denn wir erfahren nur die Perspektive von Jack und ein wenig Sun.

Vertrautes Erwachen

Vertrautes Erwachen

Die Folge beginnt natürlich mit einem tollen Déjà-vu, nämlich dem Aufwachen von Jack im Dschungel, welcher optisch natürlich stark an die Eröffnungsszene der Serie erinnert. Inklusive gleicher Musik und Bambuswald. Doch natürlich ist diesmal einiges anders. Rückblickend erfahren wir, wie es dazu gekommen ist. Wir beginnen bei Mrs. Hawking und der Lambpost, welche der Dharma Initiative dazu diente, die Insel überhaupt zu finden. Jetzt frag ich mich aber, warum Mr. Widmore so händeringend nach der Insel sucht, wenn es dort so bequem möglich ist? Vermutlich hat ihm seine Ex-Angetraute genau diesen Faktor verschwiegen. Interessante Sache. Die Station liegt also auf einer großen elektromagnetischen Quelle, die natürlich zufälligerweise in Los Angeles ist und sie kann mithilfe eines mysteriösen Pendels, ein paar Dutzend guter, alter Computer aus den 70ern und zig mathematischer Gleichungen die Lage der Insel finden. Denn diese ist, wie wir hier erfahren, keinesfalls immer fest. Die Insel ist in ständiger Bewegung, was beispielsweise auch den Absturz des nigerianischen Drogenflugzeugs erklären könnte. In welcher Regelmäßigkeit sich die Insel bewegt bleibt dabei Unklar. Ich meine, Charles Widmore muss sich ja schon recht sicher gewesen sein, wenn er einen Frachter hinschickt. Nicht, dass die Insel auf einmal vor seinen Augen verschwindet. Also irgendwie reimt sich diese „Die-Insel-springt-die-ganze-Zeit-durch-Raum-und-Zeit“-Geschichte noch nicht wirklich für mich zusammen. Da könnte man in der finalen Staffel noch mal nachhaken. Ob Sun und Jack das kapiert haben, sei mal dahingestellt. Fragen werden eh nicht gestellt. Jack will zurück, weil er nirgends anders hin kann und Sun will Jin retten. Versteht sich. Also müssen wir Eloise’s Erklärungen vorerst mal so hinnehmen.

Und wer bezahlt den Flug?

Und wer bezahlt den Flug?

Diese ominöse Dharma Station sagt also den Zeitpunkt voraus, wenn und wo die Insel im Jahr 2007 erscheint. Deshalb ist der Ajira Airlines Flug 316 für die Oceanic Six geplant und vermutlich arbeiten Eloise und Ben deshalb zusammen, unwissend, dass Jacob und Widmore ja ebenfalls tatkräftig mithelfen. Es ist durchaus möglich, dass Ben erst durch Locke’s finale Worte vor dem Mord über Eloise Hawking erfahren hat oder dass er schon etwas wusste. Die beiden scheinen sich ja durchaus schon einmal begegnet zu sein. Desmond hingegen will, verständlicherweise, mit all dem Mist nix zu tun haben und liefert fleißig seine Botschaft ab, bevor er wieder verschwindet. Allerdings ist Mrs. Hawking’s Aussage, dass die Insel noch nicht mit ihm fertig ist sicher eine gewisse Wahrheit beinhalten, wenngleich ich Des natürlich seinen Frieden gönnen würde.

