Alles geschieht aus einem Grund

15/11/2009

Ein paar Gedanken angesichts des Endes meines Re-Watchs

poster

Fast ein halbes Jahr hat er gedauert, mein persönlicher Re-Watch von LOST. Eine durchaus spannende Angelegenheit, die mir auch ein paar neue Sichtweisen auf die Serie gebracht hat. Sicher, dass gute alte Gefühl des ersten Schauens wird sowieso nie wiederkommen. Aber man erinnert sich an einige WTF-Momente der Serie gern zurück. Der erste Auftritt der Others, als sie Walt entführen oder der berühmte Staffelstart mit Desmond im Bunker. Auch sind es natürlich einzelne Folgen, wie eben Desmonds erste Zeitreiseerfahrungen in „Flashes Before Your Eyes“ oder „The Constant“, die einem damals den Mund offen haben stehen lassen. Oder Charlie’s „Greatest Hits“, die mich immer noch zum Weinen bringen können. Oder längst vergessene Folgen, wie die berühmte Folge, als Bernard das riesige „S.O.S“-Zeichen bastelt. Auch ist es natürlich interessant die Entwicklung der Serie und ihre Veränderung noch mal von Anfang an zu betrachten. Denn es ist schon beeindruckend, wie viel Füllfolgen man in den ersten drei Staffeln hat und wie wenig da teilweise in der Gesamthandlung geschieht. So ist natürlich der Anfang der Serie speziell der Vorstellung der Charaktere gewidmet, was damals noch unglaublich interessant war, aber jetzt, wo man die Figuren jahrelang begleitet hat, nicht mehr wirklich interessant ist. Aber es ist interessant die Entwicklung dieser Figuren zu sehen. Leute, wie Sayid oder Anführer Jack, die zu Beginn der Serie die souveränsten Figuren waren und jetzt zum Ende der 5. Staffel verzweifelt sind und alles verloren haben. James „Sawyer“ Ford ist da das umgekehrte Beispiel. Er ist einen langen Weg gegangen und hat seine Dämonen am Ende besiegen können. Und Kate? Nun ja, die ist und bleibt halt Kate. Aber es sind auch die Überraschungen und die Täuschungen in diesen Figuren. Dachten wir jahrelang, Locke wäre etwas Besonderes, so stellt sich am Ende heraus, dass er nur ein Spielzeug für Jacocb’s Gegenspieler war und er vermutlich nie das war, was er zu sein schien. Auch macht der einst so furchterregende Benjamin Linus die Entwicklung hin zum gebrochenen Mann, dessen Glaube an die Insel ihm alles genommen hat.

Absturzkunst - by Eric Tan

LOST hat eine interessante Art und Weise, sich mit jeder Staffel weiterzuentwickeln und in der Betrachtung der Insel immer ein Stück hinauszuzoomen. Zu Beginn waren es nur die Abgestürzten des Fluges 815, dann kamen die mysteriösen Others hinzu, welche am Ende gar nicht mehr so mysteriös waren. Gleiches gilt auch für die Dharma Initiative. Und Puzzleteil für Puzzleteil bekommen wir mit, wie der Konflikt zwischen Ben und Widmore am Ende auch nur innerhalb des uralten Konflikts zwischen Jacob und dem noch namenlosen Mann in Schwarz geschieht. Und wer weiß, was darüber hinaus noch so geht. Diese immer größere Umgebung von LOST ist gleichzeitig auch der Grund für die starke Veränderung der Serie, die einem besonders bewusst wird, wenn man sich eben alles hintereinander anschaut. Während die ersten drei Staffeln diesbezüglich noch eine relativ ähnliche Atmosphäre versprühen, ist der Wechsel ab der 4. Staffel überdeutlich. Die Serie schaltet langsam aber sicher verstärkter in den Antwort-Modus und versucht halt viele Dinge zu erklären, welche eine lange Zeit im Dunkeln lagen. Besonders bei der umstrittenen fünften Staffel mit den Zeitreisen wird dies deutlich. Doch LOST brauchte halt auch diese Richtung, denn nach all den Jahren will man halt auch endlich einmal wissen, was denn nun so genau das Besondere an dieser verrückten Insel ist. Es ist immer schade, wenn man aufhört im Dunkeln zu tappen, aber gerade ich bin dann durchaus so’n Typ, der gern alle Details wissen will. Insgesamt hat die Serie eine spannende Entwicklung gemacht und ich habe viele Charaktere ins Herz geschlossen und mit ihnen mit gelitten. Das schaffen sonst nur wenige bis keine TV-Serien, weshalb LOST da einen besonderen Status einnimmt… ohne Frage. Der Wert und das Vergnügen, welches das aktive Mitverfolgen in den letzten fast fünf Jahren bereitet ist sowieso bereits jetzt unbezahlbar… und da wird bei der finalen Staffel sicher auch nicht mehr viel schief gehen. Dazu hab ich mittlerweile zu viel Vertrauen in die Serienschöpfer Damon Lindeloff und Carlton Cuse. Sicher, da ist auch mal was schief gegangen in den letzten Jahren. Das Nikki/Paolo-Problem genauso wie die Sache mit Libby und der Tatsache, dass man sich den Numbers und Walt anschließend nicht mehr so wirklich gewidmet hat. Andererseits soll man ja den Tag auch nicht vorm Abend loben bzw. kritisieren. Es gilt ja noch, ein paar offene Fragen zu beantworten. Auf jeden Fall war es ein kurzweiliger, spannender Re-Watch und es hat mir viel Spass gemacht, meine Gedanken der Welt hier mitzuteilen. An dieser Stelle einen herzlichsten Dank an all die Leute, die das sogar gelesen haben und Comments hinterlassen haben und an all die, von denen ich weiß, dass sie’s gelesen haben ohne es zu kommentieren. Vielen Dank, ihr lasst das Ganze wesentlich weniger sinnlos erscheinen ;-)

Und natürlich möchte ich gleichzeitig betonen, dass der Blog jetzt NICHT gleich dichtmachen wird. Warum auch? Es gibt ja noch besagte letzte Staffel, welche ich hier auf jeden Fall live mitverfolgen werde. Bis dahin gibt’s hier immer mal ein paar Infos und Trailer zu Staffel 6. So gut es allerdings geht, ohne die Welt gleich voll zu spoilern. Ich selber versuch nämlich auch nicht alle Infos und Drehberichte zu lesen um sich wenigstens noch den Hauch Spannung zu bewahren, den es braucht, um LOST zu genießen. Und vielleicht werde ich mich, nach einer kleinen Pause auch mal den 14 Folgen der ersten Staffel widmen, welche ich hier noch nicht detailliert angeschaut habe widmen, um am Ende ein besseres Gesamtbild zu erhalten. Das wird dann sozusagen der Re-Re-Watch… man darf gespannt sein.


„It Only Ends Once…“

14/11/2009

5×16 / 5×17 – The Incident

Es kann nur einen geben!

Hier ist er nun also, der vorläufige Schlusspunkt von fünf Staffeln LOST. Das diesjährige Staffelfinale öffnet gleich zu Beginn eine neue Ebene in der Inselhintergrundgeschichte, indem es uns erstmals den leibhaftigen Jacob zeigt. Statt eines alten, weisen Mannes präsentiert sich uns ein nicht so alter Rotschopf, der im Fuß der ehemaligen Statue wohnt und seine Freizeit mit Teppichwebereien und Fisch-essen verbringt. Doch so ganz natürlich ist das auch nicht. So sitzt Jacob seelenruhig am Strand und verfolgt gelassen die Ankunft der Black Rock, welche er selber angelockt hat. Wie auch immer er das macht. Aber er macht es. Das weiß sein Gegenüber, der Mann in Schwarz, dessen Namen wir noch nicht kennen, genau. Und er freut sich weniger über die neuen Gäste, als Jacob. Sie kommen, sie zerstören, sie verderben. Immer das gleiche mit diesen Gästen! Für Jacob ist das alles nur ein weiterer Schritt in einer Entwicklung. Glaubt er an das Gute im Menschen? An den freien Willen sozusagen? Immerhin entsteht der Eindruck in dieser Folge. Sein Nemesis scheint anderer Meinung zu sein. Ich glaube nicht, dass er Smokey ist, aber er hat sicher was mit dem Rauchmonster zu tun. Und dieses beurteilt Menschen ja gern mal nach ihrer Vergangenheit und richtet danach. Vielleicht sind dies die beiden Positionen, die sich gegenüberstehen. Der Pessimist und der Optimist in Sachen Menschen. Man kann das Spiel der beiden Kontrahenten nur erahnen und Staffel 6 wird da die Aufklärung bringen müssen. Töten können sich beide wohl nicht, aber es sieht aus, als hätte Jacob zu diesem Zeitpunkt, im 19. Jahrhundert die Oberhand. Vielleicht kann sein Gegenspieler fremde Gestalten annehmen und die Gestalt in der wir ihn zu Beginn der Folge sehen ist auch nicht seine Ursprüngliche, aber anscheinend ist es ihm in diesen Gestalten nicht möglich, Jacob direkt umzubringen. Warum auch immer. Vielleicht wurde er ja verbannt und nun ist nur sein Geist am Werkeln. Doch er plant bereits seine Rache. Jacob nimmt’s gelassen.