Kein Kommentar zu Sayids lila Hemd an dieser Stelle

Kein Kommentar zu Sayids lila Hemd an dieser Stelle

Doch mit dem alleinigen Flugticketbuchen ist es natürlich nicht getan, wie uns Eloise im Anschluss verrät. Die Umstände von Flug 815 müssen so gut es geht rekonstruiert werden. Warum eigentlich? Kann vielleicht nur so der Man in Black Locke’s Körper übernehmen? Was uns zwangsläufig zur Frage führt, auf welcher Seite Eloise Hawking eigentlich steht? Jacob? Nemesis? Oder ihre eigene? Widmore wirkt für mich eher so, als ob er auf der Seite von Jacob’s Gegenspieler steht. Ist Eloise deshalb automatisch auf Jacob’s Seite? Hmmm, aber vermutlich ist sie diejenige, welche Ben gesagt hat, dass die Oceanic Six unbedingt auf die Insel zurückkehren müssen. Hmmm, irgendwie tappe ich da ein wenig im Dunkeln. Während sich Jack anfangs noch dagegen wehrt, spielt er später ja Eloise’s kleines Spiel mit und gibt John die Schuhe seines toten Vaters, damit wenigstens ein Teil von Christian Shephard dabei ist. Vielleicht hätte er Locke’s Leiche doch lieber ein paar weiße Turnschuhe anziehen sollen, wie bei seinem Vater. Wer weiß. Seinen letzten Abend außerhalb der Insel verbringt Jack dann noch in relativer Intimität mit Kate, die uns natürlich erst einmal im Unwissen lässt, was aus Aaron geworden ist. Und Jack wird natürlich mit dem Versprechen, dass sie mitfliegt, zum Schweigen gebracht. Oh, und mit Sex, wenn ich das richtig sehe. Toll, Kate… wieder einmal ein vollkommen unverständlicher Schachzug. Aber darüber wundert man sich ja inzwischen nicht mehr. Am nächsten Morgen ruft Ben erst einmal an, der nach dem Mordversuch an Penny Widmore ein wenig indisponiert ist und bittet Jack, Locke’s Leiche abzuholen. Am Flughafen treffen sich natürlich alle wieder. Sun, Kate und Jack sind da und wenig später ist auch Hurley anzutreffen, der seine Reisepläne von Jacob höchstpersönlich bekommen hat. Und auch Sayid ist, an Handschellen gekettet durch Jacobs Helfershelferin Ilana an Bord gekommen. Ben checkt auch noch in letzter Minute ein und nimmt damit eigentlich Hurleys Rolle aus dem Originalflug ein.

Franks Schicht wird heut etwas länger dauern

Franks Schicht wird heut etwas länger dauern

Hurley hingegen hat Jacobs Gitarrenkoffer dabei, dessen Inhalt sicher noch wichtig wird, und dessen Besitz ihn zu „Charlie“ in diesem Flug macht. Sayid hingegen nimmt Kates Rolle als Gefangener ein. Sun? Hmmm, vielleicht Rose, die allein abgestürzt ist, während Bernard auf der Toilette war? Könnte sein. Aber welche Rolle spielt Kate bei der Rekonstruktion? Hat Jack sie vielleicht am Vorabend noch geschwängert, damit sie Claires Rolle einnimmt? Ist ja alles möglich. Auf jeden Fall sollte mir mal jemand erklären, was es mit dieser 1:1-Rekonstruktionidee von Eloise so auf sich hat. Fakt ist, dass es am Ende tatsächlich alle auf denselben Flug geschafft haben. Wenn Locke das sehen könnte. Späte Genugtuung für ihn. Und natürlich ist es auch kein Zufall, dass der Pilot dieses Schicksalsfluges Frank Lapidus heißt, dem natürlich auf wunderbar trockene Art und Weise sofort klar wird, dass das eigentliche Reiseziel, Guam, nicht erreicht wird. Lapidus ist vermutlich an Bord, weil er a) eh Flug 815 hätte fliegen sollen b) die Insel damals mit den Oceanic Six nie hätte verlassen sollen und c) ein gottverdammter Superpilot ist, welcher als einziger Flug 316 sicher auf der eigens dafür errichteten Landebahn landen kann. Anscheinend hat Jacob auch noch Pläne mit ihm. Und woher wissen überhaupt Jacobs Leute Ilana, Bram und Co., dass sie auf diesen Flug müssen?

Die entspannten 70er sind vorbei

Die entspannten 70er sind vorbei

Ihre Geschichte liegt ja sowieso noch relativ im Dunkeln. Am Ende werden die Oceanic Six per Flash aus dem Flugzeug gebeamt, zumindest teilweise, und landen auf der Insel. Vermutlich handelt es sich bei diesem Flash um Locke’s finales Raddrehen. Die Folge endet damit, dass Hurley, Jack und Kate von Jin gefunden werden, welcher im nagelneuen Dharma-Van und im Dharma-Trainingsanzug vorgefahren kommt. Wir ahnen bereits, dass da beim Zeitreisen einiges schief gelaufen sein muss. Die Off-Insel-Handlung der Oceanic Six ist damit nun erstmal beendet und wir stürzen uns in die 70er Jahre, welche nicht unbedingt weniger problematisch sind.