Hauptsache der Gitarrenkoffer kommt mit!

Ein paar Jahrhunderte später hat Jacob’s Gegenspieler sein Ziel fast erreicht. Er hat die Gestalt von John Locke angenommen und sich somit als Chef der Others in die Position gebracht, von Richard den Aufenthalt von Jacob zu erfahren. Dies ist meiner Meinung nach der seltsamste Punkt in der Gleichung? Wenn er Jacob im 19. Jahrhundert bei exakt diesem Zuhause besucht, warum muss er jetzt Richard fragen, wo es liegt? Macht wenig Sinn, es sei denn, das mit dem Fuß als Wohnung wäre auch ihm neu. Na ja, Schwamm drüber. Die Drecksarbeit kann Locke 2.0 aber nicht erledigen, dass muss Ben tun. Immerhin hat ihm das Rauchmonster ja befohlen, Lockes Worten bedingungslos zu folgen. Welch Zufall, oder nicht? Theoretisch hat Ben aber auch allen Grund dazu, wütend auf Jacob zu sein. Er tat alles für die Insel, konnte Jacob aber nicht einmal sehen, Locke hingegen schon. Was Ben nicht weiß, ist dass die Heiligsprechung des John Locke ein geschickter Plan von Jacob’s Nemesis und teilweise Locke selber war, denn höchstwahrscheinlich war Locke nie richtig spezial, sondern nur ein geeigneter „Wirt“ für den Mann in Schwarz. Im Prinzip läuft für den erstmal alles nach Plan. Richard führt sie zur Statue, da drin finden sie Jacob, Ben wird wütend und bringt Jacob um. Ziel erreicht für den Gegenspieler. Wenn, ja, wenn Jacob nicht darauf gefasst gewesen wäre. Er wirkt erstaunlich gelassen angesichts seines nahenden Todes, den er am Ende sogar provoziert.

"Auch du, Brutus?"

„Sie kommen“ sind seine letzten Worte und diese machen Locke 2.0 mehr als nervös. Es wird klar: Jacob hat noch ein paar Trümpfe im Ärmel. Zum einen wären dass seine Off-Island-Others, wie Ilana und Bram. Erste wird exklusiv beauftragt, Jacob zu helfen. Man kennt sich also bereits. Im Schlepptau haben Ilana und Co. noch Frank, welcher als „Kandidat“ gehandelt wird. Für was? Hmm, vielleicht gibt Lapidus einen guten Other ab. Wird sicher noch mehr von ihm in Staffel 6 zu sehen geben. Der Auftrag lautet wohl, den Inhalt der Box, die Leiche des echten John Locke, bei Richard abzuliefern. In der alten Hütte ist Jacob nicht, schon lange nicht mehr, was den Verdacht nahe legt, dass da zuletzt sogar der Mann in Schwarz drin hauste. Immerhin sahen wir auch Christian Shephard da drin. Die Hütte wird abgefackelt und anschließend geht’s Richtung Statue, wo den sichtlich erstaunten Others um Richard und Sun die Leiche von Locke präsentiert wird.

Locke 1.0

Damit ist die Tarnung von Locke 2.0 aufgeflogen. War Ilana der entscheidende Trumpf oder sind es die Losties, welche Jacob in unterschiedlichen Phasen ihres Lebens besucht hat? Jack, Kate, Locke, Hurley, Sayid, James, sowie Sun und Jin. Alle haben Jacob schon mal getroffen und noch wichtiger: alle hat er schon einmal berührt. Bei seinem Zusammentreffen mit Locke kurz nach dessen schweren Sturz aus dem Hochhaus wirkt es fast so, als hätte Jacob ihn zurück ins Leben geholt. Sayid hat er bspw. vorm Tod gerettet und Hurley hat er zum Flug 316 überredet inkl. dem mysteriösen Gitarrenkoffer, der mit hoher Wahrscheinlichkeit noch wichtig wird. Wie groß Jacob’s Einfluss war und was sein lang gehegter Gegenplan zu seinem Nemesis ist, wissen wir an dieser Stelle noch nicht. Dass die Losties dabei eine essentielle Rolle spielen, steht außer Frage.

Die stecken, wie wir ja wissen, mehrheitlich in den 70ern fest. Dort hat es sich Jack bekanntlich zur Lebensaufgabe gemacht, die ersten 5 Staffeln der Serie ungeschehen zu machen, indem er den drohenden Zwischenfall an der Swan mit einer Wasserstoffbombe aufhält. Oder verursacht er ihn am Ende dadurch erst? Miles’ Einwurf an dieser Stelle ist entscheidend? Bisher galt stets „Whatever Happened, Happened“ im LOST-Universum. Ist Jack die entscheidende Variable, dies zu verändern oder ist er nur eine weitere Konstante? Darum geht es. Jack ist überzeugt, kann die Bombe am Ende aus Dharmaville hinausschmuggeln, obwohl Sayid dabei lebensbedrohlich verletzt wird. Hurley und der Dharma-Van kommen zu Hilfe und fügen sich Jack’s Plan. Einer will sich nicht fügen, und zwar Sawyer.

"Easy! Jetzt macht doch hier mal alle nich so'n Stress!"

Erst als Juliet umschwenkt und sich auf Jack’s Seite schlägt, macht James mit. Es geht immer um die Frauen. Juliet hat Angst vor Kate und ihrer Vergangenheit mit James und will sich nicht das Herz brechen lassen. Jack hingegen hat das von Kate vor langer Zeit gebrochen und hofft nun, dass er durch den Reset alles ungeschehen machen kann. Dabei könnte es doch so viel einfacher sein, wenn alle nur mal miteinander reden würden. Fragt doch mal Rose und Bernard. Die feiern in dieser Folge ein wundervolles Comeback, nachdem wir erfahren, dass sie sich aufs Altenteil zurückgezogen haben. Rose und Bernard sind das gute Gewissen, welches dieser Serie häufig mit all ihren zwischenmenschlichen Dramen fehlt. Zwei Menschen, die sich lieben und mit all dem Scheiß da draußen nichts zu tun haben wollen. Es tut gut, diese beiden noch mal zu sehen, wie sie ihre Frieden gefunden haben. Ihre rührenden Hippie-Worte gehören definitiv zu den Highlights dieses Finales. Ein würdiger Abschied toller Nebencharaktere, was aber nicht heißt, dass wir sie am Ende nicht doch noch irgendwie wieder sehen werden. Danach ist erstmal Schluss mit Liebe. James konfrontiert den entschlossenen Jack zu einem echten Männergespräch. Dass sich Jack von seinen Plänen nicht abbringen lässt, geht James gehörig gegen den Strich, also müssen die Fäuste sprechen. Was denkt sich dieser irre Doktor eigentlich? Spaziert einfach so in James’ neues Leben und wirbelt alles durcheinander. Letztendlich kann Juliet die beiden Streithähne trennen, auch sie James ihren Meinungsumschwung eingestehen muss. So kommt es zum ultimativen Showdown an der Swan-Baustelle. Dort ist ein fanatischer Radzinsky dabei seine Vision von der Kontrolle des Elektromagnetismus um jeden Preis zu erfüllen.

Der Moment der Wahrheit

Dr. Cheng, eigentlich einer der Guten, kann ihn leider nicht aufhalten. Zuerst macht sich Jack samt „Jughead“ allein auf den Weg, doch als die ersten Kugeln fliegen kommt ihm der Rest der Truppe zur Hilfe. Live Togehter, Die Alone… alter Hut! So können Jack, James und Konsorten die Dharma außer Gefecht setzen und Jack ist der Erfüllung seines Schicksals ganz nahe. Er lässt die Bombe fallen, es kommt zum finalen Blickaustausch zwischen ihm und Kate, sowie James und Juliet. Die Bombe fällt und fällt… und nichts passiert! Zumindest keine Detonation. Im Gegenteil, jetzt beginnt der Elektromagnetismus erst richtig zu wirken und zieht alle Gegenstände ins Innere der Insel. Ein paar der Dharma-Leute können fliehen, Dr. Cheng verliert vermutlich in diesem Zusammenhang seinen Arm, auch wenn Sohn Miles Schlimmeres verhindern kann. Der Rest ist angesichts der elektromagnetischen Kräfte wehrlos. Als Juliet schließlich in den Schlund gezogen wird, erreicht das Ganze den dramaturgischen Höhepunkte. Die letzten Momente zwischen ihr und James, bevor sie in die Tiefe gezogen wird, sind ungeheuer bewegend und zeigen Sawyer von einer neuen Seite. Doch all die Liebe nützt nichts, am Ende lässt Juliet los und hinterlässt die Anderen fassungs- und machtlos angesichts der Geschehnisse. Dabei ist es Juliet welche evtl. das Zünglein an der Waage ist und „Whatever Happened, Happened“ irrelevant erscheinen lassen kann. Denn wer hätte geahnt, dass sie den Sturz überlebt, wenn auch schwer verletzt, und genau neben dem Kern von „Jughead“ aufwacht.

Nuclear Power!

Also nimmt sie mit letzter Kraft einen Stein und schlägt auf die Bombe ein. Bis sie augenscheinlich explodiert… weißer Bildschirm, Staffelende. Vielleicht das frustrierenste von allen bisher, aber auch das spannendste in Sachen Ausblick. Denn nun ist alles möglich. Reset oder nicht? Haben die Losties ihr eigenes Schicksal geändert? Hat Jacob’s Nemesis gewonnen? Hat sich das Universum selbst korrigiert oder gleich selbst zerstört? Die finale Staffel Anfang 2010 wird uns darüber hoffentlich genug Antworten geben.


Das Ziel zum Greifen nahe

13/11/2009

5×15 – Follow The Leader

Gemeinsames Ziel, unterschiedliche Gründe

Hach, wie die Zeit vergeht. Wir bewegen uns mal wieder straight auf ein Staffelfinale zu und erfahrungsgemäß ist die Folge vorher ja immer jene, welche den Zuschauer darauf bestens vorbereitet. Man gibt den Spannungsbogen vor, stellt die zentralen Elemente vor und verteilt die Figuren möglichst weit voneinander entfernt an unterschiedlichen Plätzen auf der Insel. So ist das einleitende Kaptitel des Staffel-5-Finales ein direkter Anschluss an die letzte Folge. Jack und Kate beobachten Daniels tragischen Tod aus sicherer Entfernung, nur um kurz darauf von Charles Widmore persönlich gefangen genommen zu werden. Der würde am liebsten kurzen Prozess mit dem Dharma-Pack machen, doch Dauer-Geliebte (oder auch nicht, so sicher ist man sich da ja nicht) Eloise ist von Daniels Geschichte überzeugt. Zurecht, denn sie erinnert sich an 1954, als sich Daniel vor ihren Augen als Zeitreisender outete, nur um gleich darauf auch wieder zu verschwinden. Und jetzt hat sie ihren eigenen Sohn, mit dem sie gerade schwanger ist, umgebracht. Starker Tobak! Also muss Jack auch wenig Überzeugungsarbeit leisten, als er Eloise von Daniels Vorhaben erzählt, die geplante Energiebefreiung an der Swan mit der Wasserstoffbombe „Jughead“ zu neutralisieren. Denn für Jack steht nun fest, dass dies sein Schicksal ist. Der Grund, warum er in den 70ern gelandet ist. Er hat endlich wieder die Chance, etwas Großes zu vollbringen und alles ungeschehen zu machen. Die kompletten letzten drei Jahre seines Lebens. Inklusive aller Tragik, besonders bei der Beziehung zu Kate. Die ist allerdings wenig begeistert von Jack’s Kamikaze-Aktion und macht ihm deutlich, dass sie ihm auf diesem Feldzug seines Schicksals ausnahmsweise mal nicht folgen kann. Na ja, die wird ihre Meinung ja noch ändern.

Atomkraft? Ja, Bitte!

Mit dem ebenfalls recht lebensmüden Sayid gesellt sich noch ein weiter Mitstreiter zu Jack, Eloise und Richard, der irgendwie die ganze Zeit keine Ahnung hat, was er da überhaupt macht, aber dessen Job es ja bekanntermaßen ist bedingungslos seinen Anführern zu folgen. Das Ziel heißt „Jughead“ und diese wurde natürlich passenderweise im alten Tunnelsystem unter Dharmaville abgestellt. Zwar weiß noch keiner der Beteiligten, wie er das schwere Geschütz Richtung Swan-Baustelle bekommen soll, aber sie sind überzeugt. Aus unterschiedlichen Gründen. Jack will endlich sein verdammtes Schicksal erfüllen, Sayid hat nichts zu verlieren und Eloise will ihren Sohn lebend haben. Wobei natürlich die Frage ist, ob die Zeitschleife bei ihr schon längst am Laufen ist, d.h. sie Daniel immer zur Insel schicken wird oder ob sie diesmal durchbrochen wird. Die übrigen Losties kämpfen mit eigenen Problemen. Miles, Jin und Hurley sind auf sich selbst gestellt, können aber Dr. Cheng überzeugen, die Evakuierung der Insel anzuleiern. Auch, weil Hurley sein Zeitreisealibi nicht wirklich bekräftigen kann.

Ungeliebte Reisegesellschaft

Sawyer und Juliet verfolgen einen eigenen Plan. Nach ein wenig eigenwilliger Folter durch die Fieslinge Phil und Radzinsky willigt man ein, zu kooperieren, wenn man denn ins Evakuierungs-U-Boot steigen darf. Gesagt, getan. Juliet und James sind bereit ein neues Leben in der Außenwelt anzufangen. Und man gönnt es den beiden von ganzem Herzen. Von mir aus hätte dies das Ende von James’ Geschichte sein können. Er hat sein Glück gefunden und ist bereit die Insel endlich hinter sich zu lassen. Doch dann kommt wie immer das Worst-Case-Szenario und Kate landet ebenfalls im U-Boot. Juliets Gesichtsausdruck spiegelt wohl hier das allgemeine Zuschauerbefinden wieder. Die ungeliebte Nebenbuhlerin, die immer dazwischenkommt, wenn eigentlich alles gut läuft… kennt man ja von früher, wenngleich sich James diesmal nicht wirklich drauf einlässt. Aber so ist Kate an Bord und allerhand Konfliktpotential fürs Finale gegeben.

Perfekte Infiltrierung

Im zweiten Handlungsstrang, irgendwann 2007 auf der Insel ist das Ziel der jahrhundertelangen Ambitionen von Jaocb’s Gegenspieler zum Greifen nahe. Selbstbewusst marschiert er in Person von John Locke ins Camp der Others, verblüfft damit Richard zusehens und zettelt gleich mal eine Revolution der bestehenden Gesetze an. Vorher muss er allerdings noch seine eigens geschaffene Zeitschleife aktivieren und Richard so beauftragen, dem alten Locke den berühmten Kompass zu geben und Locke 1.0 auf seine Reise zu schicken. Und hier erkennen wir mal wieder die Genialität des Masterplans vom „Man In Black“. Dachten wir damals am Anfang der Staffel noch, Richard hätte irgendeinen Masterplan, erfahren wir diesmal, dass es Jacob’s Gegenspieler war, welcher die Anweisung gab, notfalls zu sterben, um alle zu retten. Doch Locke 2.0 ist nicht mal ansatzweise daran interessiert, die Losties aus den 70ern zurückzuholen bzw. Sun zu helfen. Nein, im Gegenteil: Hier geht es eigens und allein um seinen Rachefeldzug gegen Jacob, deshalb motiviert er die Others auch, sich mit ihm unverzüglich auf den Weg zu jenem mysteriösen Mann zu machen. Prinzipiell macht das ja auch irgendwie Sinn. Da ist diese sektenartige Gruppe von Menschen auf der Insel, die seit Dekaden den Weisungen und Befehlen eines weisen Anführers folgt, welcher sich ihnen noch nie gezeigt hat, sondern nur über Befehle seines persönlichen Pressesprechers Richard Alpert kommuniziert.

Er macht jetzt hier die Gesetze

Ben hat ihn noch nie persönlich gesehen und ob Charles es vor ihm getan hat, mag auch bezweifelt werden. Warum folgen diese Leute Jacob dennoch bedingungslos? Wie hat er sich einen so guten Ruf erarbeiten können? Über die Gründungsgeschichte der Others und ihr Verhältnis zu Jacob sollte in der finalen Staffel definitiv noch etwas gesagt werden. So ist die Revolution, welche Locke 2.0 anzettelt eigentlich gar nicht mal so verwunderlich. Könnte ja zu seinem neuen Führungsstil gehören, auch wenn Ben und Richard damit keinesfalls einverstanden sind. Der wirkliche Knaller kommt dann, als Jacob’s Nemesis Ben beim Aufbruch der Pilgerreise das wahre Ziel eben dieser offenbart: Jacob muss sterben! Spätestens hier dürfte klar sein, dass dies wirklich nicht der John Locke ist, den wir 5 Staffeln lang kennen gelernt haben. Hier ist ein Mann, der nur ein einziges Ziel verfolgt, um jeden Preis. Warum und wieso steht noch in den Sternen.


Opferbereitschaft

11/11/2009

5×14 – The Variable

Mama hat große Pläne für die Zukunft...

Jene, die wirklich an die Insel glauben, sind bereit alles für diese zu tun. Haben wir ja in der Vergangenheit schon öfters gesehen. Mrs. Klugh von den Others hat sich freiwillig erschießen lassen, Mr. Widmore hat ein ganzes Flugzeugwrack gefakt und damit seine Portokasse mehr als belastet. Und Locke hat sich letztendlich selber umbringen wollen, wenngleich es am Ende Ben machen musste. Einige der Others erweisen sich also als äußerst aufopferungsvoll. Eloise Hawking macht da keine Ausnahme. Sie muss eine der schwersten Bürden tragen. Sie bringt einen Sohn auf die Welt, von dem sie weiß, dass sie ihn später mal selber umbringen wird. Bzw. umbringen muss, denn so war es schon immer im Jahr 1977 vorgesehen, doch die Frage ist natürlich… wenn man all dieses Wissen hat, würde man dann genauso handeln? Daniels Auftauchen in den 70ern war vielleicht nicht unbedingt vorgesehen, aber es ist geschehen und der überraschende Mord von Eloise an ihm, gegen Ende der Folge war auch nicht geplant, doch als sie hinterher erfährt, dass Daniel ihr Sohn ist, fällt es ihr wie Schuppen von den Augen. Seitdem Daniel damals in den 50ern bei den Others aufgetaucht ist, hat dieses Zusammentreffen bei Eloise Eindruck hinterlassen, denn sie erklärt sich in den nächsten Jahren wohl zur erklärten Zeitpolizisten, welche zumindest über einige Dinge mehr weiß, als andere.