Zeitreise-Nebenwirkungen

24/10/2009

5×05 – This Place Is Death

Keine Krankenversicherung

Keine Krankenversicherung

Trotz ihrer lebensbedrohenden Art und Weise haben die spontanen Zeitreisen der Inselbewohner auch durchaus ihre praktischen Seiten. Zumindest für den Zuschauer. Wie sonst hätten wir also Danielle Rousseaus Backgroundstory erleben können, wo sie doch bereits in der letzten Staffel das Zeitliche gesegnet hat. So erwachte ein sichtlich verwirrter Jin in der letzten Folge in Mitten des gestrandeten französischen Forschungsteam um Rousseau, welche damals noch schwanger war und weit weniger ausgeflippt als 16 Jahre später. Na ja, kann man ihr ja schwer verübeln. Jin, der die letzten Stunden bewusstlos im Ozean trieb, reiht nun in seinem Kopf die Puzzelstücke zusammen und erkennt, dass er im Jahr 1988 gelandet ist. Er heftet sich an die Fersen des Teams, welches bereits kurze Zeit später Kontakt mit dem Rauchmonster machen muss. Und wir alle wissen schon durch Rousseaus spätere Erzählungen, was jetzt passieren muss. Montand looses his freaking arm und wird von Smokey in die Tempelruinen gezogen.

Unfairer Kampf

Unfairer Kampf

Dort findet dann bekanntermaßen, der immer noch nicht ganz geklärte Prozess des „Bekehrens“ statt, bei welchem die Bekehrten zu willigen Inseldienern werden. Montand lockt danach erst einmal seine Kollegen in die Falle, wobei Jin noch die Kontinuität der Inselgeschichte retten kann, indem er Rousseau davon abhält, ihrem Team zu folgen, bevor er selber durch einen Flash verschwindet. Natürlich will es der dramaturgische Zufall so, dass Jin genau zwei Monate später wieder erscheint und dort Zeuge wird, wie die hochschwangere Rousseau ihren einst geliebten Robert kaltblütig umbringt, nachdem der Rest des „infizierten“ Teams bereits dran glauben musste. Wir reden dabei von keiner klassischen Krankheit, wie wir viele Staffeln lang dachten, sondern erfahren, dass die Krankheit die Bekehrung durch Smokey oder eine andere Macht im Tempel ist, die Robert anscheinend mal eben kaltblütig seine eigene Freundin umbringen lässt… hätte die nicht dessen Waffe manipuliert und eher abgedrückt. Durch sein spontanes Verschwinden damals ist Jin natürlich gleich das nächste Opfer für Danielle, doch er kann rechtzeitig fliehen und ein weiterer Flash beendet diesen Abschnitt, der recht spannend war.

Ben muss seine Reisepläne umdisponieren

Ben muss seine Reisepläne umdisponieren

Gleichzeitig konfrontiert Jin’s Frau Sun Benjamin Linus im L.A. des Jahres 2007 und ist bereit den Knopf zu drücken, da sie ihn verantwortlich für den angeblichen Tod ihres Mannes macht. Technisch gesehen ist er das sogar, doch Ben kann seinen letzten Trumpf ausspielen und Sun überzeugen, sich ihm anzuschließen, um ihr zu beweisen, dass Jin doch lebt. Sayid und Kate haben in der Zwischenzeit erstmal die Schnauze voll von der ganzen „Back To The Island“-Geschichte, so dass Bens Truppe ein wenig schrumpft. Auf dem Weg zu Mrs. Hawking, die als Lösung für alle Probleme herhalten muss, platzt Ben auch mal kurz der Kragen, denn er hat ja schon einiges investiert, um die Oceanic Six wieder zu vereinen. Und wie dankt man es ihm? Ts, ts, ts… Desmond ist mittlerweile auch bei Mrs. Hawking angelangt, was sich natürlich für Bens Rachepläne gegenüber Widmore’s Tochter Penny als nützlich erweisen sollte. So unterschiedliche Fraktionen es auch im Konflikt um die Insel gibt und so wenig wir über ihre Konstellationen wissen, so einig sind sich doch letztendlich alle, dass die Oceanic Six wieder auf die Insel müssen. Mrs. Hawking sagt, es sei Schicksal und auch Widmore unterstützt die Sache. Ben hat sie sowieso auf ihrer Seite. Und der „Man In Black“ bekräftigt in Form von Christian Shephard auf der Insel auch noch mal, dass alle zurückmüssen. Gegenspieler Jacob hilft natürlich auch nach, indem er Hurley und durch Ilanas Hilfe auch Sayid wieder an Bord von Flug 316 bringt. Wenigstens hier ziehen alle mal am gleichen Strang. Warum auch immer.

Always remember: No Chocolate Before Dinner!

Always remember: No Chocolate Before Dinner!