... und Papa sowieso

So verlässt sie, nachdem sie dies alles weiß, irgendwann Ende der 70er die Insel, verlässt somit auch Charles, wenn nicht gar was anderes passiert ist und drückt Daniel seitdem in sein Schicksal rein, ob er will oder nicht. Daniel muss dieser Superphysiker werden, der später auf die Insel und in die 70er reist, damit dass eintreten kann, was schon immer eingetreten ist. Dafür opfert Eloise eine gute Beziehung zu ihrem Sohn, sowie dieser sein Privatleben und sämtliche anderen Interessen. Es schadet ihm sogar gesundheitlich, denn in dieser Folge erfahren wir, dass die Zeitreiseexperimente sein Gedächtnis beschädigt haben und er deshalb zu Beginn der 4. Staffel etwas konfus war. Doch die Insel soll ihn heilen, das sagt zumindest sein Förderer, weil Vater, Charles Widmore, welcher ihn auf seinen Frachter bringt. Natürlich auch wegen Dan’s Gesundheit, aber sicher auch, weil er, genau wie Eloise weiß, dass Daniel zurückreißen muss um zu sterben. Sowohl Eloise, als auch Charles sind bereit alles für den großen Konflikt zu opfern. Koste es, was es wolle. Und so ist Eloise’s Job, nicht nur bei Daniel, sondern auch bei Desmond oder den Oceanic Six immer gewesen, die Leute auf ihren Weg zu bringen, ihr Schicksal zu erfüllen. Daniel musste zurück um zu sterben, Desmond, weil er Lug 815 abstürzen ließ, Jack, weil Eloise ihn später in den 70ern trifft. Doch die entscheidende Frage ist natürlich die ob „whatever happened“ auch wirklich „happened“.

Die Party ist vorbei...

Hier sieht Sohnemann Daniel Faraday bei seiner überstürzten Wiederkehr ins Dharma-Dorf 1977 einige Dinge anders. Die Frage ist natürlich, was Daniel so außerhalb der Insel getrieben hat. Nachforschungen in der Festlandzentrale von Dharma vermutlich. Und so kommt er zurück, um Dinge zu verändern. Jack und Co. sind nicht hier, weil es ihr Schicksal ist, soviel weiß Dan vermutlich mittlerweile über seine Mutter… die inszinierte Rückkehr dient nur der Erfüllung von Eloise’s eigenen Zielen. Zwar lässt sich die Vergangenheit nicht mehr ändern, doch was, wenn es Ausnahmen gibt, wie eben unsere Zeitreisenden, die aktiv in das Geschehen eingreifen können. Die Frage stellt sich der Zuschauer ebenfalls in der Folge. Kann man es doch ändern? Vielleicht hätte man Daniel mal von den Geschehnissen um Klein-Ben erzählen sollen. Denn was passiert ist, scheint wohl doch schon immer passiert zu sein. So kann Daniel am Ende seinen Tod ebenfalls nicht verhindern. In dem Moment, wo er von seiner Mutter erschossen wird und in ihre Augen sieht, hat er die Erkenntnis, dass er falsch lag und es anscheinend eine höhere Macht gibt, die Kurskorrektur des Universums, die ein Eingreifen in die Zeitlinie verhindert. Eigentlich hätte ihm das klar sein müssen, doch die Frage ist auch, woher Dan’s Umschwenken kommt? Vielleicht handelt er hier nach langer Zeit mal wieder nach seinem Herzen und nicht seinem mathematischen Verstand. All der Wahnsinn, welcher in den letzten Jahren passiert ist, besonders Charlottes Tod und vielleicht auch neue Erkenntnisse über seine Mutter, haben Daniel verändert. Er ist nicht mehr bereit, sich seinen Weg vom Universum oder seine Mutter vorgeben zu lassen, er will etwas verändern, weil er sich all das Mitleid ersparen will.

Let's Change The Future!!!

Und so kommt er zurück, versetzt alle in Aufregung und will die Wasserstoffbombe der Others in die Baustelle der Swan Station werfen. Denn wie wir jetzt erfahren, findet der berühmt berüchtigte Zwischenfall an diesem Nachmittag statt. Die Folgen sind bekannt und werden von Dan auch noch mal ausgeführt. Jack und Kate hören gespannt zu. Ist das die Möglichkeit, alles zu ändern? Flug 815 stürzt nie ab? Für Jack macht’s in dem Moment wohl „Klick“ in der Birne. Ist dies der Grund warum sie in den 70ern sind? Schicksal und so? Die Tarnung der Oceanic Six ist eh aufgeflogen, auch LaFleur und Juliet müssen dies schmerzlich Erfahren. Das süße Leben in den 70ern ist vorbei. Doch kann „Jughead“ wirklich alles ungeschehen machen und die elektromagnetische Energie im Swan neutralisieren. Zweifel daran dürften berechtigt sein. Doch auch hier ist halt wieder Anfangsfrage entscheidend. Wie würde man mit all dem Wissen im Hinterkopf handeln? Kann man Dinge bewusst verändern? Daniel war davon überzeugt, war aber am Ende nur ein weiterer Spielball im großen Konflitk von Widmore, seiner Mutter, sowie Jacob und seinem Nemesis. Er wurde geopfert, wie auch andere geopfert werden musste. Doch zu welchem Preis und mit welchem Ziel? Wir werden das hoffentlich in der finalen Staffel erfahren. Solange trauer ich persönlich ein wenig um den Verlust eines so sympathischen Charakters, wie Daniel Faraday. Schade eigentlich, aber das war halt sein Weg. „Whatever Happened, Happened“ gilt nach wie vor, doch Jack ist da anderer Meinung und wird Faradays Weg weiter gehen.


Harte Schale, weicher Kern

10/11/2009

5×13 – Some Like It Hoth

Fashionsünden der 90er?

Something about Miles. Bisher eher als zynischer Grummler bekannt, der mit den Toten sprechen kann, bekommen wir diesmal endlich einen Einblick in seine Biographie und seine Figur, die zeigt, dass hinter der zynischen Schale auch ein sensibler Kern steckt. Miles ist nämlich alles andere als begeistert von seinen Fähigkeiten, welche er als kleines Kind entdeckt. Seine Mutter kann ihm auch nicht weiterhelfen. Informationen über seinen Vater gibt sie nicht, geschweige denn über Miles’ Herkunft. Doch die benötigt er so dringend, denn natürlich reiht sich Miles nahtlos in die unzähligen LOST-Charaktere ein, die Probleme mit ihren Vätern haben. Es dauert eine ganze Weile, bis er sich damit abfindet, abstumpft und aus seiner Fähigkeit, die Toten zu hören, Kapital schlägt und sich fortan als zynischer Geisterjäger ordentlich Kohle dazu verdient. Das reicht natürlich nur vorübergehend, wie Bram feststellt. Oh ja, Bram… außerhalb der Insel scheint Miles auch von großem Interesse für die beiden Inselparteien zu sein. Widmore will ihn natürlich auf seinem Frachter haben und bietet ihm deshalb eine lächerlich hohe Summe Geld an, während Bram, den wir jetzt mal den Others um Jacob zuordnen, Miles vor Widmore warnt und ihn auf seiner Seite haben will, damit auch er bald erkennt, was im Schatten der Statue liegt. Miles entscheidet sich natürlich fürs Geld und stimmt der Reise zu. Will Charles Widmore ihn wirklich nur wegen seiner Fähigkeiten auf der Insel haben oder steckt da etwas mehr dahinter? Vielleicht auch Kurskorrektur? Daniel wird ja aus exakt diesen Gründen ebenfalls zurückgeschickt. Man weiß es nicht.

Who you gonna call?

Am Ende landet Miles auf der Insel und in den 70ern, wo er in diesen turbulenten Tagen um die Rückkehr der Oceanic Six von Horace mal eben mit einem Spezialauftrag versehen wird. Miles überführt eine Leiche von Radzinsky zu Horace und dann noch mal zu Dr. Cheng. Warum eigentlich dieser Umweg? Na ja, auch egal. Fakt ist, dass wir als findige Zuschauer sowieso längst geahnt haben, dass Miles der Sohn von Dr. Cheng ist. Lag irgendwie auf der Hand, muss ich sagen. Und das Miles seine Fähigkeiten von der mysteriösen Insel hat, ist auch nicht so verwunderlich. Doch Miles ist nicht gut auf seinen Dad zu sprechen, immerhin hat seine Frau ihn später vor deren Sohn nie gut dastehen lassen. Im Prinzip will Miles mit Daddy nix zu tun haben, wenn… Ja, wenn da nicht Hurley wär, der diese Folge nach langer Zeit mal wieder zu einem sehr witzigen, lockeren Erlebnis macht. „Whatever Happened, Happened“ war für Hurley eh nie ein Thema, weshalb er natürlich als liebenswerter Sympathiebär dafür sorgt, dass Miles und Cheng sich besser kennen lernen, was natürlich zu sehr witzigen Fahrten im Dharma-Van führt. So entdecken beide auch, dass die Ursache für den Tod der Leiche dessen eigene Füllung war, welche ihm aus den Zähnen heraus durch den Kopf geschossen ist. Und schon ahnen wir: Elektromagnetismus! Und wenn man das bei LOST sagt, muss man gleichzeitig, gerade in der Dharma-Zeit, auch „Swan Station“ sagen.

Dr. Cheng kann auch nett sein

Und so werden wir Zeuge des Baus jener verhängnisvollen Station, welche später den Absturz von Oceanic Flug 815 verursachen sollte. Ein sehr bizarrer Moment, als Hurley das Einstampfen der berühmten Zahlen auf die Hatch Tür beobachtet. Doch die Swan soll erst Thema der nächsten Folgen werden. In Dharma Ville scheinen die Tage von LaFleur und Juliet gezählt zu sein. Nachdem Klein-Ben zwecks Krankenbehandlung bei den Others gelassen wurde, gerät Juliet vor dessen wütendem Vater Roger in Erklärungsnot. Und kaum lobe ich Kate mal für einige ihrer Handlungen, macht sie schon wieder einen entscheidenden Fehler und spricht mit Roger, welcher gleich wieder verdacht schöpft. Ich dachte, Kate wäre eine gute Lügnerin? Für Sawyer wird die Luft natürlich eng. Besonders, als dessen Mitarbeiter Phil später am Abend an dessen Tür klopft und das Videoüberwachungsband in der Hand hält, welches James und Kate bei der Entführung von Ben zeigt. Damit bröckelt die Tarnung und da Sawyer auf die Schnelle keine weitere Lüge einfällt, müssen halt die Fäuste sprechen. Phil wird außer Gefecht gesetzt, doch dass macht die Sache in keinster Weise einfacher. Doch noch kurz zurück zu Miles, der seinen Arbeitstag mit Hurley beendet, welcher ihm noch ein paar nerdige Star-Wars-Tipps auf den Weg gibt. Generell ist die Idee, das Hurley während der Folge sein eigenes Drehbuch zu „Das Imperium schlägt zurück“ natürlich herzallerliebst und eine eindeutige Liebeserklärung der LOST-Macher an die Sci-Fi-Trilogie.

Der Anfang allen Schlamassels

Da wünscht man sich doch glatt, dass Hurley wirklich die Ewoks verhindert hätte. Und doch symbolisiert Hurleys Bestreben einen interessanten Aspekt, nämlich die Tatsache, dass man sich nicht mit irgendwas abfinden sollte und die Chancen nutzen sollte, welche einem das Schicksal so bringt. Und Miles hat vom Schicksal die Chance bekommen, seinen Vater besser kennen zulernen. Als er am Ende der Folge sich selbst als Baby im Arm seines liebevollen Vaters betrachtet, wird Miles erstmals emotional und lässt erkennen, dass ihm doch einiges an diesem Mann liegt. Und vielleicht lässt sich ja doch etwas ändern, denn immerhin hat er ja die Möglichkeit jetzt genau vor seiner Nase. Und damit hätten wir auch schon das bestimmende Thema für den Rest der Staffel angeschnitten. Kann man vielleicht am Ende doch etwas ändern, ungeachtet aller Kurskorrektur? Am Ende der Folge begrüßt Miles den wiedergekehrten Daniel Faraday. Und der wird uns in der nächsten Folge ausführlich versuchen, uns davon zu überzeugen.


Die Zähmung des Benjamin Linus

07/11/2009

5×12 – Dead Is Dead

Zahltag für Benjamin Linus! Nach all den Betrügereien muss sich der ehemalige Anführer der Others nun dafür verantworten und über sich richten lassen. Und dass vor der Insel himself bzw. dem repräsentativen Richter und Henker, in Form der des Rauchmonsters. Ob er das ursprünglich so geplant hatte, sei mal dahin gestellt. Letztendlich ist das ganze nämlich nur eine Alibi-Lüge, die sich Ben in Rekordzeit hat einfallen lassen, als er vom eigentlich tot geglaubten John Locke geweckt wird. Ben hat sicher mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass ihn der Mann auf der Insel zurück begrüßt, den er eigenhändig getötet hat. Doch natürlich lässt sich Ben erstmal, wie immer nichts anmerken und spielt weiterhin den souveränen Ben. Dennoch nimmt es ihm Jacob’s Nemesis in Form von Locke 2.0 nicht wirklich ab. Ben muss also improvisieren und schauen, wie er Locke nun erneut loswird, ohne ihn dies aber gleich spüren zu lassen. Also intrigiert er erstmal etwas bei den Überlebenden von Ajira Flug 316, was allerdings auch wenig Erfolg hat. Locke 2.0 treibt Ben nämlich voran, sich Smokey zu stellen, wenngleich der natürlich wenig Lust drauf hat. Denn schnell wird klar, dass sich Ben nicht für die Rückkehr auf die Insel verantworten muss, sondern dafür, dass er damals seine eigene Tochter getötet hat. Und da muss man kein großes Genie sein, um zu erahnen, wie Smokeys Urteil ausfallen könnte.

Unfreiwillige Vaterschaft

In den sehr interessanten Rückblenden werden wieder einige Lücken in Ben’s Biographie gefüllt. So werden wir Zeuge seines ersten Zusammentreffens mit Charles Widmore, kurz nachdem Ben im Jahr 1977 von der Insel geheilt wurde und wir erfahren, wie sich das Verhältnis mit Widmore verschlechtert hat. Als Ben beauftragt wird, im Jahr 1988 Danielle Rousseau umzubringen, vermasselt er diesen Auftrag ein wenig, denn mit dem Baby hat er nicht gerechnet. So ist die Entführung von Alex eher eine Art Kurzschlussreaktion von Ben, zumal Rousseau ja bereits damals relativ matschig in der Birne war. Charles ist mit der Tatsache, dass Ben Alex ins Camp der Others bringt recht unzufrieden, doch töten will er sie auch nicht. Ben kann das sowieso nicht. Damals war er halt auch noch nicht so ein emotionaler Eisblock. Dennoch bleibt die Frage, ob es Alex bestimmt war zu sterben oder nicht. Auftrag von Jacob oder doch Willkür von Widmore? Irgendwann muss sich Ben entscheiden, zwischen der Insel und Alex. Das sagt ihm Widmore auch ein paar Jahre später, als dieser von Ben von der Insel verbannt wird. Gründe dafür scheinen wohl seine Außer-Insel-Aktivitäten zu sein. Das beinhaltet sowohl die Gründung von Widmore Industries, als auch die Tatsache, dass er Penny gezeugt hat.

I'll Be Back!

Widmore ist verbittert… zu Recht, doch er schwört bereits jetzt Rache, die er einige Jahre später auch bekommen sollte, als sein Söldnertrupp nämlich Alex kaltblütig tötet. Die Frage ist natürlich, ob Charles dafür einen expliziten Auftrag gegeben hat. Es ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass Ben es letztendlich selbst zu verantworten hat, dass Alex vor seinen Augen starb. Er hätte sich ergeben können und vielleicht wäre sie dann verschont geblieben, aber er hat es nicht getan, weil er nur an sich gedacht hat. Und diese Erkenntnis gewinnt Benjamin Linus jetzt langsam. Da hilft auch sein Rachefeldzug gegenüber Charles’ Tochter Penny nicht, welcher zum einen von Ben’s Mitgefühl (als dieser Pennys Sohn sieht) und zum anderen durch Desmonds Körpereinsatz, verhindert wird. Vermutlich erkennt Ben, dass das Töten von Penny keinen Unterschied gemacht hätte. Und wer weiß… vielleicht ist es am Ende doch irgendwie auch sein Wunsch, sich richten zu lassen. Vielleicht.

Ben - Ausnahmsweise ehrlich überrascht

Denn die Rückkehr auf die Insel hat Ben erstmal nichts gebracht. Seine Leute wollen ihn sicher nicht mehr und Hauptkonkurrent Locke ist auch wieder da. Und wenn ein eigentlich Toter plötzlich wieder auf der Insel rummarschiert, dann muss sich selbst ein Benjamin Linus eingestehen, dass Locke doch eher gewollt ist, als er selber. Zumal Locke 2.0 hat einfach diesen Wissensvorsprung hat, den der alte Locke nicht hatte. Zu jedem Zeitpunkt scheint Jacob’s Nemesis die Überhand zu haben. Er spielt sogar ein wenig mit Ben, wenngleich er es diesen nicht wissen lässt. Eine angenehme Überheblichkeit. Die lässt er auch, Frank und Sun spüren, als sie diese im verlassenen Dharma-Dörfchen treffen. Locke 2.0. gibt natürlich vor, er habe „einige Ideen“, wie er Sun und Jin wiedervereinen könnte. Aber ich glaub ihm genauso wenig, wie Frank, dem die Sache dann auch zu bunt wird und der sich wieder zurück zu seinen Überlebenden macht. Dort wird er allerdings schon von Ilana, Bram und ein paar anderen Jüngern von Jacob unfreundlich begrüßt. Mit ihnen natürlich die berühmte Kiste, von der wir ja mittlerweile wissen, wer drin liegt. Und dass es sich hierbei nicht um normale Fluggäste handelt, dürfte nun auch Lapidus schmerzhaft klar geworden sein. Locke hingegen geht seinen eigenen Weg.