Denn mit Wissenschaft hat das Zurückbringen der Oceanic Six recht wenig zu tun, dass muss auf der Insel sogar Faraday erkennen. Inzwischen ist Jin zur Truppe hinzu gestoßen und gemeinsam macht man sich auf den Weg zur Orchid, wo Locke die Flashes beenden möchte. Die Zeit wird knapp, denn die Zeitsprünge kommen immer schneller und unberechenbarer und sie sorgen dafür, dass die Gehirne unserer Protagonisten ordentlich durcheinander geschüttelt werden. Am schlimmsten trifft es Charlotte, welche ja am längsten Zeit auf der Insel verbracht hat, aber mittlerweile sind alle von Nasenbluten und Mörder-Migräne betroffen. So stirbt Charlotte letztendlich tragischerweise in den Armen ihres Verehrers Daniel, welcher hilflos mit zusehen muss, wie sie langsam davon gleitet. Kurz vor ihrem Tod offenbart sie Dan noch ihre halbe Lebensgeschichte mit dem nicht zu unterschätzenden Fakt, dass Daniel ihr schon als Kind begegnet ist und sie warnte, je zurückzukommen. Und schon steht Daniel vor der Frage, ob er dies verhindern kann oder sich seinem Schicksal ergeben muss. Unterdessen erreicht der Rest der Gang die Orchid und Locke ist bereit, sich wiederum seinem Schicksal zu ergeben und hinab zum Frozen Donkey Wheel zu klettern. Vorher muss er allerdings noch Jin versprechen, dass er Sun nie wieder zurückbringt.

Auf zum finalen Auftrag

Auf zum finalen Auftrag

Der Ehering soll die Lüge besiegeln. Locke willigt ein und klettert den Brunnen herunter, an dessen Ende die Lösung liegen soll. Ein weiterer Flash lässt Locke in den tiefen Schacht fallen und den Brunnen verschwinden. Würde mich nicht wundern, wenn das Seil, welches anschließend im Boden steckt später überhaupt der Anlass dafür ist, den Brunnen zu bauen. Zufälle gibt’s in dieser Serie ja bekanntlich wenig. In der Tiefe windet sich Locke vor Schmerzen eines Knochenbruchs. In dem Moment, wo er mal wieder verloren und auf sich gestellt scheint, kommt natürlich Jack’s Geisterdad um die Ecke und erklärt die Situation. Ben hat das Rad aus Achse gerissen und somit die Flashes verursacht. Werden wir je erfahren, ob er dies absichtlich getan hat? Man weiß es nicht… Es war ja, wie wir erfahren, eh nie seine Aufgabe gewesen… Locke sollte das Rad von Anfang an betätigen, denn er muss ja von der Insel runter, um als Leiche wiederzukommen, damit er Jacob’s Nemesis als Wirt dient. Und ich geh ja nach wie vor davon aus, dass Locke’s Vorgänger in diesem Fall natürlich Christian Shephard ist, so dass hier der „Man In Black“ die Befehle gibt und sicher nicht umsonst so verschmilzt grinst, als Locke am Ende das Rad betätigt und somit seine letzte Reise anbricht. Alles läuft nach Plan für Jacob’s Mörder. Vorerst.


Business As Unusual

23/10/2009

5×04 – The Little Prince

Kate und Jack auf Spurensuche

Kate und Jack auf Spurensuche

Nachdem wir die Oceanic Six in der letzten Folge ein wenig außen vor gelassen haben, werden wir nun wieder in die dramatischen Entwicklungen dieses zerstrittenen Sextetts hineingezogen. Insbesondere Kate steht im Mittelpunkt dieser Folge, was natürlich wieder zu kollektivem Stöhnen führt, wenngleich es nicht aus lustvollen Gründen passiert. Aber gut, so schlimm ist diese Kate-Folge auch nicht, außer dass sie zeigt, dass Kate nun auch endgültig Angst hat und ihre heile Oceanic-Six-Welt auseinander bricht. Die Anwälte wollen Aaron und wissen sozusagen Bescheid über die Lüge, nur wir wissen die ganze Folge nicht, wer die Anwälte denn eigentlich geschickt hat. Claires Mutter? Fehlanzeige? Sun etwa, deren Absichten nicht wirklich erkennbar sind? Unwahrscheinlich. Am Ende ist es dann doch Benjamin Linus, wie immer. Und wir erkennen nun, dass er es war, welcher die Fäden in den letzten Folgen gezogen hat. Er hetzt auch Killer auf Sayid, um diesen Angst einzujagen oder notfalls unter Gewalt auf die Insel zu bringen. Man weiß es nicht genau. Ben will die Oceanic Six an Bord haben und hat für jeden von ihnen einen Plan, um dies zu gewährleisten. Doch auch Ben legt wenig wert darauf, dass Aaron mit an Bord kommt. Weiß er etwa mehr? Am Ende hat er es immerhin geschafft 3 der Oceanic Six am Pier zu vereinigen. Hurley soll in den nächsten Stunden auch noch dank Bens Anwalt hinzukommen, Locke’s Leiche liegt im Schlachterhaus und Sun hat er unwissentlich auch noch angelockt, doch für die hat er ja noch Jins Ehering in der Jackentasche. Immer abgesichert der gute Ben.