Smokey in der Innenansicht

Christian Shephard hatte Sun und Frank aufgetragen, auf Locke zu warten. Wohl nur, weil beide ein und dieselbe „Person“ sind, nur dass sich Jacob’s Nemesis jetzt einen neuen Körper gesucht hat. In diesem gibt er zwar vor, Locke zu sein, aber eine gewisse Grundskepsis kann sich auch Sun nicht verkneifen. Da Smokey nicht zu Ben kommen will, gehen alle drei zu Smokey selber und zwar zum Tempel. So erhalten wir eine spannende Innenansicht in das alte Gemäuer und wir erleben Smokey mal wieder in hautnaher Action. Da steht er nun, Benjamin Linus. Ängstlich wird er von Smokey umhüllt, welcher ihm Bilder aus seiner Vergangenheit zeigt und ihn somit mit dem schlechten Verhältnis zu seiner Tochter konfrontiert, dass er sich irgendwie auch immer selbst verschuldet hat. Kurz bevor Smokey abzischt, manifestiert er sich noch einmal als Alex um den reumütigen Ben zu drohen. Dieser solle aufhören, Locke nach dem Leben trachten und ihm bedingungslos zu folgen. Ben willigt ein… um zu Überleben. Und so geschieht das eigentlich Unvorhersehbare… Smokey lässt Ben am Leben. Natürlich macht er das nur, weil er in irgendeiner Weise mit Jacob’s Nemesis kooperiert, welcher Ben natürlich benötigt, um seinen ultimativen Plan zu vollenden. Unter normalen Umständen hätte Ben nämlich keine Chance gehabt. Und so wirkt seine Läuterung am Ende der Folge erstmals erstaunlich ehrlich und aufrichtig. Die Insel hat Ben gezähmt. Er ist nun nicht mehr der Mann am Drücker, sondern folgt Locke, weshalb er von nun an zum Spielball in dessen kleiner privater Fehde mit Jacob wird. So lernt Ben am Ende auch einmal die andere Seite kennen.


Kate folgt ihrem Herzen

05/11/2009

5×11 – Whatever Happened, Happened

Wer diesen Blog regelmäßig verfolgt, der weiß, dass ich mich eigentlich sonst nicht mit ausgiebigen Kate-Bashing zurückhalte. Die allgemeine Unbeliebtheit der guten Frau bei den LOST-Fans lässt sich auch bei mir finden. Allerdings breche ich angesichts dieser Folge mal eine kleine Lanze für Mrs. Austen, denn ausnahmsweise wirken ihre Handlungen in dieser Folge, sowohl in den Flashbacks, als auch auf der Insel sogar mal höchst menschlich und nachvollziehbar. Erfährt dieser lange Zeit so eindimensionale Charakter vielleicht nun auch endlich eine Entwicklung? Wünschenswert wäre es natürlich für die Serie.

"Don't bring him back!"

So vervollständigen die Rückblenden endlich ein paar offene Stellen in ihrer Oceanic-Six-Biographie. Wir erfahren, dass sie Sawyers Wunsch nachgeht und sich mit dessen Ex Cassidy trifft und somit auch nach dessen Tochter Clementine Ausschau hält. Das schreit natürlich auch nach einigen intensiven Frauengesprächen und Cassidy sagt Kate zumindest, was eigentlich Sache ist. Da herrscht gutes Vertrauen, denn immerhin berichtet Kate mal eben von der ganzen Lüge, welche die Zurückgekehrten umgibt. Und so hört Cassidy auch zu, als Kate langsam zu der Erkenntnis kommt, dass sie nicht dazu bestimmt ist, Aarons Mutter zu sein. Und ein solches Eingeständnis ist bei der guten Frau ja nicht oft der Fall. So macht Cassidy Kate auch deutlich, das Aaron lediglich als Alibi diente, als emotionaler Ersatz für Sawyer, welchen sie hinter sich lassen musste. Denn Kate ist sicher vieles, nur keine Mutter. Zumindest keine Mutter für Klein-Aaron, also fasst sie einen Entschluss. Sie lässt Aaron bei Claire’s Mutter und geht zurück auf die Insel. Doch diesmal nicht, um Jack oder Sawyer abwechselnd hinterherzulaufen. Nein, sie will Claire finden und damit Aaron seine leibliche Mutter zurückgeben. „Every kid needs his mother“. Schlauer Satz, Mr. Linus und ein wirklich guter Schachzug von Kate. Von dem anschließenden Trauer-Bewältigungssex mit Jack mal wieder abgesehen. Und auch nach ihrer Rückkehr auf die Insel übt sich Kate in Mitmenschlichkeit und wird zum stärksten Führsprecher des verwundeten Benjamin Linus. Sie hilft Juliet, die um da Leben des kleinen Jungen kämpft.

Tritt die Course Correction schon ein?

Und das macht sie, trotz des Wissens über die spätere Entwicklung des Jungen. Der Rest der männlichen Losties macht wenig Anstalten, ihr zu helfen. Sawyer ist immer noch damit beschäftigt, seine heile LaFleur-Welt zu schützen, während Mörder Sayid auf und davon ist und Jack weigert sich, seiner Pflicht als Lebensretter nachzugehen, was sowohl Kate, als auch Juliet auf die Palme bringt. Kein Wunder, denn Jack hat nichts zu tun. Da sitzt er nun, verbittert darüber, dass er alles verloren hat (in diesem Fall Kate im Speziellen) und keine Aufgabe mehr hat. Er kann nichts fixen und er kann niemanden anführen. Er sitzt nur da und wartet, dass sich sein Schicksal erfüllt. Das Schicksal, welches ihn in die 70er gebracht hat und welches sich ihm noch zu erkennen geben muss. Bis dahin erstmal chillen. Auch nicht schlecht. Dennoch ist seine Theorie relativ interessant. Jacks Meinung nach hätte Ben vielleicht schon an dem Tumor im Jahr 2004 sterben sollen. Doch Jack hat es verhindert und nun will er der Insel nicht dazwischen funken. Versteht sich.

Trotzkopf Jack

Aber vermutlich hat er noch nichts vom titelgebenden Ausspruch von Daniel Faraday gehört. Was auch immer passiert ist, ist auch passiert. Miles und Hurley führen in dieser Folge auch ein paar sehr kurzweilige Gespräche darüber, vermutlich um den mittlerweile sichtlich verwirrten Zuschauer die ganze Zeitreiseproblematik etwas näher zu bringen. Dabei ist es ja eigentlich gar nicht so schwer zu kapieren. Sicher, Hurley, Jack und Co. waren schon immer in den 70ern, aber sie können sich nicht dran erinnern, denn sie erleben es ja gerade live als ihre Gegenwart. Deshalb können sie auch jederzeit draufgehen. Ben hingegen nicht, denn er lebt ja noch im Jahr 2004. Oder vielleicht doch nicht? Vielleicht hat Sayid ja doch etwas geändert. Zumindest vermuten wir das im Laufe der Folge. Die Situation des kleinen Ben wirkt aussichtslos. Bis zu dem Moment, als Juliet eine Idee kommt. Die Others sollen helfen, sie machen das ja immer. Also macht sich Kate auf eigen Faust, um das Leben des Ben zu retten. Schicksal hin oder her, sie kann kein zwölfjähriges Kind sterben lassen. Irgendwie nachvollziehbar. Sawyer hilft auch mit, aber nicht für Kate, sondern für Juliet, wenngleich er weiß, dass dadurch seine Tarnung auffliegen könnte. Die Others selber freuen sich natürlich nicht, wenn die Dharma einfach so auf ihr Territorium gelatscht kommt, doch Richard Alpert erkennt James wieder und weiß, dass er zu Locke gehört. Und er erkennt Benjamin Linus wieder, dem er damals im Dschungel begegnet ist.

Sonderbehandlung durch Smokey?

Und irgendwie scheint Ben schon „special“ zu sein, wenngleich er ja eigentlich nur als Übergangsleader herhalten muss, während Richard auf die Ankunft von Locke wartet. Richard heilt Ben trotzdem… mit allen Konsequenzen. Ben wird (höchstwahrscheinlich) durch das Rauchmonster bekehrt und somit geheilt… aber gleichzeitig wird er auch zu einem der Others. Und in diesem Moment wird Sawyer und Kate das Prinzip von „Whatever Happened, Happened“ wohl deutlich. Kates Handeln macht aus Benjamin Linus letztendlich das, was er einmal später wird. Ob sie es vielleicht verhindert hätte, wenn die das gewusst hätte? Vermutlich nicht, denn hier ist sie mal dem guten Weg ihres Herzens gefolgt. Und nur so kann Benjamin Linus relativ gesund im Jahr 2007 auf der Hydra Insel erwachen um dort am Ende der Folge von John Locke begrüßt zu werden bzw. dem Mann, der sich als Locke ausgibt. Kein sonderlich angenehmes Erwachen.


Ohne Reue und Gewissen

01/11/2009

5×10 – He’s Our You

Super-Sayid ist auch nicht mehr das, was er früher einmal war. In den ersten Staffel überzeugte der technikversierte Iraker mit dem permanenten Durchblick, Taten- und Opferbereitschaft, wenn es um das Wohl der Gestrandeten ging. Sicher keine Spassbombe, aber ein Mann, auf den man sich verlassen konnte, wenn es hart auf hart kam. Viel ist davon nicht mehr übrig, 3 Jahre nachdem Sayid die Insel verlassen hat. Das Glück mit seiner geliebten Nadia wurde nach kurzer Zeit bereits zerstört und Sayid wurde in Bens private Fehde gegen Charles Widmore hineingezogen und erledigte von nun an zwei Jahre lang als Privatkiller die Drecksarbeit für Mr. Linus. Dabei verlor er sowohl sämtlichen Lebensmut, wie auch jegliche Form von Gewissen.

Ilana prakzitiert Safer Sex

Und kaum hatte er seinen kurzzeitigen Frieden und seine neue Bestimmung im Bauen von Häusern für die dritte Welt gefunden, kehrt Ben zurück und beginnt Sayid erneut zu manipulieren. Der Mann, der Hurley damals beschatten sollte wurde vermutlich genauso von Ben engagiert, wie die giftpfeilbewaffneten Killer, die Sayid später nach dem Leben trachten. Und als er ein weiteres Mal Bens Lügen durchschaut hatte und nur noch weg will, meint es das Schicksal anders mit ihm. Bzw. ist es nicht das Schicksal, sondern Insel-Oberguru Jacob, welcher ebenfalls sehr an Sayids Rückkehr zur Insel interessiert ist. Immerhin hat er ihn auch damals vom Unfalltod bewahrt. Jacob beauftragt also Ilana, Sayid notfalls in Handschellen zurückzubringen. Diese bezirzt den Iraker zuerst, nur um ihn während des Vorspiels auszunocken. Das denn ich mal Coitus Interruptus! Sie sagt zwar, sie sei Kopfgeldjägerin und will Sayid für seine Morde zur Rechenschaft ziehen, aber so richtig glaub ich ihr das natürlich nicht. So ganz kennen wir sie ja noch nicht. Jacob hat vermutlich verlauten lassen, dass Ilana unbedingt den Flug 316 nehmen muss, um zur Insel zurückzukehren. Dass Sayid dabei durch die Zeit geschickt wird, war ihr vermutlich nicht wirklich klar. Jacob scheint auch nur das Nötigste zu erzählen.

Eindeutiges Voting der Dharma Folks

Und so findet sich Sayid schließlich im Jahr 1977 auf der Insel wieder. Und er gerät in die Fänge der Dharma Initiative und merkt natürlich sofort, dass da etwas nicht stimmt. Zumal sich seine Freunde, welche eigentlich gar nicht mehr seine Freunde sind, in dieser Dharma gut eingelebt zu haben scheinen. Woran soll dieser Mann eigentlich noch glauben? Während Kate, Jack und Hurley darauf warten, dass ihnen irgend jemand erzählt, was denn nun ihr Schicksal sei, ist Sawyer eifrig damit beschäftigt, die heile Welt des Jim LaFleur in Dharmaville aufrecht zu halten, wenngleich seine Angetraute, Juliet, da natürlich schon wesentlich skeptischer ist. Sawyer gibt Sayid einige Möglichkeiten zur Flucht, aber dieser wirkt leicht resigniert und weiß nicht, was er tun soll. Sawyer ist ebenfalls ratlos. Doch für Sayid soll sich nun bald sein Schicksal zeigen. In dem Moment, wo ihm ein zwölfjähriger Benjamin Linus ein Sandwich bringt, scheinen für Sayid einige Lichter im Kopf anzugehen. Hier steht er nun vor ihm… sein ehemaliger Peiniger.

Ablenkungsmanöver

Ein Lügner und Betrüger, ein Psychopath und rücksichtsloser Mörder, ja, wenn man die Auslöschung der Dharma Initiative mit hinzunimmt, sogar ein Massenmörder… ein Mensch, der nur an sich selbst und für seinen eigenen Vorteil über Leichen geht. Ein Mann, der für viel Kummer und Leid im Leben aller Überlebenden des Fluges 815 zuständig ist, wenn man es mal im größeren Rahmen betrachtet. Sayid aber im ganz Speziellen. Und hier steht er nun, dieser Benjamin Linus. Als kleiner Junge, Jahre bevor er zu eben diesem Mann wurde. Und Sayid erlebt auch die Terrorisierung durch Bens Vater mit und den Hass den Ben auf ihn und die Dharma Initiative hat. Doch es lässt Sayid ungewöhnlich kalt. Denn hier ist die essentielle Frage seiner Tragödie: Wenn du die Chance hättest, alles zu ändern und ungeschehen zu machen, würdest du es tun? Das ist wie mit der berühmten Zeitreisefrage, ob man Hitler töten würde oder nicht. Das im LOST-Universum „Whatever happened, happened“ gilt, hat Sayid leider noch niemand gesagt.

Verhängnisvolle Flucht

So lässt er sich auf einen Deal mit dem jungen Ben ein. Dieser lässt ihn frei, indem er den Rest der Dharma mit einem brennenden Van ablenkt, wenn Sayid ihn dafür mit zu den Others nimmt. Doch Sayid hat Besagtes natürlich in keinster Weise vor. Die Gesetze des Universums sind ihn in diesem Fall egal. Hier ist ein verzweifelter, gebrochener Mann, welcher die eine Chance, die er hat, um sich bei seinem Peiniger zu rächen nutzt. Ohne Reue und Gewissen. Sayid bleibt der geborene Killer, der er immer war. Er kann davon einfach nicht weglaufen, trotz all der guten Taten, welche er in der Vergangenheit getan hat. Als drückt er ab und erschießt den jungen Ben. Die Konsequenzen sind dabei genauso unnütz, wie die Skrupel. Damals ein ziemlicher What-The-Fuck-Moment, denn als Zuschauer stellt man sich die Frage, ob nicht vielleicht doch der Lauf der Geschichte geändert werden kann und was dies nun für die weiteren Folgen bedeutet. Die Antwort folgt schneller, als man erwartet hat.


Neue Rollenverteilung

31/10/2009

5×09 – Namaste

Bilderbuch-Bruchlandung

Nachdem wir in der vergangenen Folge relativ kompromisslos in Dharma-Zeit katapultiert wurden, lässt sich diese Folge ein wenig Zeit, um uns und die Oceanic Six an die neuen Lebensumstände zu gewöhnen. Zeitgleich wechseln wir immer wieder zum zweiten Handlungsspielraum, nämlich ins Jahr 2007, wo wir gleich am Anfang mitbekommen, wie Superpilot Frank Lapidus es schafft, Flug 316 sicher auf der Hydra Insel zu landen. Na ja, er hat dabei etwas Schützenhilfe von Jacob gehabt. Wir erinnern uns… der hatte drei Jahre vorher die Others beauftragt eine Landebahn auf der Insel zu bauen. Deshalb haben Sawyer und Kate da auch Steine gehackt. Zeitliche Begrenzungen scheint es für Jacob ja nicht zu geben und er hat großes Interesse daran, dieses Flugzeug sicher runter zubringen. Immerhin sind Ilana und Bram, also seine Leute an Bord, sowie Sun und Lapidus, dessen Rolle sicher wichtiger ist, als wir bis jetzt ahnen können. Würde mich nicht wundern, wenn Jacob himself den Schichtplan von Lapidus geändert hat, damit er an Bord dieser Maschine sitzt. Frank glaubt sowieso nicht mehr an Zufälle, tut aber seinen Job. Er bringt das Flugzeug sicher zu Boden und lässt ganz nebenbei noch unter den Überlebenden den Jack raushängen, wenngleich seine „Live Together, Die Alone“-Rede jetzt nicht den gleichen durchschlagenden Erfolg hat.

"OK, hören wir auf diesen seltsamen, alten Mann. Der wird schon wissen, was er macht!"

Ben ist zwischenzeitlich mal wieder auf der Flucht Richtung Hauptinsel, kann aber von Sun aufgehalten werden, die sich natürlich, genauso wie der Zuschauer fragt, warum gerade sie als einzige der Oceanic Six zurückgeblieben ist. Zusammen mit Frank macht sie sich auf den Weg zur Hauptinsel um nachts in der verlassenen Dharmasiedlung anzukommen, wo auch seit Jahren kein Gärtner mehr am Werk war. Smokey scheint hier auch rumzulungern und nicht nur das… Christian Shephard ist auch am Start. Eine lustige, kleine Runde, die wieder mal die Gerüchte nährt, dass Geister-Christian und das Rauchmonster was miteinander zu tun haben. Ob sie ein und dieselbe Person sind mag ich aber noch anzweifeln. Christian jedenfalls weist Lapidus und Sun die Reise, denn im verlassenen Registrierungscenter der Dharma Initiative hängt dann das berühmte Gruppenfoto der Rekruten von ’77, auf welchem man auch Jack, Kate und Hurley sieht. Anscheinend ist Sun beim Zeitreisen falsch abgebogen… oder so ähnlich.