Gut gezielt

Gut gezielt

Unterdessen geht auf der Insel alles seinen gewohnt ungewohnten Gang. Die Zeitreisenden leiden unter den Flashes, Charlotte am deutlichsten, weil sie die meiste Zeit auf der Insel verbracht hat. Daniel erklärt uns das Phänomen mal wieder gewohnt unverständlich. Das Gehirn kann also immer schwerer zwischen den Zeiten unterscheiden. Vielleicht es auch das Universum, welches sich hier selber korrigiert… wer weiß das schon. Charlotte ist die erste, weil als Kind jahrelang auf der Insel lebte und Miles ist der nächste, weil er als Baby schon mal ein paar Monate hier war. Am Ende der Folge erwischt es Juliet und so wird klar, dass die Lage einfach mal verdammt ernst ist. Locke fasst den Plan, deshalb zur Orchid zurückzugehen und da genau dasselbe zu machen, was Ben gemacht hat, um die Insel zu verlassen und die Zeitsprünge zu stoppen. Vorher schauen wir noch mal kurz im Jahr 2004 vorbei, wo zumindest Sawyer, Locke und Juliet für ein paar Stunden zeitgleich auf der Insel zu finden sind. Als Sawyer per Zufall aus der Ferne sieht, wie Kate Claire bei der Geburt hilft, ist dies ein emotionaler Moment. Er hätte sich bemerkbar machen können, aber es ging nicht. Was geschehen ist, ist geschehen.

Jemand hat seinen Pfand vergessen

Jemand hat seinen Pfand vergessen

Man kann das auch Kurskorrektur nennen in diesem Fall, aber es ist auch die Entwicklung der Figur Sawyer, die wir erkennen. Vielleicht ist die Sache mit Kate in diesem Fall für ihn vorbei und erledigt. James Ford erkennt, dass es keinen Sinn mehr macht, etwas zu verändern, was ihn später noch zum erbitterten Gegner der erklärten Variable Jack Shephard machen wird. Nach einem weiteren Flash landet die ganze Truppe in der nahen Zukunft, vermutlich irgendwann im Handlungszeitraum von Staffel 6, denn das Beach Camp ist verweist und die Boote der Hydra-Insel sind auch schon da, inklusive Ajira Airlines-Verweis. Und als man gemeinsam losrudert, um schneller zu Orchid zu gelangen, wird man auch noch von einem anderen Boot aus der Ferne attackiert. Diese Szene werden wir wohl mit 99%iger Wahrscheinlichkeit in der finalen Staffel noch mal aus Sicht des angreifenden Bootes erleben dürfen. Bin gespannt, wer da so schussfreudig ist.

Jin, komplett neben der Spur

Jin, komplett neben der Spur

Der finale Flash dieser Folge befördert alle zusammen in eine stürmische Nacht im Jahr 1988. Und natürlich ist es genau jene stürmische Nacht, in der das französische Forschungsteam um Danielle Rousseau auf die Insel kommt. Und die sacken ganz nebenbei noch Jin ein, der tatsächlich noch lebt. Seit einigen Tagen treibt er nun schon bewusstlos und dehydriert durch den Ozean und weiß vermutlich noch gar nichts von seinem Zeitreise-Schicksal. Überraschend ist das Überleben von Jin nicht wirklich, aber trotzdem schön anzusehen. Auch die Tatsache, dass er nun beim Team von Danielle Rousseau gelandet ist, macht Lust auf die nächste Folge, denn nun wird klar, wie die Macher ihrer Geschichte erzählen wollen, nachdem sie bereits in der Gegenwart gestorben ist. Und natürlich erinnert sich die 2004er Rousseau nicht mehr an Jin aus den 80ern. Es ist ja auch schwer, sich an jemand zu erinnern, der nur mal kurz Teil des Teams war und dann immer wieder per Flash verschwand. Außerdem ist Rousseau eh ein wenig in den nächsten Jahren durchgedreht. Doch mehr dazu, wie gesagt, in der nächsten Folge.