Welcome To The 70s

Im Jahr 1977 hat Sawyer aka LaFleur alle Hände voll zu tun, mit den ungeplanten Neuankömmlingen umzugehen. Love Interest Juliet findet dies alles andere als angenehm, denn sie ahnt bereits, dass damit die schöne heile Welt in den Dharma-70s vorbei ist. Außerdem ist Kate da. Diese furchtbare Kate, die wieder alles zwischen Juliet und James ruinieren wird… das mögen zumindest ihre Gedanken sein. Auch wenn Kate aus anderen Gründen auf der Insel ist, so sind die Sorgen ja durchaus berechtigt. Doch LaFleur will die Situation retten, schafft es mit viel Geschick und Trickserei, dass Kate, Jack und Hurley in die Dharma Initiative eingeschmuggelt werden. Hurley wird zum Koch, was sicher nicht verwunderlich ist, während die Rekrutierung von Jack als Hausmeister sicher unter den Bereich Ironie fällt. Der eins große Anführer und Wirbelsäulenchirurg ist nun einer von vielen und Hausmeister. Ausgerechnet er! Auch im abendlichen Gespräch im Casa de LaFleur wird die neue Rollenverteilung deutlich. Jack hat nichts mehr zu sagen, Sawyer ist am Zug und der macht die Sachen auf seine Art. Jack hat niemanden mehr, den er führen kann. Verzweiflung hat ihn auf die Insel gebracht und sie lässt ihn auch dort nicht los, denn anders als erwartet wurde er nicht von vielen Zurückgelassenen mit offenen Armen als Anführer begrüßt… Nein, er ist den 70ern gelandet, ein Großteil der Gestrandeten ist tot und die, die noch da sind, müssen nicht gerettet werden. So heißt es Abwarten und aufs Schicksal warten. Diese drei Zurückgekehrten sind für Sawyer erstmal kein Problem, wenn da nicht noch Sayid wäre, der versehentlich in der Nähe der Flame-Station aufgetaucht ist und da gleich mal als Hostile abgestempelt wird. So lernen wir auch den stets mies gelaunten Stuart Radzinsky kennen, den man jetzt schon manchmal wünscht, er würde sich die Flinte in den Mund stecken.

Henkersmahlzeit durch einen alten Bekannten

Sayid ist allerdings ein Blitzmerker und kann relativ schnell kurzschließen, dass er in der Blütezeit der Dharma Initiative gelandet ist. So spielt er das Spiel mit, um am Leben zu bleiben, auch wenn er noch nicht alles versteht. So erkennt er auch, wer der kleine Junge mit der großen Brille ist, welcher ihm am Ende der Folge ein Sandwich in die Zelle bringt. Hier steht er nun, Benjamin Linus… der Mann, der ihn jahrelang manipuliert hat und der, so glaubt zumindest Sayid, der Grund dafür ist, dass der Iraker wieder auf dieser Insel ist und bei der Dharma in den 70ern in Lebensgefahr schwebt. Und in diesem Moment erkennt Sayid vielleicht sein „Schicksal“. Straft er einen kleinen Jungen für das ab, was er später mal werden würde oder nicht. Mit dieser Frage beschäftigt sich dann die nächste Folge.


Love, Peace & Science

28/10/2009

5×08 – LaFleur

LaFleur In Love

Endlich ist Schluss mit den ollen Zeitreisen! Nach Locke’s finalem Rad-Dreh befindet sich der kleine Rest an Überlebenden auf der Insel gefangen in den 1970ern. Die Zeit von Flower/Power, Disco-Musik, Schlaghosen, Haaren und natürlich… der Dharma Initiative. War ja nach Jins kurzem Gastauftritt am Ende von „316“ nicht weiter verwunderlich. Wir erfahren, wie Sawyer und Co. bei der Dharma gelandet sind und, was noch viel verwunderlicher ist, sich da im Jahre 1977 bestens eingelebt haben. Der Sprung in die 70er ist von nun an, neben der Parallelhandlung um Locke 2.0 im Jahr 2007, das zentrale Element der fünften Staffel bis zu ihrem spannenden Ende. Erzähltechnisch ein recht cleverer Schritt, denn so bekommen wir einen kleinen Einblick in den Alltag der sagenumwogenen Dharma Initiative, welchen wir in dieser Form in klassischen Flashbacks wohl nicht bekommen hätten. So greifen unsere Losties wieder einmal aktiv ins Inselgeschehen ein, was sicher in der „Wir-werfen-die-Wasserstoffbombe-in-das-elektromagnetische-Feld“-Aktion gipfelt. Nebenbei bekommen wir aber auch ein wenig Einblick in die Strukturen der Others. Kann ja auch nicht schaden.

"Guten Abend, Guyliner!"

Gekonnt schwindelt sich Sawyer dabei in die Dharma Initiative hinein. Deren Chef, Horace Goodspeed, kann der die glaubhafte Geschichte des gestrandeten Expeditionsteams, welches die Black Rock suchte, auftischen. Dank des Verhandlungsgeschicks mit Richard Alpert schafft es Sawyer nebenbei auch noch, die Waffenruhe zwischen Dharma und den Hostiles aufrecht zuhalten und Richard mal wieder in der Besonderheit John Lockes bestätigen. Für Horace natürlich beeindruckend. Sawyer erkauft sich damit Zeit. Zeit, in der er hofft, dass John Locke auf die Insel zurückkommt, um alle zu retten. Hat er ja gesagt. Doch, wie es nun halt mal so ist… aus den ursprünglich zwei Wochen werden drei Jahre, in der sich Sawyer, Miles, Jin und Juliet bestens bei der Dharma einleben. Gut, außer Daniel, aber der ist seit Charlottes Tod besessen davon, etwas zu verändern und ist deshalb zur Festlandeinrichtung von Dharma gegangen, um zu forschen. Der Rest ist dageblieben und lebt ein beschauliches Leben in dieser netten, kleinen Forschungskommune, die irgendwie auch bissel was von einem Woodstock für Wissenschaftler hat. Love, Peace & Science! Alles easy in Dharmaville. Sawyer hat zwar seinen ursprünglichen Auftrag noch nicht vergessen und lässt Jin tapfer jeden Tag die Insel Quadratzentimeter für Quadratzentimeter durchsuchen, in der Hoffnung irgendwen zu finden. Miles arbeitet ebenfalls beim Sicherheitsdienst und Juliet hat sich der Kfz-Mechanik zugewendet. Warum auch nicht? Viel schöner ist die Tatsache, dass die zarte Liebe zwischen ihr und James in den letzten 3 Jahren aufgeblüht ist und beide nun ein wunderbares Pärchen darstellen. Viel besser als alles, was Kate und Sawyer je waren.

Ärger im Anmarsch

Zusammen leben sie auf dieser beschaulichen Insel, trotz gelegentlichen Verstimmungen mit den Einheimischen. Und so ist Sawyer nicht mehr der verbitterte, zynische Sawyer von früher und auch nicht mehr unbedingt James Ford. Er ist jetzt Jim LeFleur! Ruhig, ausgeglichen, verliebt in Juliet. Und Head Of Security bei der Dharma. Und ein Eindruck macht sich in dieser kleinen Dharma Welt sofort breit… denen geht’s ganz gut. Klar, Jin vermisst seine Sun, aber die soll ja nach seinem Wunsch eh nicht zurück zur Insel kommen, also hat er sich vielleicht auch damit abgefunden. Sawyer und Juliet sind glücklich miteinander. Gerade Sawyer, der Horace im Männergespräch offenbart, dass er sich eigentlich gar nicht mehr an Kate erinnert und mit dem Kapitel abgeschlossen hat. Man glaubt es James sogar. Hier will ganz klar niemand gerettet werden, denn eigentlich sind alle ganz happy. Doch wie immer, wenn so ein Zustand bei LOST erreicht ist, wird er nicht lange halten. Denn die Serie lebt ja vom Konflikt und so ist die Skepsis natürlich groß, als am Ende der Folge Jin verkündet, dass er Jack, Kate und Hurley wieder aufgegabelt hat. Allein der Kate/Sawyer-Blick am Ende. Da stöhnt man als Zuschauer doch schon wieder laut auf, weil diese Frau sicher wieder alles kaputtmachen wird. Und Jack erst! Nein, Wiedersehensfreude sieht anders aus. Die Oceanic Six sind, zumindest teilweise, zurück, weil man ihnen gesagt hat, es sei ihr Schicksal und sie müssten alle anderen retten. Doch sie wurden von Mrs. Hawking ausgetrickst. Es ist nur teilweise ihr Schicksal und gerettet muss hier gar keiner werden. So ist es für den Zuschauer natürlich spannend, wie alle Beteiligten mit dieser neuen Situation umgehen werden.